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Die Tätigkeit des Grafen Rochus zu Lynar in Brandenburg

Full text: Die Tätigkeit des Grafen Rochus zu Lynar in Brandenburg

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schlie�t sich ein immer engeres Vand zwischen dem kurbrandenburgischen Hause und der gr�flichen Familie. U?ir sind
dar�ber trefflich durch das Tagebuch der Gr�fin unterrichtet, das auszugsweise von G. W. von Raumer nach einer
Abschrift des bekannten Verliner Schriftstellers Friedrich Nicolai aus dem im f�rstlichen Archiv zu t�bbenau beruhenden
Original ver�ffentlicht worden ist.l
Das Jahr bildet nun einen Wendepunkt in dem keben Aznars und der Geschichte seines Geschlechtes
durch die Uebersiedelung nach Vrandenburg. Nachdem er schon im Februar und M�rz zwei Reisen von Vresdm aus
an den Verliner Hof gemacht hatte, trat er am April eine neue dahin an. 3chon am 8. dieses Monats hatte die
Gr�fin einen Vrief, in dem ihr Gemahl ihr seinen Ueberlritj in brandmburgische Dienste mitteilte. Es geschah mit
Einwilligung des Kurf�rsten von wachsen, der sich Beratung durch 5ynar vorbehielt. In der Vestallung wird kynar
zum �General und Obersten Artillerie-, Zeug- und Vaumeister" ernannt. Demgem�� wurden ihm die Aufsicht �ber
die Artillerie,Munition, Zeugh�user und Geb�ude im Vrandenburgischen �bertragen, sonderlich aber �ber die Festungen,
die er in einen solchen 5tant> setzen soll, da� mau sie auf den Notfall �wider des Feindes kist und Gewalt" zu
gebrauchen verm�ge. Seine Besoldung wurde auf WO Taler festgesetzt daneben Hofkleidung f�r 8 Personen, Futter
f�r 8 Pferde und gr�flichen kebensunterhalt f�r sich und seinen ganzen Hausstand.
Line gro�e Bewegungsfreiheit behielt sich der Graf trotz dieses Amtes vor. Es hei�t in der Bestallung aus-
dr�cklich: �lvann er auch bisweilen zu dem von Anhalt und Hessen undpfalz zu verreisen hat, wollen wir ihm darzu
und uf sein Ansuchen der Gelegenheit nach gnediglich verlauben."
Die Gr�fin notiert bei diesem Anla� die Vez�ge, die ihr Gemahl au�er von Vrandenburg noch jahrlich
erhielt: von Aursachsen 500 Gulden, von Hessen, Anhalt und der Pfalz je 500 Taler. Zweifellos ein sehr bedeutendes
Jahreseinkommen f�r die damalige Zeit.
Die Uebersiedelung nach Brandenburg fand in: Mai statt. Am 29. reifte die gr�fliche Familie von
Dessau, wo sie sich gerade aufhielt, ab und kam am 30. in Spandau an. Zun�chst nahm sie auf dem dortigen Schlosse
Wohnung, bis sie am 26. Juni das in der Stadt gelegene Haus, das dem Grafen vom Aurf�rsten geschenkt war,
beziehen konnte. <3s war ein sogenanntes Freihaus, verschont von tasten jeglicher Art.
Die T�tigkeit des Grafen (ynar in Vrandenburg hat sich bis zu seinem Tode am 22. Dezember auf
die mannigfachsten Gebiete erstreckt. Einen guten Ueberblick hier�ber gibt, soweit es die Jahre �^5H6 angeht,
die am Schl�sse abgedruckte Abrechnung mit dem �ohne des Grafen Rochus, mit Graf Johann-Casimir, in der jede
T�tigkeit des Grafen Rochus in Zahlen wieder erscheint. Bei der Knappheit der kurf�rstlichen Finanzen war es
n�mlich in diesen Jahren dahin gekommen, da� Graf Rochus alle f�r den Rurf�rsten unternommenen Arbeiten zun�chst
aus eigener Tasche bezahltes
Der Ausbau der Festung Spandau war die Hauptaufgabe, die kynar gestellt wurde. Schon hatte der
Landtag beschlossen, sie auf die Art, welche der neuen Kriegskunst angepa�t war, zu befestigen. Zwei Baumeister,
zuerst Christoph R�mer (Romano), dann der venetiancr Franz Chiramella de Gandmo waren bis damit besch�ftigt
gewesen. Die Fortsetzung wurde nun kynar �bertragen. Er hat an diesem Werke bis zu seinem Tode gearbeitet;
noch im Jahre 5596 legte er daf�r nach der Abrechnung beinahe 500 Taler aus.^ Feste und Zitadelle Spandau waren
die Glanzleistung kynars. Als er sie am 2 Februar einem weitgereisten Fremden, der namentlich auch die
niederl�ndischen Festungen kannte, zeigte, notiert er vollStolz in sein Tagebuch �Er hat zuvor viele Festungen gesehen,
aber dergleichen nicht, wie er sagt, und ich auch wohl wei�."
' G. lv. von Ramner. Ausz�ge ans bei� Tagebuche des Grafen und der Gr�fin von kinar w�hrend ihres Aufenthaltes 311 Spandau
im sechzehnten Jahrhundert in t. von ledeburs Allgemeinem Archiv f�r die Geschichtskunde des Preu�ischen Staates, Vd. x\% 5. ff.
�
" Sp�ter belief sie sich nach der am Schl�sse abgedruckten Abrechnung auf 5200 (Taler.
� 3 lieber die T�tigkeit Synars in Brandenburg
finden sich verh�ltnism��ig wenig Aktenst�cke im Geheimen Staatsar^tD. Es r�hrt die? daher, da� ?Y�dr fast alle Angelegenheiten im
pers�nlichen Verkehr mit dem �urf�rsten erledigen konnte. -
�
Vie Angabe, da� der Ausbau der Festung Spandau im Jahre 5592 zum
Abschlu� gekommen fei (vgl.Koni, a. a. O., S. 522, nach UuntzemnUer, Spandan, S. 362), l��t sich nach der Abrechnung nicht aufrecht
erhalten.
�
a G. W. von Raumer, a. a. O., S. 207.
        
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