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Die Aquarell Sammlung Kaiser Wilhelms I. : Ein Beitrag zu seiner Lebensgeschichte

Full text: Die Aquarell Sammlung Kaiser Wilhelms I. : Ein Beitrag zu seiner Lebensgeschichte

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wie nun das Eingreifen der Elbarmee nur ganz langsam und z�gernd erfolgte, und die Ankunft des Aron-
prmzen sich unerwartet lange hinzog � die Vefehlsausgabe und die beschwerlichen Wege erforderten erheblich l�ngere
Zeit als berechnet war da gab es auf dem Rozkosberge auch besorgte Gesichter, die sehnlich nach Nordosten blickten,
um das Nahen des Aronprinzen zu ersp�hen. Der Roma selbst wurde durch den Hinweis des f>nnzen Friednch-Aarl
auf das intakte III.Armeekorps und die Reserve-Batterien �ber das Durchhalten der Schlacht hier im Zentrum v�llig
beruhigt. Vis dann die �sterreichischen Batterien nach Nordosten zu feuern ansingen und der erl�sende Ruf: �Der
Aronprinz kommt!" den Sieg nach dem Alane des A�nigs f�r gewi� erscheinen lie�, und Moltke seinem Ariegsherrn
die klassische Meldung machte: �Luer Majest�t gewinnen heute nicht nur die Schlacht, sondern den Feldzug."
In dieses siegesgewisse Ausklingm der Schlacht hinein f�hrt uns das 55. Bild, von Fritz Schulz: �Am
Nachmittage des 3. Juli bei Stresetitz". Mit der zur Verfolgung vorgeschickten Reserve-Kavallerie � die leider
durch allerhand Friktionen weder so zahlreich noch so geschlossen vorging, als es wohl h�tte geschehen k�nnen � ritt
auch der A�nig von seiner Rozkash�he herunter und �ber die Vistritz hin�ber mitten unter die nun von allen Seiten
avancierenden Cruppen hinein. Und wie ritt der N�nig! Sein Bruder, f>rinz Albrecht, der das zur Armee des
Prinzen Friedrich-Rarl geh�rende �Aavallerie-Rorvs" befehligte, schreibt:
�Er ritt ,,2t lull pace". Merkw�rdig war der Moment beim passieren der Chaussee, die mit Gr�ben
eingefa�t ist, deren w�nde fast senkrecht abgestochen, c. H Fu� tief und von ziemlicher Breite waren ; von Durchklettern
keine Rede! Ich drehte mich um und dachte: �Herr Gott, wie wird der A�nig da hin�ber kommen?" Er nahm
den ersten ganz leicht, bei dem zweiten, breiteren, dessen obere Grabenr�nder spiegelglatt waren, stutzte sein Pferd,
nahm die Nase auf die Erde, besah sich Tiefe und Breite, flog dann aber auch gl�cklich hin�ber. Mir siel ein Stein
vom Herzen. Vie instinktm��ige Vedachtsamkeit des Chieres und die Ruhe des kerzengerade sitzenden Reiters, der ihm
volle Freiheit lie� und es auf keine weise irritierte, erregten meine ganze Bewunderung. Nur ein bew�hrter Iagd-
reiter beh�lt in solchen Augenblicken seine Fassung."
In dem Hochgef�hle des Siegers und in dem Bestreben, nur immer mehr von den Truppen zu sehen, achtete
der ASnig nicht darauf, da� er fast schon in die kinie der noch A�mpfenden gelangt war: �Da kam ein versprengter
Trupp von etwa �sterreichischen Ulanen grade auf den A�nig zu. Die Stabswache formirtc sich sofort zum Angriff;
im selben Augenblick aber bekamen die Ulanen so starkes Infantericfeuer, da� die Ueberlebenden eiligst nach S�den fort-
sprengten"; so erz�hlt der im Gefolge Bismarck's mit zuFelde gezogene tegalionsrat Robert von Aeudell als Augenzeuge.
Gerade diesen Augenblick zeigt unser Bild: im Mittelgrunde sehen wir die �sterreichischen Ulanen, in deren
Flanke das preu�ische Infanteriefeuer hineinschl�gt, w�hrend von rechts hinter dem A�nige her die Stabswache zur
Attacke anreitet. Trotz dieser bewegten Situation h�lt der A�'nig in vollster Ruhe vor seinem Stabe auf einer kleinen
Erhebung zwischen den D�rfern Stresetitz � H1/2 Km s�ds�d�stlich von Sadowa � und Problus � Km s�dlich
von Streselitz. Das Wetter ist aufgehellt, die Mantelkragen sind wieder heruntergeschlagen, die M�ntel aufgekn�pft. Unter
dem Gefolge ist hier neben dem russischen Grafen Autusoff auch der italienische Milit�r-Bevollm�chtigte Oberst Graf Avet
an seinen: Zweimaster zu erkennen. Bismarck tritt hier besonders deutlich hervor, unmittelbar hinter dem A�nige,
auf seinen: m�chtigen Fuchs, so wie ihn Reudell als Augenzeuge schildert: �wie er im grauen Mantel hochaufgerichtet
dasa� und die gro�en Augen unter dem Stahlhelm gl�nzten, gab er ein wunderbares Bild, das an kindliche Vor-
stellungen von Riesen aus der nordischen Urzeit erinnerte."
Das hin- und tzerwogen des Reiterkampfes ist auch hier drastisch dargestellt: hinter dm beschossenen �ster-
reichischen kanzenreitern attackieren preu�ische Ulanen gegen �sterreichische A�rassiere; auch vor dem brennenden Dorfe
Problus, dessen wei�e Airche hell hervorleuchtet, reiten Reitergeschwader gegeneinander an:
�welch' ein Spiel der Farben!
�Hier schwarz und wei� die F�hnlein der Ulanen,
�Hier silberfarbne Adler auf den Helmen,
�Hier roth und wei� die Iletenschen Husaren, �
�Ein gl�nzend Schauspiel, gl�nzender der Sicg�" �
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