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Die Aquarell Sammlung Kaiser Wilhelms I. : Ein Beitrag zu seiner Lebensgeschichte

Full text: Die Aquarell Sammlung Kaiser Wilhelms I. : Ein Beitrag zu seiner Lebensgeschichte

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Augen vollzieht, noch nicht vollendet, denn wir wissen nicht, wie das �brige Frankreich es aufnehmen und beurteilen
wird. Darum m�ssen wir schlagfertig bleiben; aber schon jetzt meinen Dank Jedem, der ein Blatt zum korbeer- und
Ruhmcskranze unseres Vaterlandes beigetragen."
Damit reichte der K�nig dem Prinzen kuitpold von Vayern und dem Prinzen Wilhelm von W�rttemberg die Hand.
Diese Szene stellt unser Bild dar, das auch landschaftlich, mit dem weiten Blicke �ber das gr�ne Tal, den
Flu�, die Ortschaften, unter dem blauen, von leichten wei�en Wolken belebten Himmel, einen h�chst anziehenden Ein-
druck macht. Der Schauplatz ist die h�he westlich von Frenois, Piaux l^roix, wo Tags zuvor der Kronprinz w�hrend
der Schlacht seinen Standort gehabt hatte; der A�nig hatte am Schlachttagc auf der unfern von hier, s�dlich von
Frsnois, etwa 2000 Schritt n�her an Sedan gelegenen dominierenden H�he, wo auch wiederum die �historischen
Granaten" nicht fehlten, das grandiose Schauspiel beobachtet, wie sich der Feuerkreis immer enger um Sedan zusammen-
schlo�, die Aufl�sung der feindlichen Armee immer deutlicher Heroortrat, bis die Schlu�katastrophe erfolgte.
Hier sehen wir nun um den K�nig die St�be des Gro�en Hauptquartiers und der Kronprmzlichen Armee,
diese in Nt�tze, versammelt, darunter au�er dem Kronprinzen und dein Prinzen Karl die stattliche Zahl der den beiden
Hauptquartieren folgenden deutschen F�rstlichkeiten, unter anderen die Gro�herzoge von Baten und von Sachsen-Weimar,
den Herzog Ernst von Koburg, den Prinzen Tmtpald von Bayern, den Erbprinzen von Mecklenburg-Schwerin, den Prinzen
Wilhelm von W�rttemberg. In der 3Nitte verliest der General von Trcsckow bas bedeutungsvolle Schriftst�ck, und
die hinter dem K�nige stehenden Paladine Vigmarck und 2T�oltfe
� Roon war infolge des Verlustes seines bei Sedan
gefallenen Sohnes nicht zugegen � h�ren mit geradezu schmunzelndem Gesichtsausdrucke dieser Vorlesung zu. Die den
H�gel hinaufsteigenden Offiziere, die im Cale rechts marschierenden Truvpcnniassen, Me Gruppe der abgesessenen Ulanen
rechts, der Grenzstein links, auf welchem der K�nig gefr�hst�ckt, alles vereint �ibt ein h�chst lebendiges Bild dieses
folgenschweren Vorganges.
von hier aus ritt der K�nig auf dem nun �Sedan" getauften Fuchswallach, zu einem neuen welthistorischen
Akte, der f�r ihn pers�nlich eine ganz besondere Bedeutung hatte: zu der Begegnung nnt dem besiegten und gefangenen
Kaiser Napoleon, wie sie das 68. Bild, von Vskar wisnieski: �Den 2. September im Schlosse Bellevue
bei Sedan" darstellt. Napoleon hatte sich bereit erkl�rt, den K�nig auf der h�he aufzusuchen; doch wollte der K�nig
dem Besiegten diese neue Dem�tigung ersparen , sein herauskommen aus Sedan in den Vereich der deutschen Truppen
gleichsam als Vesuchsversuch ansehend, der den Gegenbesuch tunlich erscheinen lie�. Besonders aber nahm der K�nig
R�cksicht auf das k�rperliche keiden des Kaisers, dem sowohl das Reiten als das Sitzen in dem steil aufw�rts fahrenden
wagen h�tte Schmerzen verursachen m�ssen. So entschlo� sich der K�nig ins Tal hinabzurciten, nach dein �stlich von
Donchery, hart am linken Maasufer gelegenen Schl��chen Bellevue, wo der Kaiser semer harrte.
wieder folgen wir der eigenen Schilderung des K�nigs in feinem Briefe an die K�nigin:
�Um 2 Uhr setzte ich mich mit meiner und Fritze? Suite, vorauf die Cavallerie-Stabs-Wache in Bewegung
zum Rendez Vous! Beim (Eintreten in den parc sahen wir die ganze Feld-Equipage in wohlbekannter for�e etc.
des Kaifers, woraus es klar war, da� er Sedan verlassen hatte, um nicht mehr dahin zur�ckzukehren I
,,^ch stieg vor dem Schl�schen ab und fand den Kaiser in einer V�randa vitr�e, die in ein Zimmer f�hrte,
in das wir gleich eintraten. Hch begr��te ihn mit Darreichung der Hand und den Worten: Sire, le sort des armes
a d�cide entre nous, mais il m'est bien p�nible de revoir Votre Majest� dans cette situation! wir waren Beide
sehr bewegt. ?r fragte, was ich �ber ihn beschl�sse, worauf ich ihm Wilhelmsh�he vorschlug, was er annahm; er
fragte nach dem weg, ob �ber Belgien oder durch Frankreich, was letzteres angeordnet war, jedoch auch ge�ndert
werden k�nne (was auch geschehen ist). Er bath seine Umgebung mitnehmen zu d�rfen, die Generale Reille, Moskwa,
Prinz ZT�urat II. etc., ebenso da� er seinen Hausstand beibehalten d�rfe, was Alles ich nat�rlich aecorbirte. Dann
lobte er meine Armee, vorz�glich die Artillerie, die nicht ihres Gleichen habe (was sich in diesem Kriege vollkommen
erwiesen hat), tadelte die 3nbifciplin seiner Armee.
        
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