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Friedrich der Große und seine Leute : IV Graf Kurt Christoph Schwerin

Full text: Friedrich der Große und seine Leute : IV Graf Kurt Christoph Schwerin

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Wie die gesch�ftige legende zu erz�hlen wei�, sollen in den folgenden Wochen bis zur Abreise des Feld-
,uarschalls mehrere Konferenzen zwischen dem K�nig und feinen vertrauten Ratgebern, darunter auch Schwerin, statt-
gefunden haben, deren Gegenstand die Er�rterung der politischen l�ge bildete; indessen alle diese Beriete enthalten so
viele falsche Angaben, sowohl �ber einzelne Tatsachen, als auch �ber die allgemeine politische Situation, da� sie
schlechthin in bas Reich der Fabel geh�ren. Beglaubigt ist allein, da� der K�nig am 2 5.Juli dem Rabinettsn�nister
Grafen podewils seine Absicht mitteilte, den beiden Naiserh�fen, die, wie er soeben auf geheimem Wege erfahren, ihre
Vffenswpl�ne auf bas Fr�hjahr 5 75? verschoben hatten, mit seinem Angriff zuvorzukommen. 1 (Db und wieweit
Friedrich den Feldmarschall in die politischen Vorg�nge eingeweiht hat, steht dahin; �ber feine milit�rische Aufgabe
unterrichtete er ihn erst kurz vor der Abreise,
Auf eine Aeu�erung, die der A�nig am Abend des ;5.Juli zu Schwerin �ber die Beschaffung seiner Pferde
machte, bestellte dieser sofort durch einen Auner einen Teil seiner Feldausr�stung nach den, Garnisonsort seines
Regiments, wahrend der Rest zur Vermeidung jedes Aufsehens allm�hlich nachfolgen sollte. Gleichzeitig mit dieser
Meldung schrieb er an: IF. dem Monarchen, er schlie�e aus jener Aeu�erung, �da� es Aneg geben werde", und bitte
daher um Mitteilung seiner Bestimmung. <3r setzte ausdr�cklich hinzu, seine Frage geschehe nicht aus �unangebrachter
Neugierde", sondern aus dienstlichem Interesse und mit R�cksicht auf den Ernst der tage; er unterwerfe sich indessen
�mit v�lliger Resignation" dem willen des A�nigs. 2 Friedrich beschr�nkte sich in seiner Antwort vom ;?.5 auf die
Erkl�rung, da� der Krieg noch nicht vollkommen gewi� sei, obwohl er jeden Cag Nachrichten erwarte, die ihn
unvermeidlich machen w�rben. Im �brigen aber ermahnte er seinen Feldmarschall zur Geduld; sobald es zum Aricge
komme, werde er ihm �Zeitig genug" seine Absichten er�ffnen.
Tags darauf, am richtete der A�nig an den Wiener Hof seine erste Anfrage, um diesen zu zwingen, �ber
den Zweck seiner R�stungen offen Farbe zu bekennen. Nachdem er aber am 2^. die schon erw�hnte zuverl�ssige Nach-
richt vom Aufschub des Angriffs der Gegner erhalten hatte, beschlo� er, ihnen zuvorzukommen und am 25. August
ins Feld zu r�cken. Als wenige Tage sp�ter dann der franz�sische Gesandte im Auftrage seiner Regierung erkl�rte,
da� Frankreich dem wiener Hofe die im versailler Vertrage ausbedungene Hilfe leisten m�sse, entschied er sich f�r den
Fall, da� die �sterreichische Antwort unbefriedigend aussiel, zu einer zweiten Anfrage, um der aktiven Teilnahme der
Franzosen am Ariege f�r das laufende Jahr nach M�glichkeit vorzubeugen. Am 2. August lief die Antwort Maria-
Theresias ein, des Inhalts, da� die allgemeine bedenkliche Tage ihr geboten habe, die erforderlichen Sicherheit^
ma�regeln zu ergreifen, die jedoch Niemandem �zum Schaden gereichen" sollten. Noch an demselben Tage erging die
zweite Anfrage nach Wien.
1 Vgl.den Bericht von Podemils an Rabinettssckiet�'r Eichel vom 22. Juli ;?56 �ber diese Unterredung: p. C, Vd. 3. *05f.
Nach Zchmeilau (�tebenZgeschichte des Grafen non 3chmettau", Herausa., von seinem 5ohn, Vd. 2, S�308ff.; Berlin *8�6) stand w�hrend
Schwerins Aufenthalt inPotsdam au�er dem Feldzugsplan die Erneuerung der im3�ni ;?56 abgelaufene� Allianz mit Frankreich inFrage;
auch soll der Herzog von ??ipertiots damals noch zum Zwecke der Verhandlung am preu�ischen Hose geweilt haben, w�hrend dieser tats�chlich
Anfang April schon wieder abgereist war. Mit dem Abschlu� der versailler Allianz com 5, Mai war indessen Frankreich f�r Preu�en ver-
loren. Auch die Behauptung von Retzow (�Charakteristik der wichtigsten Ereignisse de? Siebenj�hrigen Krieges", Vd. l,3. 39ff.;Verlm (802),
da� der K�nig durch die Mitteilung der Dokumente, �die er aus dem Dresdener Archive zu erhalten gewu�t hatte", den Widerstand semer
Ratgeber besiegt habe, ist eine Fabel; denn Friedrichs Veweggrund f�r die R�stungen, die am ;y. Juni begannen, war die Nachricht com
Anmarsch der Russen, der Veweggrund f�r den Entschlu�, Ende August ins Feld zu r�cken, die obige Nachricht vom Aufschub des russisch�
�sterreichischen Eingriffs bis ;?57. Immerhin w�re denkbar, da� Friedrich mit den s�chsischen Dokumenten die Besetzung Sachsens gerecht
fertigt h�tte. F�r die nach Retzow (Bit. (, S. 39) dem Feldmarschall �einige Wochen vor dem Ausmarsch" angeblich bewilligte �Privat-
audienz", 311 der auch die Generale Winterfelot und Retzow (der Vater des Verfassers der �Charakteristik") zugezogen fein sollen, bieten die
Akten nicht den geringsten Anhaltspunkt (vgl. die folgende Anmerkung); sie hat niemals stattgefunden.
�
2 Beriet Schwerins, Sanssouci
(6. 3ult 1756 (cgi. �Anhang"). Nur ein Teil der zweiten H�lfte des Beritts war bisher bekannt (vgl. p* 
    
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