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Die Aquarell Sammlung Kaiser Wilhelms I. : Ein Beitrag zu seiner Lebensgeschichte

Full text: Die Aquarell Sammlung Kaiser Wilhelms I. : Ein Beitrag zu seiner Lebensgeschichte

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entscheidende Umfassuiig des rechten feindlichen Fl�gels bei 3t. privat nicht selbst beobachten konnte. Auf dein
rechten Fl�gel der I. Armee sich aufhaltend, wohnte er den hier stattfindenden, ebenso blutigen wie �u�erlich
erfolglosen K�mpfen, zum Teil aus gef�hrdeter N�he bei, wo auch die �historischen Granaten von K�niggr�tz"
nicht fehlten, bis das mit sinkender Sonne herangekommene II., pommerschc Armeekorps zum Allgriffe vorging,
dessen Fortschreiten auf die viel umstrittenen H�hen hinauf dem K�nige die Beruhigung �ber den siegreichen
Ausgang des Tages brachten.
Unser Bild gibt die Szene wieder, wie der K�nig die Siegcsdevesche an die K�nigin diktiert. So verlief dies
nicht, wie oft genug erz�hlt wird, da� dem unruhevoll harrenden K�nige der General von Moltke erst die Nachricht
gebracht habe: �Die Schlacht ist gewonnen." Der K�nig hat diese legende ausdr�cklich abgewiesen: �Sonderbar!
Was denken sich die keute dabei? von einer Schlacht, die ich selbst kommandiert habe, werde ich doch, wenn ich Abends
vom Pferde steige, wissen, ob sie gewonnen oder verloren ist. Das wird mir doch nicht gemeldet!" Nach seiner
eigenen Angabe, bei Vorlegung der Skizze zu unserem Aquarelle, kam Moltke erst hinzu, als der K�nig die Depesche
dem Bundeskanzler Vismarck diktierte. Diese Siegesnachricht, von Vismarck in die Brieftasche eines Feldtelegraphen-
Offiziers mit Bleistift geschrieben, lautete: �Vwouac bei Rezonville 9 Uhr Abends. Die franz�sische Armee in sehr
starker Stellung westlich von Metz heut unter Meiner F�hrung angegriffen, in neunst�ndiger Schlacht vollst�ndig
geschlagen, von ihren Verbindungen mit Paris abgeschnitten, u�d gegen Metz zur�ckgeworfen. Wilhelm. Soweit jetzt
bekannt Garde, 2^', Artillerie vom I'7', ?. 8. 9. und Corps im Gefecht gewesen." Dieser Wortlaut war ver-
schiedenen Modifikationen unterworfen worden. So hatte Moltke in die erste Niederschrift die Angabe: �unter Meiner
F�hrung" hincingesctzt, was der K�nig nicht diktiert hatte, besonders aber auch den bedeutungsvollen Hinweis: �von
ihren Verbindungen mit Paris abgeschnitten". Noch in der letzten Fassung findet sich die charakteristische Korrektur, die
gewi� des K�nigs eigener, vorsichtiger Umsicht entsprang: aus dein �nach Metz hineingeworfen" wurde das bescheidenere
�auf Metz zur�ckgeworfen".
Die Szene spielt in Rezonville, westlich von Gravelotte, wohin der K�nig bei hereinbrechender Dunkelheit
zur�ckgeritten war, am westlichen Ausgange des Dorfes, hart s�dlich der Chaussee nach Verdun. Ratschl�ge, wieder,
wie Tags zuvor, vom Schlachtfelde von Vionville, nach seinem Hauptquartier Pont a Mousson zur�ckzukehren, wies
der K�nig schroff zur�ck: �Kommandire Ich die Armee, so geh�re Ich jetzt hierher, komniandire ich sie nicht, so kann
Ich ins Quartier zur�ckkehren." Ein Wachtfeuer wurde angez�ndet, der K�nig war entschlossen, hier zu biwakieren.
Da� das Haus dahinter noch brannte, als er die Depesche diktierte, hat der K�nig ausdr�cklich angegeben. Eine
weiter wurde �ber eine wage und einen erschossenen franz�sischen Grauschimmel gelegt, und so ein Sitz f�r den
K�nig hergerichtet, durch franz�sische Artillerie-S�ttel gest�tzt. �Es war ein wunderbar bewegtes Vild am Wacht-
feuer � es gab Meldungen �ber Meldungen �ber die gewonnenen Resultate, leider auch �ber schwere Verluste",
erz�hlt der K�nig selbst.
Auf dieser kciler sehen wir auf unserem Bilde den K�nig sitzend, mit sprechender Geb�rde zu Vismarck
gewandt, der das Diktat in die Vrieftasche schreibt, w�hrend hinter ihm Moltke nachdenklich zuh�rt, den Mantel
eines Musketiers vom 5. westf�lischen Infanterie-Regiment Nr. 53 um die Schultern geschlagen. Rechts vom
K�nige steht Prinz Karl von Preu�en mit den Gro�hcrzogcn von Sachsen -IVeimar und von Mecklenburg-
Schwerin; an der Hofmauer ist Roon im Gespr�ch begriffen mit den Generalen des Gro�en Hauptquartiers,
sinkg sch�ren Fl�geladjutanten das Wachtfeuer, im Hintergr�nde links h�lt die berittene Stabswache, K�rassiere
und Ulanen. Vorn rechts liegt ein verwundeter franz�sischer Garde -Voltigeur, bedeckt von seinem IVaffenrock
mit den gelben titzen, gelbem Aragcn und rotein Epaulett, noch vom August her, wo hier, bei Rezonvillc,
die Aaisergarde gefochten hatte.
F�r den A�nig wurde schlie�lich noch eine kleine Stube in einem Bauernhause ermittelt, wo er auf
Rissen des A�niglichen Krankenwagens eine kurze, aber gute Nachtruhe fand. Der Morgen des 59. August
brachte die Best�tigung der siegreichen Entscheidung bei St. privat, aber auch die Aunde von den gro�en Verlusten,
        
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