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Friedrich der Große und seine Leute : IV Graf Kurt Christoph Schwerin

Full text: Friedrich der Große und seine Leute : IV Graf Kurt Christoph Schwerin

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neuen Kampf f�r Preu�en heraufzuf�hren drohte, plante er, bas gegen Ru�land bestimmte Korps in pommern zwar
unter den Befehl seines �ltesten 23rubers August-Wilhelm zu stellen, ihm aber Schwerin als kriegserfahrenen Mentor
mitzugeben. 3n jenen kritischen Fr�hlingstagen des Jahres 17$9 beschied er auch den Feldmarschall und den Erb-
Prinzen keopold von Dessau zur Beratung zu sich.^ Ein selbst�ndiges Kommando und zwar gegen Hannover wurde
ihm dann, in �hnlich gef�hrdeter kage, im Jahre \753 zugedacht 2 und, wie wir noch sehen werden, tats�chlich im
Jahre bei dem Ausbruch des Siebenj�hrigen Krieges in Schlesien �bertragen.
Seit der Vers�hnung von (7^7 sehen wir Christoph, der die letzten Jahre wie ein einfacher kand
edelmann in seiner Kchwerinsburger �Einsamkeit" 3 gelebt hatte, wieder alle Jahre am Hofe, vom 23. April bis
7. Mai;7^8 weilte er in der Umgebung des K�nigs, um 26. Mai f�hrte er ihm bei der Revue in Berlin pers�nlich
wieder sein Regiment �or. 4 Auch bei dem ber�hmten Man�ver bei Spanbau im September {753 war er zugegen
und befehligte an einem der Uebungstage ein Korps, Im Herbst begleitete er den K�nig zu den schlesischen
Revuen; als sie auf der R�ckkehr in Frankfurt a. G. sich trennten, wurde er wiederum zum Winter nach Berlin
eingeladen 5 und, als Friedrich nach Schlu� des Aarnevals, Ende Januar 1755, sich nach Potsdam zur�ckbegab, von
ihm mit einem Pferde beschenkt, a
Dieses Jahr f�hrte zu einer regeren Korrespondenz, die sogar auf die allgemeine politische Lage sich
erstreckte, w�hrend der Fr�hjahrs�bungen seines Regiments, denen der Feldmarschall als dessen Chef pers�nlich bei-
wohnte, traf auf der R�ckkehr von seinem Wiener Gesandtschaftsposten der Vruder des russischen Gro�kanzlers, Graf
Michael Vestushew, in Frankfurt ein. Schwerin kannte ihn von der Zeit her, da dieser als Vertreter des Peters-'
burger Hofes in Berlin geweilt hatte. Bei einer vertraulichen Unterredung gewann er den Eindruck, da� der russische
Diplomat, dem A�nig wohlgesinnt, die Auss�hnung Preu�ens mit Ru�land w�nschte, die, wie dieser meinte, �gleich
einem Donnerschlag" auf die H�fe von Wien, London und Warschau wirken w�rde. Ja, Vestushew erbot sich, sobald
er Gewi�heit habe, da� es der ernstliche Wunsch Friedrichs sei, gemeinschaftlich mit dem Vizekanzler woronzow
in diesem 5mne zu wirken. Gbwohl der R�nig sofort die verlangte Erkl�rung gab und Schwerin den Grasen
Vestushew davon unterrichtete, h�ren wir nichts weiter van letzterem.'
Aus dieser Episode tritt uns die damalige Konstellation der M�chte anschaulich entgegen. Unmittelbar in die
politischen Vorg�nge der Zeit f�hren zwei weitere Berichte Schwerins vom 9. und 26. Vktober Der Konflikt,
der zwischen England und Frankreich �ber ihre Kolonien in Amerika ausgebrochen war, steht hier im Vordergrund.
Er habe ihn bisher, so schrieb der Feldmarschall im ersteren der Briefe, nur als einen Interessenstreit von Kaufleulen
angesehen, aber die Zeitungsnachricht von einem russischen Hilfskorvs, das die Engl�nder in 5old genommen hatten �,
lie� ihm den Ktano der Dinge ernsthafter erscheinen, und so erwartete er von den Verhandlungen des im November
zusammentretenden Parlaments eilie weitere Aufkl�rung der Sachlage, vierzehn Tage sp�ter erw�hnte er die Nachricht
von einer bevorstehenden Vers�hnung zwischen beiden Westm�chten, und durchaus zutreffend beurteilte er die Verh�ltnisse,
wenn er �u�erte, da� Georg II.,um sein Stammland Hannover in Sorge, wohl den Frieden w�nsche, w�hrend die auf
Frankreichs Handel eifers�chtige englische Nation andere Absichten hege. Beidemal indessen wich Friedrich der politischen
Er�rterung aus. In seiner ersten Antwort wies er auf die Schwierigkeit hin, �ber zuk�nftige Dinge zu urteilen, deren
Kenntnis sich die Vorsehung allein vorbehalte. Und in der Erwiderung auf den Brief vom 26. meinte er, alles schwebe
noch in so gro�er Ungewi�heit, da� es unm�glich sei, vor den, n�chsten Fr�hling irgend ein sicheres Urteil abzugeben;
erst dann werde sich wahrscheinlich alles enth�llen."
1 vgl.Koser, Vd. 5, 5. 4?;. � a Dgl.P0I3, Publikationen, Bd. 7^, S. XXXIXund XLII.
�
3 Von seiner �Solitude" spricht
Schwerin in einem Schreiben an den K�nig vom 48.Mai (7*?, mit dem er einen milit�rischen Aufsatz, ,,Chapitre concernant les guides et
les espions", �berreicht. (Berlin, G. St. A.) � * vgl. �Verlinische Nachrichten von Staats- un& gelehrten Jachen" \7^s, Hr. 52�54. 56. 6^.
�
6 vgl. Schwerins Schreiben an Friedrich vom (2. Dezember l?54. (Verlin, (S, 5t, A.) � 6 vgl. R�denbeck, Tagebuch oder Geschichte
kalender. 3&. 5, S. 275.
�
7 S�ri�t Schwerins vom 5. Mai (vgl. Rofer, Preu�ische Jahrb�cher, Vd. <*2, S, 4?8f.) und ,2. Mai(Veilin, G.St. A.); Erla� Friedrichs rom y.Mai ;?55! P.C., Nd. u, S. und preu�, Urtundenband 5, S. 25;. � 8 Vgl.�Anhang".�
6 Der russisch -englische Subsidienvertrag war am so. September ;?55 geschloffen. � 10 vgl. �Anhang".
        
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