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Die Aquarell Sammlung Kaiser Wilhelms I. : Ein Beitrag zu seiner Lebensgeschichte

Full text: Die Aquarell Sammlung Kaiser Wilhelms I. : Ein Beitrag zu seiner Lebensgeschichte

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benierkenswerter und auch weithin Aufsehen erregender Art, wegen der ersten gr��eren Vrandenburgischen Aktion zur
See, wie sie im Hohenzollern -Iahrbuche S. 5 ff. ausf�hrlich geschildert sind.
Jetzt nun, Jahre spater, handelte es sich nur um eine friedliche Besichtigung, die aber immerhin unter
kriegerischen Auspizien stand.
Am 5. Juni eines Sonntagmorgens, trat der K�nig diese �Flottenreife" an, begleitet von seinen
Br�dern Prinz Karl und Prinz Albrecht, dem jungen Prinzen Albrecht (Sohn), dem Herzog Wilhelm zu Mecklenburg-
Schwerin, dem Kriegs- und Marineminister von Roon, dein Minister des Innern Graf Friedrich zu Eulenburg,
dem Generaladjutanten Frhrn. von Manteuffel und zwei Fl�geladjutanten. In Stettin empfing den K�nig der
Kronprinz Friedrich-Wilhelm, als Statthalter von Pommern und Kommandierender General des II., Pommerschen
Armeekorps, mit der Kronprinzessin Viktoria. Nach der Parade der Garnison und einem Fr�hst�ck in: k�niglichen
Schlosse fuhr der A�nig auf der K�niglichen Jacht, dem Aviso �Grille", hier empfangen vom Prinz-Admiral Adalbert,
bei sch�nem, windstillen und warmen Wetter nach Sminem�nde. Im Haff lag �die Flottille" vor Anker, 20 Dampf-
Kanonenboote, festlich beflaggt, die Matrosen, Hurra rufend, in paradestellung, an deren Front nun der K�nig entlang
fuhr, wie unser Bild es zeigt. In dem mit Zoldbefranster purpurdecke dekorierten Ruderboot? sehen wir neben den�
K�nige die Kronprinzessin, in hellblauem Jackett und schwarzem Barett, das Haar imNetz, dann den Kronprinzen, die
Prinzen Karl und Adalbert, und Roon, hinter welchem der Herzog Wilhelm zu Mecklenburg-Schwerin, Gberst 5. IZ, suite
des Vrandenburgischen K�rassier-Regiments Nr. 6, an seinem wei�en Koller zu erkennen ist. Ein gr��eres und ein
kleineres Kanonenboot bestieg der K�nig und ward durchaus befriedigt von dem, was er sah und was ihm vorgef�hrt wurde.
Noch h�her aber stieg die Befriedigung des K�nigs, als er am n�chsten Cage vormittags �das Geschwader"
besichtigte, f�nf �gro�e" Kriegsschiffe, unter deren donnerndem Salut ihm zum ersten Male sich eine preu�ische Marine
�en Wut� forme" pr�sentierte. Der K�nig ging an Bord der Gedeckten Korvette �Arcona", wie es das HH. Bild,
von Paul B�rde, darstellt: �Erste Preu�ische Flotten-Revue bei Swinem�nde am 6. Juni Fast drei Stunden
lang weilte der K�nig auf der �Arcona", alles im Detail inspizierend, Gesch�tz- und Segel-Exerzitien, namentlich auch
das �Klarmachen zum Gefecht". Seine eigenen maritimen Erfahrungen basierten freilich nur auf Erinnerungen an
Russische und Englische Flotten-Inspektionen, denen er als Gast beigewohnt. Nun aber als K�nig zeigte er sich auch
hier unerm�dlich, und war von der Akkuratesse des Dienstes, der Findigkeit der Bemannung und den Kraft�u�erungen
bei den Exerzitien inhohem Ma�e befriedigt. Vhne Zweifel trug zu dieser K�niglichen Zufriedenheit auch die kriegerische
Atmosph�re bei, die ihn an Bord gerade dieses Schiffes umsing. Noch waren die Kugelspuren zu sehen vom
Jasmunder Seegefechte her � f�nfmal war die �Arcona" im Rumpfe getroffen worden , eine -Granate hatte das
Deck durchschlagen und in der Batterie einigen Schaden angerichtet, auch das Takelwerk war zerschossen worden �
und mit echter Freude als K�nig und Kriegsherr mag K�nig Wilhelm bei der sich an die Exerzitien anschlie�enden
�Parade-Aufstellung" der 560 K�pfe z�hlenden Bemannung die �Dekorierten" gemustert haben, in dem gehobenen
Gef�hle, da� auch die Flotte ihre Schuldigkeit vor dem Feinde nach Ma�gabe ihrer Kr�fte im vollstem Ma�e getan
habe. Und gewi� wird dem K�nige auch hier die politische Genugtuung das Herz gest�rkt haben, da� die Berech-
tigung seiner Bestrebungen zur F�rderung der Marine, die das �Parlament" mit nicht minderer doktrin�rer Verbissenheit
bek�mpft hatte wie die f�r die Armee, nun gleichfalls auf dem Felde der Tat schlagend erwiesen worden war. Hatte
doch sein Manneminister Roon bereits im Jahre die, nach heutigem Ma�stabe bemessen, fast minimalen
Marinefordcrungen damit begr�ndet, da� Preu�ens Ressourcen ausreichen m��ten, um Preu�ens Ehre und Unab-
h�ngigkeit zu Lande und Meer zu wahren, und darauf hingewiesen, da� Deutschland sowohl zu kande als zu Meer
eines starken kr�ftigen Kernes bed�rfe, an den sich die schwachen Glieder anschlie�en k�nnten, und ein solcher Kry-
stallisationspunkt sei in Preu�en gegeben. Preu�en aber m�sse auch zur See danach streben, da� es bei Ehren
bleibe, und dazu geh�re eine Flotte von ausreichender St�rke, um sich nicht nur verteidigen, sondern auch um
angreifen zu k�nnen: �wer sich lediglich aufs Parieren beschr�nkt, wird gewi� allemal zu kurz kommen". Und in
wahrhaft prophetischer Weise, wie wir heute leicht erkennen, wies Roon die bissige, gegen das �Konflikts-Ministerium"
        
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