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Friedrich der Große und seine Leute : IV Graf Kurt Christoph Schwerin

Full text: Friedrich der Große und seine Leute : IV Graf Kurt Christoph Schwerin

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September l.756 erkl�rt er, seine �Nasenspitze" m�chte er drum geben, w�re er bei dein Feldmarschall.^ Dieser vergilt
ihm das Kompliment, indem er durch seinen Adjutanten im November melden l��t: sollte die Schleiche Armee im
folgenden 3 re so verst�rkt werden, da� ein k�niglicher prin5 ohne Einbu�e an seiner Reputation an ihre spitze
treten k�nne, so w�nsche er es von Herzen; er werde gern �en second" Weiten* 2 war er ja doch schon l.?HH zum
milit�rischen Ratgeber des Thronfolgers ausersehen. Und als er seinen Heldentod starb, da bezeichnete August-Ivilhelm
diesen Verlust als �unersetzlich" und pries Schwerin als einen der �seltenen Menschen, von denen es vielleicht nur
einen in einem Jahrhundert giebt".^ An begeisterter Anh�nglichkeit stand Prinz Heinrich hinter feinem Bruder nicht
zur�ck; gleichwie er des Feldmarschalls in feinen Aufzeichnungen mit r�hmenden Worten gedenkt^, so fehlt auch nicht
Schwerins Name auf jenem Denkmal, das er im 3UU U9\ in Rheinsberg der Erinnerung an die Helden des
Siebenj�hrigen Krieges weihte.''
Allein gleichwie dieses Denkmal zu gleicher Zeit eine Anklage gegen den A�nig bildete, der nicht alles Ver-
dienst gerecht gew�rdigt habe, so wurde denn auch Schwerin gegen Friedrich ausgespielt. Auf die Prinzen und ihre
Partei geht die tegendenbildung zur�ck, die nur allzu gern den Feldmarschall inGegensatz zu seinem obersten Anegs-
Herrn stellte. Ja, man erhob ihn sogar auf Kosten des A�nigs und sprach diesem geradezu seine milit�rischen
Talente ab. �Ihre Disposition f�r das Man�ver", schrieb August-Wilhelm in eben jenen Herbsttagen des Jahres
an Schwerin, �ist w�rdig, den Gfsiciercn des Generalstabs vorgelesen zu werden, und sicherlich kann man daraus
lernen; aber hier mu� man oft R�tsel l�sen." �Unser unvergleichlicher Feldmarschall" war dann auch in seinen
Augen �der Vater des erhabenen Planes" zum Ginmarsch in B�hmen, dessen Gelingen, wie er fernerhin erkl�rte,
allein davon abhing, ob �man", d. h. der A�niZ, auf Aurt-Christophs Rat und Meinung h�ren wollte.' Und als
Friedrich in dm Tagen vor Prag einmal scherzhaft �u�erte, die Kaiserin habe es mit zwei �h�bschen Jungen"
sjo�8 Aar^onL) zu tun, n�mlich mit Schwerin und ihm, da notierte der Adjutant des Prinzen Heinrich, Graf Henckel,
h�misch in seinem Hagebuche: �Allerdings viel Ehre f�r den Marschall, sich mit dem A�niZc verglichen zu sehen;
vom milit�rischen Standpunkte aber betrachtet, machte es dem A�'mge keine Unehre, mit dem gr��ten General
Europas verglichen zu werden." s Es war derselbe Gedanke, der im Refrain eines w�hrend des folgenden sommers
in Paris verfa�ten Spottgedichts" seinen Ausdruck fand:
Aptes la mort de Schwerin
L'art militaire du roi de Prusse
N'est rien, rien, rien.
Und �hnlich hie� es im �sterreichischen Soldatenlieds !", das Friedrich in das Reich der Toten zu seinem Feldmarschall
hinabsteigen und die Alage anstimmen l��t:
Schwerin, bist wirklich tot. Zu dir Hab' ich stets mein' Zuversicht
Zu jeder Zeit und 5tund' gerieft,
Jetzt l��t du mich im 3tich,
Aommst auch nicht mehr zum teben?
Ach weh, erbarm' es Gott,
was mu� ich nun anheben? Dein' Ilo'nig Friederich.
*
schreiben August-tvilhelms an die Prinzessin Heinrich vom 27. September 5756. Vgl.berner und Vol$, 5. 362. � a Schreibe�
von Platen an Henckel, 55. November l,?5S; vgl.Graf Henckel, Milit�rischer Nachla�, herausgeg. von Zabeler, Ceil1, 2, 5. \52 (Jerbst 18<*6). �
8 August-Wilhelm an Prinzessin Heinrich, (5. Mai H75? ; vgl. Verner und V0I5, S. 298. � 4 vgl. Forschungen zur Brandenburg, und
preu�. Geschichte, Bd. 5, S. 249. � 5 Der Aufz�hlung feiner milit�rischen Verdienste ging die Charakteristik Schwerins voran: �L'honneur
de son si?cle et le bouclier de la patrie, il a r�uni toutes les qualit�s civiles et militaires. Les ennemis qu'il a combattus, n'ont pu lui
refuser leur admiration." � � Eigenh�ndiges Schreiben August-Wilhelms (undatiert) an Seherin. Dort hei�t es: �Votre disposition ,..
est digne d'?tr� lue aux officiers de l'�tat-major, et s?rement ily a de quoi apprendre; mais ici souvent il faut deviner." Charakteristisch
sind auch die Worte, mit denen er allerlei Ratschl�ge, die er dem Feldmarschall f�r sein Verhalten gibt, am Schlu� des Vriefes entschuldigt:
�Vous savez que ces sortes de revue sont quelquefois d�sagr�ables. Pardonnez-moi, si je vous parle si librement, mais assur�ment ce n'est
que par le motif d'amiti� et d'estime que j'ai pour vous, qui me fait penser ? pr�venir toutes choses par lesquelles vous pourriez, ? force de
vouloir bien faire, vous attirer du chagrin." (Familienarchiv in Putzar.) �� 'Schreiben August' Wilhelms an die Prinzessin Heinrich Dom 26. April
und 3. Mal \?57. In letzterem sagt er: �Tout d�pend du mar�chal Schwerin; car j'esp?re qu'on voudra entendre ses conseils et condescendre
? ses avis." vgl.berner und Volz, S. 294 f. � B vgl.Graf Henckel, Milit�rischer Nachla�. TeilI, 2, 5. 192 (u Mai 5757).
� 'Mitgeteilt im
Tagebuch lehndorffs, S. 539 f. � 10 Vgl.Richter, Oesterreichifche Volksschriften und Volkslieder im Ziebenj�hrigen Kriege, S. *5^ (Wien teeg).
�o^en�oUern.^n�frbutfj 1910. 9
        
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