Path:
Friedrich der Große und seine Leute : IV Graf Kurt Christoph Schwerin

Full text: Friedrich der Große und seine Leute : IV Graf Kurt Christoph Schwerin

40
si�llmtz 1, zum erz�rnten Monarchen, um ihn ihrer Anh�nglichkeit an feine Person Zu versichern und zu erkl�ren, ba�
man nicht entfernt daran gedacht habe, durch die unwillk�rliche, dem Eintritt des Kronprinzen folgende Bewegung
die Ehrfurcht gegen Seine Majest�t M verletzen. Als einzige Antwort wiederholte Friedrich-Wilhelm den Befehl,
unverz�glich aufzubrechen. Nach einiger Zeit noch sagte er dem Herzog von Holstein, er solle nicht glauben, weil er
ein prtnj sei, da� sein Aovf nicht stiegen w�rde wie der eines einfachen Privatmannes, wenn er fortf�hre, die auf*
gehende Sonne anzubeten. Und wie wir von anderer Seite erfahren 2 soll er damals auch ge�u�ert haben: �Ich wei�
wohl, was die vielen Reverenzen bedeuten; da soll einmal der Donner und das Vetter dreinschlagen: ich werde einmal etliche
K�pfe als R�ben springen lassen, und dann wird sich wohl weisen, ob ich oder der Junge B�rgermeister zu Berlin ist."
Noch Friedrich-Wilhelm I. hatte Schwerin 5?.^ zum Generalleutnant und, nach Verleihung des Schwarzen
Adlerordens 1,736 2, drei Jahre sp�ter zum General der Infanterie bef�rdert. Als Friedrich den Thron bestieg,
ernannte er ihn bei der Revue des Regiments am 8. Juli pers�nlich zum Feldmarschall und erhob drei Wochen
darauf, am 3^. Juli, ihn und seinen Bruder Hans-Bogislav in den Grafenstand. Uni Aurt-Chnstoph besonders aus-
zuzeichnen, verf�gte er, da� auf dem Helmschmuck des neuen Wappens und zwar auf der Arone des linken der drei
Helme, die den Schild decken, die Rniefigur eines mit dem Schwarzen Adlerorden geschm�ckten Generalfeldmarschalls
im vollen Harnisch, mit dem Helm auf dem Aopf, mit dem Uommandostab in der Rechten, w�hrend die kinke das
Gef�� des Vegens umfa�t, angebracht werden sollte^, � waren dieses ja die Attribute der w�rden, die eben jener bekleidete.
Tag und Stunde waren jetzt auch nicht mehr fern, da Friedrich ihn in sein allerengstes vertrauen zog; denn
kaum, da� die Nachricht von dem Ableben Aaiser Aarls VI. in Rheinsberg eingetroffen war, so berief er den neuen
Feldmarschall und den Aabinettsmmister Grafen Oodewils zu sich, um mit ihnen Rats zu pflegen. Ueber den Verlauf
der Rheinsberger Aonferenz vom 28. Oktober sind wir durch eine Denkschrift unterrichtet, die podewils auf Befehl des
K�nigs tags darauf gemeinschaftlich mit Schwerin aufsetzte." Danach er�ffnete Friedrich ihnen seine Absicht, die gegen-
w�rtigen Konjunkturen, das �gro�e Ereignis" des Todes des Kaisers, und seine eigene g�nstige tage f�r die Erwerbung
Schlesiens auszunutzen. Schon seit langem und in erster kinie komme sie f�r die Vergr��erung der Monarchie in
Betracht; sie werde auch seinen Ruhm und die Gr��e seines Hauses am meisten f�rdern. Jene Erwerbung sei sogar
die Preisgabe seiner Erbanspr�che auf I�lich und Verg wert, da diese nur geringere Bedeutung hatten als ganz
Schlesien, das durch die Nachbarschaft mit seinen �brigen landen, durch seine gewaltigen Hilfsquellen, den Reichtum
seines Handels und seine gro�e Einwohnerzahl die Macht Preu�ens konsolidieren w�rde.
A7an sieht: der Entschlu� Friedrichs war gefa�t; es handelte sich also nicht mehr darum, ob, sondern lediglich,
wie er ins Werk gesetzt werden sollte. Nnd diese Frage war es nun, die der A�nig seinen beiden Ratgebern vorlegte.
Nach reiflicher Ueberlegung, so erkl�rten sie, b�ten sich zwei Wegs dar. Als den ersten und zugleich sichereren
bezeichneten sie die g�tliche Verst�ndigung mit dem Hause Habsburg: f�r die Abtretung Schlesiens sollte der A�mg die
Unterst�tzung der Wahl des Gro�herzogs Franz von Toskana, des Gemahls Maria -Theresias, zum R�mischen Aaiser,
seine Waffenhilfe zur Verteidigung der gesamten �brigen Monarchie, den Verzicht auf I�lich und Verg und endlich
eine Subsidienzahlung aus dem preu�ischen Schatze antragen. Zugleich m�sse man sich der Zustimmung und Mit-
wirkung der Seem�chte versichern, w�rde aber der wiener Hof sich auf diese Vorschl�ge nicht einlassen, so habe der
A�nig � und das sei der zweite weg � mit den �brigen M�chten, die gleichfalls Anspr�che auf das �sterreichische
Erbe erh�ben, mit Bayern und Sachsen gemeinschaftliche Sache zu machen, um Schlesien mit dem Schwerte in der
Hand zu erobern. In diesem Falle w�re eine Allianz mit Frankreich zu schlie�en. �Dies sind die beiden einzigen
1 VqL �M�moires pour servir ? l'histoire des quatre derniers souverains de la maison de Brandebourg", 33b. 2, 5. 359 ff.(Vetliiln?90- � 2 Script des Grasen Manteuffel. Vgl.K.v. Weber, Ans vier Jahrhunderten. tient Folge, Vd.I,S. H5 (leipzig 5865). �
8 pgl. Generalstabswerk, CeilI, Vd. 5, 5- 2?. � * Cagebuchaufzeichnung des leutnants von Miltitz im Regiment Schwerin (�Urkundliche
Seitr�ge und Forschungen zur Geschichte des preu�. Heeres", Herausa, nom Gro�en Generalstab, Heft 10, 5.n; Berlin 5905). Sonst wird
allgemein der 30. Juni als Tag der Ernennung angegeben.
� 5 Das Grafendiplom ist abgedruckt: �Allgemeine Geschichte lies Geschlechts
von Schwerin", Urkundenband 2, 5. 522ff. � � Denkschrift vom 29. Oktober \?^o: P. C, Vd. l, S. 7tff.
        
Top of page

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.