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Miscellanea Zollerana

Full text: Miscellanea Zollerana

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den �ausgesandten" Falken besonders aufgef�hrt. �Wei�e Habichte"
gehen dagegen gern als hochgesch�tzte pr�sente an Fiirftenh�fe. Der
�Sperber" wird gering gesch�tzt; ein Albino wurde com Ordens�
meister einst einer K�nigin von England als gro�e Seltenheit oe�
rhrt. Der Edelfalke ist zweifellos der Ivanderfalke (falco peregrinus),
der Geierfalke aber, der hochgesch�tzteste aller Veizv�gel, d�rfte der
Gerfalke (falco gyrfalco), der sogenannte �Isl�nder" gewesen fein,
w�hrend unter dem Vlaufu� der W�rgfalke {falco lanarius) 311 ver-
stehen ist. 3n en Akten aus bec Vrdenszeit kommen die Ausdr�cke
Terzein, 5ar3eln, Falkcndorfel oder D�rsel, Tertz, Gerterze vor.
Ich bin der Ansicht, da� hierunter nur junge Falkenm�nnchen zu
verstehen sind. Unter den preu�ischen Landschaften, indenen �Falke��
l�get" oder �Lagerst�tten" (Falkenbuden) bestanden und auch die
meisten Falken gefangen wurden, steht Samlaub obenan. 3"'
bisch�flichen Gebiet hatte der Vischof, im Grdensgebiet der Haus-
komtur von K�nigsberg den Falkenfang als Gerechtsame; es mu�te
aber der gesamte Fang an den Hochmeister gegen bestimmte preise
abgeliefert werden. Die ergiebigsten Falkenlager waren Surfait
(Kurische Nehrung), Pagensee, Falkenheide, Brandenburg, Valga,
einzelne tager auf der Frischen Nehrung, im Bistum i?rmlanb
(die �lteste), im Vinnenlande bei Elbing, Goiken, Solbau, im Amte
Rhein. 3ehr eifrig wurde der Fang in tioland, in der Komturci
von Winda, im Gebiet des Vischofs von Grebin, in Kurland, auf
der Insel �efel und in Gotland betrieben. F�r einen �Edelfalken"
zahlte der Hochmeister bis \1}t Mark, die Mark gleich 5 Talein ge-
rechnet. Riesige Unkosten verursachten den Hochmeistern, wie sp�ter
den Herz�gen und Kurf�rsten, die �Falkengeschenke", denen �fters
ein �wind, der dem Habicht hilft",beigef�gt wurde. Alle die Ei�
richlungen, wie sie w�hrend der Ordenszeit in Preu�en gehandhabt
wurden, blieben unter den Herz�gen und ihren Nachfolgern, den
Aurf�rsten und K�nigen, bestehen. Ganz besonders waren die
Falkengeschenke im Zchwunge, denn nach wildem, seltsamen (Setier
aus dem fernen Preu�enland war ja stets Nachfrage unter all den
lieben vettern im Heiligen R�mischen Reich. So bittet (538 Vit-
Heinrich, Pfalzgraf von Vayern, den Herzog von Preu�en um Tiere:
�oieweil wir denn 311 seltzamen Dingen ye ein sonderlich lust,
begierd und naigunZ tragen, nehmlich Zu ain Awerochsen, ain Aue,
ain wildt Ro�, ain Stueten, ein paar Elland vnd Falken; so ist
nochmals onfer fchwagcrlichs vnd frundtlichs bit." Am Hofe der
Hohenzollern in der Mark hat vermutlich von alters her eine
Falknerei bestanden. Man kann wohl annehmen, da� der dein
K�nig Maximilian \^2 entflogene Veizvogel durch einen kurf�rst-
lichen Falkner in der N�he des HoflagerZ 311 C�lln au der Spree
aufgefangen, verpflegt und zur�ckgebracht ist, wenigstens dankt der
K�nig dem Markgrafen �Iohanufen" zu Vrandenburg f�r Zur�ck"
sendung eines verflogenen �hagart valken", so dem Lhurf�rsten �311
H�nden" kommen ist. Die Urkunde ist �gegeben zu Augspurg am
ersten Tag des Monats May Der Falke trug vermutlich
am Zt�nder bas Falkcnzeichen, ein T�felchen mit dem Wappen des
Besitzers. Einen gewissen Aufschwung nahm die Falknerei am
kurf�rstlichen Hoflager unter Johann^igismund (;6O8 �^6�9), der
einen neuen Falkner bestellt, auch in Preu�en bas Falkenwefen
reorganisiert. Im ehemaligen Grdenslano war n�mlich f�r den Fall
des Aussterbens der fr�nkischen ?inie der Hohenzollern die Mit�
belehnnng und Anwartschaft der drandenburgischen Linie durch Erb-
