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Miscellanea Zollerana

Full text: Miscellanea Zollerana

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Zur Erl�uterung des Vorgangs im Silbe bienen ferner die
nach Art der Spruchb�nder eingesetzten IPorte. Der hinten auf der
Karosse stehende lakai fragt: ,,O? allez-vous, Madame?" 1
Theresia antwortet: �Demandez ? mon cocher! '( Und
bor Kutscher auf dem Bocf, ?uba>ig. XV., erkl�rt: ,Je la conduis
dans un bourbier." 2 Dem in rasender Fahrt dahinjagenden Ge-
spann ruft der Wachtposten vor dem Feslungslor Zur linken sp�ttisch
bit Worte nach: �Marche donc vite." 3 Die deutsche Uebersetzung
der ersten drei Ausrufe und dariiber hinaus v�lligen Aufschlu� �ber
die letzten Beziehungen des wildes bietet das kleine Zeitgen�ssische,
drastische Gcdichtchen mit dem etwas umst�ndlichen Titel: �Erkl�rung
des neusten holl�ndischen Kupferblatts, welches in folgenden Versen
beschrieben wird, und auf welchem der K�nig von Preu�en die Pferde
in die Z�gel greift und anh�lt/" Vie �Erkl�rung" spricht zun�chst
lion Maria-Theresia, die wegen ihrcZ Ainderreichtums und a?s Ge-
mahlin des R�mischen Kaifers, der a?s solcher den Titel eines K�nigs
von Jerusalem f�hrte, �^cntfalems fruchtbare K�nigin" hei�t:
da Semis im November gest�rzt und im Dezember von Hofe ver>
wiesen wurde, ist die Entstehungszeit auf das �knde des Jahres [.158
anzusetzen, vollkommen stimmt dazu, da� die Seitenfl�chen der
Dose mit allerdings etwas phantastischen Darstellungen moskowi tischer
Reiter geschm�ckt find; denn anch Ru�land war mittlerweile in den
Kampf gegen Preu�en eingetreten.
So war dieses Vild als 3pottbild auf Semis gebarst; er galt
als Urheber der Versailles Allianz, der damit Frankreich, w�rtlich
genommen, ins Verderben ritt.
Aber auch, von dieser pers�nlichen spitze abgesehen, trifftunser
Vildins Schwarze. Denn tats�chlich f�hrte diese Allianz Frankreich
ins Ungl�ck: nicht bas eigene Interesse, sondern die Sache Vester-
reichs verfochten die Franzofen 4,und sie verloren imPariser Frieden
von (763 den gr��ten Teil ihres Kolonialbesitzes an England. Auch
Maria-Theresia, die nicht nur Schlesien zur�ckerobern, sondern sogar
Preu�en zu einer Mach! zweiten Ranges wieder herabdr�cken wollte,
erreichte ihren Zweck nicht; ja, fie sah sich nach dem Hubertusburger
Friedensschlu� gezwungen, noch f�r ein Jahrzehnt auf jede aktive
Rolle in der europ�ischen Politik zu verzichten. Die Nutzlosigkeit
der franz�sischen Vundcsgenossenschaft f�r Gesterreich und damit die
Grundstimmung unseres 8ilt>es spiegelt einkeckes preu�isches Soldaten-
lied wieder, bas im Fr�hjahr l,?5?, beim Einmarsch nach B�hmengesungen wurde:
Da f�hrt ;>nifalems fruchtbare K�nigin,
Von K�nigen bedient, in der Aarrosse hin;
Der Herrscher Frankreichs sitzt als Kutscher auf dem Socke,
Hub Sachsens Churf�rst ist Suquais im f>ol'nschell Rocke.
Hilf �Sott's! Was ist hiervon die Ursach' uni� der Zweck?
Man fragt die K�nigin, wohin sie f�hrt. Sie sagt:
�Der Allerchristlichste, fier Rutscher, wei� den )v�'g."
Der wird, wohin er sie zu j�hren denkt, gefragt
Und giebt Zur Antwort: �Inden Dreck!"
Theresia. la� Dir sagen was:
VCo^u n�tzt Dein' Allianz?
Bek�mmt Dir, wie dein Hund das Gras
Und wie dem Nind der Pansch,
wir wollen in das V�hmerland,
Ins N�hmerland, ins B�hmerland,
Ins B� b� b� b� S�^merlati� �
