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Der Brand der St. Nikolaikirche in Potsdam am 3. September 1795 und König Friedrich Wilhelm II.

Full text: Der Brand der St. Nikolaikirche in Potsdam am 3. September 1795 und König Friedrich Wilhelm II.

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Regiments-Huartiermeister, wegen der Strafversetzung des Sladtdirektors Damm nach Charlottenburg und Versetzung
der anderen Magistrats -Mitglieder erging an demselben Tage eine Allerh�chste (Drber, die einen ganz vorz�glichen
Veitrag zur Charakteristik des K�nigs gibt. Sie lautet:
�Mein lieber Gro�kanzler von Goldbeck. 3^7 habe gestern bcy der alln'er entstandenen Feuersbrunst
mit vielem Mi�vergn�gen wahrgenommen, da� der hiesige Magistrat, der �ber bas feit langer Zeit in Ansehung
seiner Amtsverwaltung nicht in dem besten Ruf gestanden, die Feuer-Anstalten, diesen wesentlichen und wichtigen
Cheil des Policey^I�efens g�ntzlich vernachl��iget hat. �ber das halte ich den hiesigen Policey-Director Damm
zur Verwaltung der Policey alhier nicht gantz geschickt: da er aber a?s ein rechtschaffener und im Justiz Fach
geschickter Mann bekannt ist, so trage ich Euch hierdurch auf, denselben auf eine convenable �Dcifc auf das
baldigste zu placiren. 3^ habe dem Cammer=pr�ft6cnten v. M�hlheim befohlen, mir zur U)iederbesetzung der
polijey und Sta�t Direktor stelle sofort einen recht tauglichen Regiments Quartier Meister ausfindig zu machen
und anhero zu schicken.
�)abeY ist meine Absicht, da� derselbe zwar nach wie vor bas Direktorium bey dem Magistrate auch
in Ansehung aller �brigen Angelegenheiten f�hren, mit der Ausarbeitung der eigentlichen Justiz dachen aber
nicht besa�et werden soll: den B�rgermeister Freytag habe ich cassiret und in Ansehung der �brigen Mitglieder
des Magistrats Collegii mu� eine g�ntzliche Reform vorgenommen werden dergestalt, da� solche versetzt und ihre
Stelle durch gantz unbescholtene, rechtschaffene, geschickte und th�lige M�nner, die Erfahrung und Flei� pereinigen,
wieder besetzt werden, 3*?r m��et Euch dieserhalb gantz unverz�glich mit dem General Directorio zusammen
thun und vereinigt mit demselben alle deshalb erforderlichen Vorkehrungen auf das baldigste besorgen, auch
mir demn�chst der neuen Einrichtung wegen einen gemeinschaftlichen Bericht abstatten. Ich bin Euer wohl
arTectionirter K�nig Friedrich Wilhelm.
Potsdam,
den 4 ten September
1^95-
An den Gro� Kanzler von Goldbeck.
Unverz�glich wurde dem K�nige an Stelle des kassierten B�rgermeisters Freytag der Regiments-Huartiermcister
weil von dem von Aatteschen Dragoner^Regiment zu tandsberg a. d. warthe empfohlen und auch von ihm best�tigt.
Der 5tadtoireklor Damm wurde nach Charlottenburg versetzt und in seine 5tel!e der dortige Arull
nach Potsdam berufen.
Die Versetzung der �brigen Magistrats -Mitglieder ging geraume Zeit sp�ter vor sich.
Ueber die fahrl�ssigen Brandstifter verh�ngte der K�nig durch Aabmetts-Vrder vom 9. September eine
l�ngere Freiheitsstrafe. Alempnermeifter Vollert mu�te sechs Monate und sein Geselle Berner drei Monate Festungs-
haft in Spandau verb��en.
Die Vorkommnisse beim Brande bezeugen, da� so viele Verordnungen des Gro�en K�nigs, als er die Augen
f�r immer geschlossen, schlaffer gehandhabt wurden, insbesondere das von ihm durch die Feuer- Vrdnuug^ vom
Oktober musterhaft geregelte Feuerl�schwesen, wie sehr noch heute bei Potsdams Bewohnern die Erinnerung
an jene gesicherten Zust�nde unter K�nig Friedrich dem Gro�en lebendig ist, beweist am besten die Hage: �Friedrich
der Gro�e als Feuerreiter." Man erz�hlt sich, der A�nig sei nach den: Brande einer der M�hlen am Hakendamm
bei Neuendorf, unwillig �ber das Vrandungl�ck, auf seinem Schimmel dreimal um die Ttadt geritten und habe �das
Feuer besprochen". Daher habe es unter ihm nie in Potsdam gebrannt. �
1Der vollst�ndige Titel lautet: �Rgl.Pr�. Reiter Ordnung, welcher in der Residenzstadt Potsdam und Vorst�dten, ingleichen
�Toiuatocs, von jedermann auf bas genaueste nachgelebt werden fall, nebst angeh�ngter ?Tac^tiuLii^tmetf�cr- und Nachtw�chter-Grdnung,
und beygef�gten Extrakt desjenigen, was jeder V�rger bey entftchendem Vrande zu beobachten habe. De Dato Verlin, den 13. Oktober 4772."
        
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