vertrag vom Jahre (569 zuerkannt worden, und von ;eo3^6!8
f�hrten die Kurf�rsten Ioachim-Fiiedrich und Iohann.Sigismund die
Vormundschaft f�r den regierungsunf�higen letzten Herzog vonPreu�en.
In dieser Seit der Regentschaft wird der Herzogliche Falkenmeister
Johann von Windelrode >,6oy mit Vorschl�gen f�r die Reorganisation
der Falknerei vorstellig. Zweifellos hat diefer Windelrodesche Gesetz.
entwurf durch feine klaren und sparsamen Vestimmungen zur E�
Haltung des im Allssterben begriffenen Sportes f�r die n�chsten
150 Jahre beigetragen: �6Falken mu�ten f�r die Veize auf Reiher,
6 auf (Enten, 6 auf Kr�hen, 3 auf Elstern gehalten werden, ba3U
kamen noch 6 Vlauf��e, 5 Habichte und 3 Sperber. 6 Geierfalken
durften zu einem Einkaufspreise von 30 Talern pro St�cf in den
Etat gesetzt werden. Juni �Aas" (Atzung) war ein t�glicher Ver'
brauch von h H�hnern, 5 Tauben und 5 Pfund Rindfleisch gestattet,
auch mu�ten (5 Reiher 311m Anlernen in einem besonderen Reiher-
Hause gehalten werden. Das Personal setzte sich zusammen aus
0 Personen zu Pferde und zum Tragen der �Rasen" aus 2 Knechten,
bereu lohn und Kleidung au�er freiem Tisch 300 Taler ausmacht."
Falkengeschenke sind (60<$ an den Herzog Maximilian von Bayern
und 1.608 an den K�nig von England abgegangen. AlsNachfolger
f�r seinen verstorbenen Dater erh�lt Wilhelm von windelrode (6^7
eine Seftallung, die genau alle Bez�ge aufweist: �j�hrlich 400 Reichs-
gulden aus der Gefrantei, auf H Pferde das geordnete Monatsgeld,
den sogenannten Tchadestand, dazu freie Tafel bei den Kammer*junkern, logament und pro anno 6 wilde Falken und q V�rgel."
F�r die Aurmark datiert die erste erhaltene Vestallung eines Hof�
FalkonierZ aus dem Jahre l6l3: �Johann ?oreii3 dienen aus ?1eue
erh�lt �frey losament" in dem bisher vomGarde-Capitain von ?ofj*
Hausen bewohnten Hanse, in dem Knechte und Pferde mit unter-
gebracht werden mu�ten." In Tleve bestand schon von alters her
eine eigene Falknerei; in dem HofhaltZ-Ctat von (�(5 z.V. werden
dem J�ger- und Falkenmeister Philipp 311 Isselftein zur Unterhaltung
der Vogel und der zwei dazu ben�tigten Knechte, sowie auf 5 Pferde
vor Rawfuttcr und StaUmiete (uoo TIr., an Hafer f�r 22o Malter
2l/ Steffel 220 TIr. U1A Groschen, inSa.: *22Q ?EIr,u1 Groschen
angewiesen. In der Residenz Colin an der Spiee wurden unter
GeorZ'wilhelm durch den Oberj�germeifter 3� erwarbt von ??erte-
felbt auf dein �Werder" neben dem Reithause mehrere H�nser f�r
die Falken und die Falkoniere eingerichtet. Die heutige JaIFontergaffe
tr�gt hiervon ihren Namen, von 1,624 l��t sich eine fortlaufende
Aussendung der Hof'Falkner nach D�nemark zur Beschaffung der
�Isl�nder" nachweisen. \6\<5? wild ein Pole Johann Sroeblifty f�r Jacob
Bienen bestellt. (6^9 �bersendet der K�nig von D�nemark dem
Gro�en Kurf�rsten eine� �Antheil" von 8 norwegischen Falken,
der Kurf�rst von Hannover u Bei3D�geI. In dieser Zeit
stand die kurf�rstliche J�gerei auf der H�he, ihr Reorganisator ist
der ber j�germeifter I.G. vonHertefeldt, der sich durch Vertilgung
des Raubzeuges (Errichtung des Wolfsjagdzeuges) unverg�ngliche
torbeeren erwarb, auch zur �Ergetzlichkeit und plesire" feines hohen
Herrn die Falkenjagd, die �edelste aller Jagdarten" auf die ihr ge-
b�hrende H�he brachte. Im Berliner Tiergarten war durch ihn
ein �Reiheistand" zwischen dem J�gerhofe und der �Wei�en pforbte"
im hohen Holze angelegt worden; bas �Reiherhaus" stand in der
N�he bei der damals (5550) im Entstehen begriffenen Jungfern�
(der gro�en (Quer*) Allee. Der Hofdichter, 2tadtrichter Nie. Peuker
nimiM (655 in seinem Wiegenliede bei der Geburt des Kurprinzen
        
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