Path:
Die Aquarell Sammlung Kaiser Wilhelms I. : Ein Beitrag zu seiner Lebensgeschichte

Full text: Die Aquarell Sammlung Kaiser Wilhelms I. : Ein Beitrag zu seiner Lebensgeschichte

I102
Historisch hat dieses gleichsam allegorische Btlo gewi� feinen Olatz in diesen: �illustrierten Nekrolog", sachlich uno
k�nstlerisch werden wir uns weniger mit ihm befreunden k�nnen. So ist die Erscheinung Napoleons I. wohl wenig
angemessen aufgefa�t, wenn auch die historische schlichte gr�ne Uniform mit den wei�en Unterkleidern richtig wieder-
gegeben ist; von dem �Denker und Herrscher," den die K�nigin ?uifc selbst in des Schlachtenkaisers Gesichtsz�gen zu
erkennen wu�te, ist hier nichts 511 finden. Auch die Darstellung des A�mgspaares, namentlich die des K�nigs
Friedrich -Wilhelms III., fordert Kritif heraus. Die Gestalt der K�nigin Cuife, von dem auch von Napoleon
bewunderten wei�en, silberdurchwirkten Areppkleide umflossen, das Aerlendiadem auf dem sch�nen Haupte, gleicht doch
wohl nicht der 3oca^S cfia^' der hier, wenn irgendwo, Ausdruck zu geben die k�nstlerische Berechtigung vorlag.
Das Gegenst�ck, vor Sedan, zeigt gegen�ber unserem 58. Vilde eine auffallend steife, leblose Haltung der beiden
Monarchen, auch eine, nicht zutreffende, Abweichung in ihrer Stellung zueinander, und einige kleine Uniformsfehler.
Durch die Glast�r ist hier der wachehaltende Aronprinz zu erkennen, und durch das breite Fenster die bisherige Eskorte
des Aaisers, die Schleichen Ceib-A�rassiere.
Nicht unerw�hnt soll bleiben, da�, wie damals in Tilsit Napoleon I. keinerlei politische Konzessionen sich
abgewinnen lie�, auch K�nig Wilhelm hier vor Sedan, bei aller Courtoifte auf privatem Gebiete, zu feinem politischen
oder milit�rischen Zugest�ndnisse sich herbeigelassen hat. Das erste Wort, was er dem General Reille sagte, ganz allein
ihm entgegentretend, bevor er den Brief des Kaifers �ffnete, war gewesen: �Avant tout j'ai une condition ? poser.
C'est que l'arm�e mette bas les armes." Und dabei ist es auch geblieben.
Das ?(). Vild, von Fritz Schulz: �Aricgsrath in Versailles 56?!" f�hrt uns mitten hinein in den
zweiten, aufreibenderen Ariegsabschmtt, dessen schwere Vedeutuug nur der A�nig allein bereits bei Sedan vorausgesagt,
den Aampf mit der franz�sischen Republik, in welcher das gest�rzte Aaisertum durch die �Regierung der nationalen
Verteidigung" abgel�st wurde. W�hrend die Hauptmassen des Deutschen Heeres vor Aletz und um Paris gefesselt fest-
lagen, stampfte die feurige Energie Aon Gambetta's in Wahrheit neue Armeen aus dem Voden, im Westen, Norden
und S�den Frankreichs, und die F�den der Teilung und Verantwortung f�r alle Vorkehrungen auf diesem nun immer
weiter sich ausdehnenden Ariegstheater liefen im Gro�en Hauptquartiere in Versailles zusammen. So hatte der A�uig
hier eine innerlich h�chst bewegte Zeit von monatelangcr Dauer zu durchleben, wenn auch �u�erlich seine Tage zumeist
anscheinend ruhig dahinfl�ssen, wie in einer seiner eigenen Residenzst�dte.
Gegen die Bezeichnung �Aricgsrath" f�r die den Ariegsenlschl�ssen vorhergehenden Beratungen im Haupt-
quartiere des K�nigs hat kein Geringerer Einspruch erhoben, als Moltke. Will man darunter etwas von der Art
wie �Hofkriegsrath" verstehen, oder wie Versammlungen der F�hrer, in denen die Vefchl�sse von der Stimmenmehrheit
entschieden werden, dann ist dieser Ausdruck freilich v�llig unzutreffend. Aber zu dieser Auslegung n�tigt ja nichts;
fassen wir das Wort w�rtlich auf, so gibt es auch den richtigen Sinn: Ratschlag �ber deu Arieg. Der A�nig selbst
hat diese t�glichen Zusammenk�nfte stets �Ariegsrath" genannt, und dieser Ausdruck ist auch rein sprachlich der
offiziellen, oder offizi�sen Vezeichnung: �Generals-Vortrag" gewi� vorzuziehen. Aloltke meint, der A�nig habe die
Anwesenden hierbei wohl uni Auskunft, nicht aber um Rat befragt: diese Unterscheidung ist wohl nicht ganz leicht
durchzuf�hren. Zweifellos haben hierbei eingehende und lebhafte Er�rterungen stattgefunden. Aber darin, und das ist
gewi� die Hauptsache, hat Moltke unbestritten Recht, da� der A�nig selbst seine Vorschl�ge �einer meist eingehenden
Erw�gung" unterworfen und �mit milit�rischem Vlick und stets richtiger W�rdigung der Sachlage" die entgegenstehenden
Vedenkeu bezeichnet habe, und da� es �schlie�lich ausnahmslos bei dem Vorgeschlagenen" verblieben sei. wie der
A�nig in andauernder Arbeit durch Aartenstuoien allen Operationen folgte, um sich nicht �infiuiren" zu lassen, wo
die Sachkenntnis mit eigener Nl�he zu erwerben war, berichtet uns sein Vorleser; und wollen wir die GesamtstellunZ
des ASnigs als Oberbefehlshaber der Deutschen Armeen umschreiben, so d�rfen wir das mit den Worten eines gewi�
unbeeinflu�ten Englischen Beobachters, des inVersailles anwesenden Ariegsberichterstatters William Russell tun: �Niemals
        
Top of page

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.