Path:
Die Aquarell Sammlung Kaiser Wilhelms I. : Ein Beitrag zu seiner Lebensgeschichte

Full text: Die Aquarell Sammlung Kaiser Wilhelms I. : Ein Beitrag zu seiner Lebensgeschichte

80
gegen�ber Ausdruck gelegentlich des Vortrages �ber den Allgemeinen Vettag; in tiefer Vewcgung sagte ihm der A�nig:
�Sie wollen ja den Arieg! Das Instrument, dessen wir uns bedienen, ist so gut bereitet wie es nur sein kann,
aber freilich der Ausgang steht in Gottes Hand, Sollte Gott uns dem�thigen wollen, so werd? ich die Wieder-
herstellung nicht mehr erleben � wie einst mein Vater � dazu bin ich zu alt." Dabei traten den: K�nige
die Tr�nen in die Augen.
wie der K�nig aber immer mehr erkennen mu�te, da� mit Ehren f�r Preu�en fein Ausweg �brig bliebe
als der Krieg, da� seine F�llst zum Schmerle greifen m�sse, wollte er nicht ein �zweites Glm�tz" herbeif�hren; da�
es f�r Vesterreich jetzt gelte, wie damals �avilirla Prusse, puis la d�molir"; da� der Ha� der Mittelstaaten gegen
Preu�en, diesen �F�rstenfresser", diesen �Ogre", der ihre Selbst�ndigkeit bedrohe, ebenso Widerlegungen unzug�nglich
und unausrottbar sei, wie er g�nzlich unbegr�ndet und ungerecht war, da sah er eben hierin den willen der Vorsehung,
die ihm aufdr�nge zu handeln. Und sobald er erkannt, da� die Ehre tangiert werde, gab's f�r ihn kein balancieren
mehr, und damit kam auch die Freudigkeit �ber ihn, eine gerechte Sache 311 f�hren. Als seine letzten Versuche, die
deutschen Mittclstaaten wenigstens Zur Neutralit�t zu bewegen, gescheitert waren, da rief er aus: �Ich wei�, sie sind
Alle gegen mich! Aber ich werde selbst an der Spitze meiner Armee den Degen zieheil und lieber untergehen, als
da� Preu�en diesmal nachgicbt!" Denn nun war er sich bewu�t, da� es f�r Preu�en einen Existenzkampf gelte,
auf keben und Tod, um sein Gestehen als Gro�macht; dieses sprach er feinem Neffen, dem Prinzen Friednch-Aarl aus,
wie er sich als �Oberbefehlshaber der I.Armee zur Uebcrnahme feines Aommandos abmeldete; aber er f�gte hinzu:
�Das Schicksal der Schlachten steht in Gottes Hand, aber die Armee ist gut und mit vollem Vertrauen blicke ich auf
fie und ihre F�hrer." Sp�terhin ging er in seiner Gewissenhaftigkeit sogar so weit, sich Vorw�rfe zu machen, da� er
nicht schon fr�her der F�hrung der Vorsehung vertrauensvoll sich hingegeben habe, da sein langes Z�gern mit den
Ariegsporbereitungen � wir wissen, wie schwer seine treuen Berater, Vismarck und Moltke vor allen, damit zu ringen
hatten � den Ausgang wohl h�tte gef�hrden k�nnen.
wie nun aber trotz alledem die preu�ischen Ariegserfolgc �ber alles Hoffen und Erwarten hinaus Schlag
auf Schlag die Gegner trafen, wie in siebent�gigem Feldzuge der Hauptgegner in einer Hauptschlacht entscheidend
geschlagen war, und hiermit auch die Gegner im Innern endlich, endlich ihr doktrin�res Unrecht erkennen mu�ten,
da �berkam den K�nig, neben aller tiefer innerer Dankbarkeit gegen den Gott der Schlachten, die wohlberechtigte
Siegesfreude, das Bewu�tsein der Genugtuung nach fo viel Verkennung nach Au�en und nach Innen.
Dieser Stolz auf die Erfolge der von ihm reorganisierten und damit siegesf�hig gemachten Armee kommt
auch in unserer Aquarell Sammlung zum Augdruck, die in sieben Vildern den A�nig auf diesem Siegeszuge begleitet.
Und da ist es denn h�chst charakteristisch f�r den A�nig, wohin seine allgemeinen Weisungen hierf�r an seinen Vorleser
kouis Schneider, als das vermittelnde Grgan dieses �illustriertenNekrologs" abzielten. Ausdr�cklich erkl�rte der A�nig:
�Ich will nichts in meinem Album haben, was sp�ter einmal wie eine Dem�thigung des Feindes gedeutet werden
k�nnte!" Und somit kamen nur solche Momente zur Darstellung, die dem gro�en Ganzen des Heeres zur Ehre
gereichten, wenn auch hier der A�nig immer der Mittelpunkt bleiben mu�te.
wie der A�nig sich nur allm�hlich den Entschlu� zum Ariege innerlich abrang, so erfolgten auch die Ariegs-
vorbereitungcn nur Schritt vor Schritt, bis endlich, am 5. Mai, die ganze preu�ische Armee, damals 9 Armeekorps
umfassend, mobil gemacht wurde. Unerm�dlich t�tig war der A�nig, die durch Verlin passierenden Truppen zu begr��en
und zu besichtigen, und sein bisheriger Fl�geladjutant, jetzt Aonimande�r des Garde-Feld-Artillcrie-Regiments, Orinz
Araft zu Hohenlohe, gibt uns eine Schilderung von ergreifender Wahrheit, wie diese Inspizierungen auf das Soldaten-
herz des A�nigs tr�stend und erhebend einwirkten. Am Mai stand dies Regiment zum ersten Male in voller
Ariegsst�rke auf dein Cemvelhofer Felde, fast 1(00 Gesch�tze mit 2H00 Pferden. Vla� bis zur Aschfarbe, die Stirne
in tiefe Falten gezogen, furchtbaren Ernst, tiefen Aummer in den Z�gen: so nahte der A�nig; �Sie haben nie etwas
gekonnt, es wird auch heute schlecht gehen", meinte er zu dem Regiments-Aommandeur. wie er nun aber Pferde und
Mannschaften in tadelloser Verfassung fand, wie das Exerzieren vortrefflich klappte, sogar �im Feuer", da war er
        
Top of page

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.