Dein �T?5 Haft Dir verbrannt.'
Die Satire richtet sich gegen Frankreich, das als Friedensst�rer(Europas hingestellt wird. Aus dieser Tendenz, wie auch aus dem
Umstand, da� auf der Radierung, im Gegensatz zu den �brigen in
franz�sischer Sprache wiedergegebenen Worten, Deutschland auf der
brennenden Weltkugel als �Germany" bezeichnet ist, geht hervor,
da� die Karikatur in England entstanden ift.5 Darauf trat sie die
Runde durch die Welt an. Die Radierung lehrt, da� sie in Frank"
reich verbreitet wurde; aus der �Erkl�rung" sehen wir, da� man fie
nicht nur nach landl�ufiger Praxis in Holland nachdruckte, fondern
auch weiter ins Deutsche �bertrug.
Kursachsen ferner befand sich nach dem Kriege am Rand des
Staatsbankrotts.
1Sin satirlscheb Gedicht, das H?59 in Fianlreich verbreitet wurde, schilderl
Unter bem ?itel �R�sultats du traii� de Versailles" fiemifi�HnpUen folgen, &ie Scrnts
durch den Abschlu� diese� �ttttuijes �bte sein Vaterland heraufbeschwor !
Aux injustes complota d'une race enn�mie
Nos plus thers int�r?ts, nos alli�s vendus;
Pour cimenter sa tyrannie,
Nos Ir�sui5, notre sang vainement r�pandus; . ..
Sans but, sjiis succ?s, sans honneur
Contre le Brandebourg l'Europe r�unie;
De l'Elbe jusqu'au Rhin le Fran�ais en horreur,
Nos rivaux triomphants, notre gloire fl�trie,
Noire marine an�antie,
Nos villes sans d�fense et nos ports saccag�s,
Le cr�dit �puis�, les peuples surcharg�s ;
Voil? les dignes fruits de vos conseils sublimes:
Trois cent mille hommes �gorg�s,
Bem�s, est-ce assez de victimes ?
Et les m�pris d'un Roi pour vos petits rimes
Vous semblent- ils assez veng�s?
Als Zeitpunkt f�r die EntstehlMg der Radierung l��t sich
das �Hube des Jahres t756 bestimmen; denn die Wiedergabe des
Kurf�rsten von Sachsen und K�nigs voll polen in der kl�glichen
Domestikenrolle l��t darauf schlie�en, da� die Trag�die der s�chsischen
Armee, die Kapitulation von pirna, sich bereits vollzogen hatte,
w�hrend aus der Nichterw�hnung der Russen sich ergibt, da� diese
noch nicht auf dem Plan erschienen waren.
Anders das Vild auf der Dose. Nur auf diesem ist der Jockei
an der Spitze des SechZZespanns durch die Initialen l^. �. als be-
stimmte Pers�nlichkeit, als Kardinal Vernis, bezeichnet, wir gedachten
seines Anteils an der Versailles Allianz von 1,756; aber erst Juni l?57
wurde er der leitende Minister Frankreichs, erst am 2. Vktober st den folgenden Versen non paburfe
in der �Zeitschrift f?t preu�ische Geschichte und tande stunde". Sb. (5, S. \<)7 Merlin
zuerst mitgeteilt, iedoch ohne (Erl�uterung ;nenn er tonnte nicht die den obigen Versen
zugrunde lieyerifc Rndierung.
�
5 Hi >at v�llig sinngem��, \tbad) im ?lusbrutf
veischleden lautende Urhrrfr^ung drr Wovtv (pgl. ?Inm. 2) jeigt �brigens, da�
sowohl der unbefannts Maler unser� Bilbrs, ivie der Habirret wnmitrelbar �us der
enalischen, bez. holl�ndischen Vorlage gesch�pft haben. Die Radierung tr�gt in der
unleren rechten Ecke die Signierung ,,Nain", beten Ursprung �nb Vedeulung nicht n�her
Versons pciur la reine d'Hongrie
Tout notre sang;
Donnons-lui, pour la Sil�s�e,
Tout notre argent.
Elle a *u plaire ? Pompadour.
8 vgl. Bon Pltfurtl), �Ctnljunbert l)(f�orifdje Volkslieder des preu�ischen tjeeres", 5. W
(Serlin |8fep).festgestellt werben konnte.
        
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