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Friedrich der Große und seine Leute : IV Graf Kurt Christoph Schwerin

Full text: Friedrich der Große und seine Leute : IV Graf Kurt Christoph Schwerin

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Als der Fr�hling kam, hatte sich die politische Situation Europas allerdings wesentlich verschoben. Um zu
verhindern, da� die Russen nach Deutschland marschierten, hatte Friedrich mit den Engl�ndern im Januar 5 756 die
tDeftminfter^KottPentton geschlossen, die Deutschlands Neutralit�t f�r den franz�sisch-englischen Krieg aussprach. Die
unmittelbare Folge war die Ann�herung Frankreichs an Gesterreich und der Abschlu� des Versailler Defensivvertrags
vom 5.Mai. So bildete es gleichsam die Forlsetzung ihrer politischen Diskussion, wenn K�nig Friedrich w�hrend der
Berliner Revue, Ende 2T?at \756, wie der Leutnant von Scheelen vom j*Bataillon Garde in feinem Tagebuch
berichtet^, Schwerin fragte, �ob er wohl w��te, da� Frankreich mit Vesterreich Alliance gemacht, um uns Schlesien
wiederzunehmen. (Er moquirte sich aber dr�ber und w�rde schon feine Mesures nehmen; er, der Feldmarschall,
sollte immer bald bei der Hand sein, wenn der Krieg losginge, welches noch dieses Jahr im herbst oder k�nftig
Fr�hjahr geschehen k�nnte."
Diese letzte Mitteilung kam f�r Schwerin keineswegs unerwartet; denn er hatte selbst schon im Oktober j?55
ge�u�ert, �da� der Streit zwischen Frankreich und England wohl die Machte in einen allgemeinen Arieg verwickeln
k�nnte." �Ich f�r meine Person", so hatte er damals den, K�nig geschrieben, �w�nsche den Arieg, von der
Ueberzeugung durchdrungen, da� seine Folgen nur zum Ruhm und Dorteil der Waffen Eurer Majest�t ausschlagen
k�nnen." Gern w�rde er daf�r seine letzten Tage opfern, die �berdies nicht lange mehr dauern k�nnten, ginge er
doch schon in sein 72. Lebensjahr. 2 Und gleichsam in dunkler Vorahnung hatte er in dem Vriefe, mit dem er
seinen Neujahrsgl�ckwunsch f�r 5?56 dem Monarchen sandte, als �alter Soldat mit 55j�hriger Dienstzeit" seinem
Wunsche Ausdruck gegeben, seine Tage zu endigen, indem er sein Blut f�r den Ruhm des A�nigs und f�r das
Wohl des Vaterlandes verg�sse."
Seit dem Wiedersehen mit dem K�nige auf der Verliner Revue Ende Mai gestalteten sich die politischen Ver-
h�ltnisse immer kritischer. Friedrichs Rechnung, die Russen durch den Abschlu� der Westminster-Aonvention zu fesseln,
erwies sich als tr�gerisch; denn nur allzu leichtes Geh�r hatte Maria-Theresia mit ihren: Vorschlag eines gemeinsamen
Angriffs auf f)reu�en in Petersburg gefunden. Noch ehe die Gesterreicher mit ihren Vorbereitungen fertig waren,
setzten sich die russischen Truppen in Bewegung, so da� sie auf verlangen des wiener Hofes wieder umkehren mu�ten.
Auf die Nachricht vom Anmarsch seiner �stlichen Nachbarn hatte der A�nig am 59. Juni sofort mit den
R�stungen begonnen; sie kamen jedoch zum Stillstand, als er in den letzten Jumtagen erfuhr, da� die Russen Halt
machten und den Heimweg antraten. Da die kriegerischen Ma�nahmen der Gestenreicher indessen fortdauerten,
erschien die allgemeine tage ihm unklar. Es entstand f�r ihn das Problem, ob diese nunmehr �alles alleine auf
die H�rner nehmen" wollten.
wie Friedrich im Mai dem Feldmarschall angek�ndigt hatte, berief er ihn nach Veginn seiner R�stungen
am 25. Juni zum 5. August und wenige Tage sp�ter, in verschlimmerter Ausfassung der tage, sogar schon zum
50. Juli nach Potsdam. Die Aussicht auf einen neuen Aamvf lie� dem alten Degen das Herz h�her schlagen, und
er antwortete am 5.Juli dem A�nig: �Die Bewegungen Ihrer Truppen, Sire, k�ndigen eine kriegerische Unternehmung
an. Da, Gott sei Dank, meine Gesundheit besser ist als seit mehreren Jahren, und mir nichts als meine Feldausr�stung
fehlt, . . . gehe ich freudig �berall hin, wo Ihr Dienst es erfordert; denn ich habe keine Interessen noch Gesch�fte,
denen ich lieber obliegen m�chte als meiner Pflicht, und Gure Majest�t kann auf meine treue, durch keine Neben-"
absicht und kein Sonderinteresse beirrte Anh�nglichkeit z�hlen." Gem�� der Weisung Friedrichs traf er am 9. Juli in
Potsdam ein und siedelte Tags darauf nach Sanssouci �ber."
1 vgl. �Urkundliche Beitr�ge und Forschungen", Heft 50, 5. 86.
� *
vgl. �Anhang".
� " Schwerin schrieb, SchwerinZburg
25. Dezember �Je me flatte que Votre Majest� n'abandonnera pas un vieux soldat apr?s 55 ans de service et qui ne souhaite que de
finir ses jours en versant tout son sang pour Sa gloire et [le] bien de la patrie." Auf dem Schreiben die Notiz des Aabmettssekret�rs f�r
die Antwort des K�nigs: �Compliment bien gracieux." (Berlin, G. St. A.) � * Ordres vom 21- und 23. Juni (756; vgl. Preu�,
Urkundenband 3, 5. 253; volz, Publikationen, Vd. ?<;, S. 48 und 55 Anm. \.
� 6 vgl. �Anhang". � B TagebuchnotiZ von Scheelen
(vgl. �Urkundliche Beitr�ge und Forschungen", Heft (0, S. 9?).
        
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