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Friedrich der Große und seine Leute : IV Graf Kurt Christoph Schwerin

Full text: Friedrich der Große und seine Leute : IV Graf Kurt Christoph Schwerin

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charakterisiert.^ F�hrte er doch auch wegen feiner temperamentvollen Veweglichkeit den Beinamen �Quecksilber" 2 im
Kreise Friedrich-Wilhelms I.
(Ein hohes ZITag von tebensfreudigkeit erf�llte ihn bis zuletzt. Frauenhuld und Frauensch�nheit �bten unwider-
stehlichen Reiz auf ihn. Noch im hohen Aller, nach dem Tode feiner ersten Gemahlin 3, hat er eine Jugendliebe
heimgef�hrt, philippine
-Luise von wackrnitz, der er in der Zeit seiner ersten Ehe nahegelreten war. Seine Mutter,
eine energische und gleich ihm temperamentvolle Frau, so wird erz�hlt *, soll ihm damals gedroht haben, sie werde ihn:,
wenn er seine Vesuche nicht einstelle, den Vuckel t�chtig durchpr�geln, obschon er Feldmarschall sei. Aus einem Briefe,
den die K�nigin Elisabeth-Christine am {,Februar {7^ ihrem Vruder, Prinz Ferdinand von Vraunschweig, sandte,
erfahren wir, da� A�nig Friedrich auf einer Redoute w�hrend der letzten Wochen Schwerin auf galanten wegen
oder, wie sie schreibt, �en bonne fortune" betroffen und ihn viel damit genest hat. 5 Scherzend berichtet ferner im
August (751 die Erbprinzessin Karoline von Hessen^Vanustadt, die nachmalige �Gro�e kandgr�fin", ihrem Gemahl,
der ein preu�isches Regiment in Prenzlau kommandierte, da� w�hrend seiner Abwesenheit der Feldmarschall dort durch-
gekommen sei und bei ihr gespeist habe, da� man behaupte, �sie coquettierc mit diesen: liebensw�rdigem Greise".^
Graf tehndorff, der bekannte Aammcrherr der K�nigin, erz�hlt uns endlich von einer Gesellschaft im Januar (755,
an der auch Schwerin teilnahm: der Feldmarschall sei �lebhafter und z�rtlicher" gegen die Vamen gewesen als je und
bei den Rundt�nzen �am luftigsten".'
Mit dieser Freude am Dasein verband er in gl�cklicher Harmonie geistige Vildung und weltm�nnisches Wesen,
im Gegensatz zu jenen wackeren Haudegen von dcr Art dc5 Alten Vessauers und seiner S�hne. ImAreise dieser letzteren
war denn auch sein Spottname �der kleine 2Narlborough"s aufgebracht worden, den, wie erw�hnt, auch Friedrich
einmal in pers�nlicher Verstimmung auf ihn anwandte. Mit philosophischem Gleichmut wu�te der Greis, der soeben
sein ?^. Jahr vollendete, beim Tode des Generalmajors von Uchl�nder im nahen Anklam sich zu fassen. �Vkses
Vegebnis", so schrieb er dem A�nig �k�nnte auf jeden, der vor dem Tode Furcht hegt, Eindruck machen. Er war
weniger alt als ich und schien, im vergleich mit vielen anderen, ein Herkules an Araft. Aber so ist das menschliche
kos, und das beste ist meiner Ansicht nach, ohne Wunsch wie ohne Furcht zu sein."
In gleicher weife war er beim Heere, in der Gesellschaft und auch beim Hofe beliebt. Er sei von jedermann
geachtet, von der ganzen Armee verehrt, die Prinzen erwiesen ihm au�erordentliche Aufmerksamkeiten, so berichtet
von ihm Graf kehndorff." von �unserem alten f)apa Schwerin" spricht Prinz August-Wilhelm." w�hrend der Herbst-
man�ver bei Spandau �u�ert er sein �Entz�cken", unter dessen Vefehl zu stehen. �Ich w�nschte," so schreibt
er dem alten Degen, �Sie k�nnten von Ihren vollendeten milit�rischen Talenten uns Proben in Wirklichkeit sehen
lassen. Sie d�rfen �berzeugt sein, da� ich es mir stets zum Ruhme anrechnen w�rde, Ihr Sch�ler zu sein."^ Ende
'
vgl. von lvarnery, S�mtliche Schriften, Nd. 5, 5. 32; (Hannover (786). � 5 �L'argeni vif"; vgl.Krauste, Die Briefe K�nig
Friedrich �Wilhelms I. an den F�rsten leopold 311 Anhalt �Dessan, Acta JJorussica, Erg�nzungsband, S. q�6 Amn. r� (Berlin (905). -�
3 Ulrike^Eleonore, Freiin von Krasfow, mit Schwerin verm�hlt i.?.^uli !?os, f 30. Juni 5?5H; die Kiiiirt aus dieser Eh?, zwei S�hne
und eine Tochter, starben in fr�hester Jugend. Pic zweite Verm�hlung fand statt am 20. Oktober \75<{,
� *
vgl. varnhagen, 3. 296.
�
s vgl. �on Hahuke, �Elisabeth Christine, K�nigin Don preu�en", 3. <*�2 (Berlin (8^8), F�r Schwerins drastischen Humor zeugt auch
die Mitteilung der K�nigin an Prinz Ferdinand vom 7. November (vgl. ebenda, 5. 39g f.):�Leduc de Holstein, Schwerin, Wartensleben,
�oreke et Binklenhrock ont �t� ? la derni?re masquerade habill�s en femmes, ild ont eu l'air tle tr?s vieilles femmes du Fischmarkt de Berlin;
c'�tait pour mourir de rire de voir ces figures." � 9 Auch sonst spricht sie von �ihrem lieben" oder �unserem guten alten Marschall". 3m
Vktobcr 1756 schreibt fie: �Je l'aime assez pour lui souhaiter la mort plut�t que de survivre ? la perte d'une bataille." Vgl.Ivalther,
Vriefwechsel der �Gro�en tandgr�fin" Karoline von Reffen, S&. \, S, \W\ 33�. 2, S. 2<*. 2?. 202 (Wien
�
7 Vgl. firaf tehndorff,
Drei�ig Jahre am t^ofe Friedrichs des Gro�en, herauZgeg. von K. (E. Schmidt, S. ((Sottja l<)07), � 9 vgl. .Journal secret du baron
de Seckendorff", 5. *76 (T�bingen \h\\). � 9 Am 26. Oktober (755, vgl. �Anhang". � 10 vgl.S. 535. � n Schreiben August-Wilhelms
an seine Schw�gerin, die Prinzessin Heinrich, vom 3. Mai 5?5?; vgl. ferner und volz, Aus. der Zeit des Sieben igen Kriege- (Quellen
und Untersuchungen zur Geschichte des Hauses Hohenzollen�. Vd.?; Berlin 5. 29^. � " Eigenh�ndiger Zusatz zu einem dienstlichen
schreiben �luguft'IPiltielms an Schwerin vom 59. August �Je suis charm� d'avoir le plaisir de vous revoir et d'?tre sous vos ordres.
Je souhaiterais que vous puissiez nous faire montre r�ellement des talents parfaits que vous poss�dez pour le militaire. Vous pouvez ?tre
persuad� que je me ferais toujours gloire d'?tre votre �colier. Je suis tout ? vous." (Jamilienardj�D ni Puhar.)
        
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