Path:
Königin Luise

Full text: Königin Luise

4ganz in bas Wesen und die Neigungen ihres Geinahls, auch menu sie ihr 511 Anfang nicht ganz zusagten, einzuf�hlen
und einzugew�hnen und nur f�r ihn und die Pflichten it?res Hauses und ihrer Stellung zu leben. Sic war ja von
beiden Oie reichere, begabtere, schwungvollere Natur-, es ist ihr nicht immer leicht geworden, anders als auf ihre weise
zu leben. Aber in freien, Entschlu� hat sie sich der Richtung ihres (Gemahls gef�gt, und das ist bann allezeit hindurch
das Gesetz ihres Gebens geblieben: sie wollte auch als K�nigin nie etwas anderes fein, als die treue Gef�hrtin ihres
Gatten, die Mutter ihrer fr�hlich und
zahlreich heranbl�henden Kinderschar,
aber dies freilich im h�chsten Sinne
und mit allen Kr�ften ihres reichen
Wesens, das sich in den Pflichten
der Gattin und der Mutter erst zu
der vollen Vl�te weiblicher Geistes
und Charakterbildung entfaltete.
In dem religi�sen Glauben
und in der preu�ischen Gesinnung
hatte fie einen gemeinsamen Vodcn
des Lebens und des Verst�ndnisses
mit ihrem Gemahl. Aber dar�ber
hinaus hatte sie noch ihre eigene
geistige Welt; und diese, die in den
stillen Jahren von \7^S bis \803
erst recht erbaut wurde, hat sie sich
auch durch die Gleichg�ltigkeit, ja
die Abneigung des 'K�nigs nicht
rauben oder verleiden lassen: das
war die Welt der neuen deutschen
Bildung, die Welt der gro�en Dichter
und Denker, in die sie eingef�hrt wurde
durch eine vortreffliche Frau, die weit'
aus bedeutendste ihrer Freundinnen,
Frau Don Berg, dieselbe, in deren
Armen fie gestorben ist und die sp�ter
dem preu�ischen !?olke ein sch�nes
Lebensbild der K�nigin geschenkt hat.
Frau von Vcrg, eine geboreneK�nigin tuifc. itit liohcnjollptn> IHnfrutn
H�seler, war die Enkelin des Grafen
po5eunls, de-, Z??inifters Friedrichs des (Gro�en, eine Frau von ganz preu�ischem Herzen; aber sic war zugleich in den
Kreisen von Weimar heimisch, eine Freundin Orders und Goethes, eine der gebildetsten Frauen ihrer Zeit. Sie hat
der K�nigin die gesunde geistige Nahrung vermittelt, nach der sie sich lange gesehnt halte-, Schiller namentlich wurde
5uisen5 TieblingMchter; fie hat es sehr bedauert, da� er wo er in Berlin war und auch bei Hose vorgestellt
wurde, dort nicht dauernd hat gefesselt werden k�nnen. Der K�nig stand der neuen literarischen Richtung, der
�!Nodeliteratur", wie er sic wohl nannte, mit 21Ii�trauen uuo Abneigung gegen�ber; zu einem ?��ufenfjof� ist 23erlin
auch durch K�nigin Cuife nicht geworden; aber es war doch nicht ohne tiefere Vedcutung, da� die geistigen Vande,
die sich eben damals zwischen IDeimar und Berlin bildeten, auch in den h�chsten Kreisen eine Ankn�pfung fanden.
        
Top of page

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.