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Der Brand der St. Nikolaikirche in Potsdam am 3. September 1795 und König Friedrich Wilhelm II.

Full text: Der Brand der St. Nikolaikirche in Potsdam am 3. September 1795 und König Friedrich Wilhelm II.

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im Dienst stehende Soldaten der Potsdamer Garnison Tr�del- und viktualienhandel betneben. Vie �brigen, unter den
Arkaden stehenden Arambuden sind schon den Flammen zum Vpfer gefallen.
Gibt so bas vorliegende Vild einen Veitrag zur Geschichte des Feuerl�schwesens in damaliger Zeit und ist schon
deshalb f�r die Stadt Potsdam von gewissem werte, so gewinnt �5 noch eine ganz besondere, allgemeine Vedeutung dadurch,
da� der Maler � im Vordergrunde zur sinken � die Person des K�nigs Friedrich Wilhelm II.mit seinem Gefolge
verewigt hat: Ver K�nig in dunkler Uniform
�
den: Vcschauer den R�cken zukehrend
�
verfolgt mit Aufmerksamkeit
die Vorg�nge und richtet anscheinend gerade eine Frage an den neben ihn: haltenden, ihm zugewendeten General-
leutnant von Vischofswerder. Sogar der Aastellan Knopf vom K�niglichen Stabtfctilof, der bereits unter K�nig
Friedrich dem Gro�en gedient hatte, und den Napoleon am 2^. Oktober \806 seinem Gefolge mit den Worten
vorstellte: �Vieser Mann hat schon unter dem Gro�en K�nige gedient!", ist nicht vergessen. Er steht vorn in der
Mitte des Bildes in� Gespr�ch mit einem B�rger, seinen Blick auf den K�nig gerichtet.
Ver A�nig wohnte lange Zeit dem Vrande bei und verriet durch sein pers�nliches Eingreifen und durch
pers�nliches Anfeuern der von ihm zum l�schen und zur Hilfeleistung kommandierten Potsdamer Garnison ein weit-
gehendes Interesse an dem Geschick des stolzen Baues.
Schon seit dem Jahre ihrer Erbauung hatte sich die Nikolaikirche der F�rsorge der Preu�en k�nige zu erfreuen.
Mittels Aaliinettsorder vom ?. April 5?2^, an den Ober- Marschall Marquard Ludwig von printzsen)^
gerichtet, hatte A�nig Friedrich Wilhelm I. �so wol wegen Alterthums und Bauf�lligkeit als Enge des Platzes bey jetzo
anwachsender Gemeinde" den Abbruch der St. Aatharinenkirche befohlen, die in ihren Anf�ngen bis ins Jahr-
hundert zur�ckreichte. Bald nach erfolgtem Abbruch legte der Oberst von Aleist im Auftrage des A�nigs auf der
Stelle, wo die alte Airche gestanden hatte, den nur mit dem A�niglichen Namenszuge gezierten Grundstein zu dem
neuen, nunmehr St. Nikolaikirchc genannten Gotleshause. Vrei Jahre sp�ter, am 22. I^initatis 5?2H, erfolgte
die Einweihung in Gegenwart des A�nigs und seiner Generale von Gersdorff, von soeben und von Vockum. Schon
vorher hatte der A�nig an dem Fortschreiten des Baues reges Interesse bekundet. So hatte er z. V. die gro�e, aus
vergoldetem Aupfer gefertigte Augel, bevor sie auf den 28h Fu� hohen Turm gebracht wurde, mit Aorn f�llen lassen,
wobei sich herausstellte, da� sie davon Scheffel fassen konnte. In den Turmknopf legte man goldene und silberne
Medaillen, sowie eine vom Freiherrn Jakob Paul von Gundling verfa�te, auf Pergament geschriebene Urkunde.
Die Abendmahlsger�te, 2 Aannen, 2 Aelche, 2 Patenen und Gblatenschachtel, und das Taufbecken, s�mtlich
aus vergoldetem Silber bestehend, waren Geschenke des A�niglichen Erbauers. Eine rotsamtene, reich gestickte Vecke,
gestiftet von der A�mgin Sophie Dorothea, schm�ckte den einfachen, eichenen Altartisch.
Vie Vrgel, deren Prospekt dem der von Joachim Wagner erbauten Grgel in der Potsdamer Hof- und
Garnisonkirche sehr �hnlich gewesen sein mu�, stammte aus der durch Explosion eines Puloerturmes im Jahre
zerst�rten Berliner Garnisonkirche und war ein Werk des Grgelbauers Johann Michael Roeder. Erw�hnenswert
scheint es mir, da� die am Prospekt angebrachten pauken, welche mittels eines pneumatischen Antriebes von Engeln
geschlagen werden konnten, den Schweden in der Schlacht bei Fehrbellin abgenommen waren.
Vas Innere der Airche war im �brigen einfach gehalten und entsprach dem schmucklosen Aeu�eren. Vie
Grundform war die des griechischen Areuzes. An der Nardseite lag der Curm, von dessen offener Galerie herab sich
an Sonn-- und Festtagen die Stadtniusikanten mit einer �sch�nen Instrumentalmusik" h�ren lie�en.
Erst A�nig Friedrich der Gro�e lie� mit der Airche eine gr��ere bauliche Ver�nderung vornehmen, indem
er das gro�e Portal und die Arkaden hinzuf�gte. Er beauftragte seinen genialen Baumeister Georg wenzeslaus
von Anobelsdorf, nach dem vorbilde des Portals der Airche Maria Maggiore in Rom ein Portal zu entwerfen.
Wie weit ihm der A�nig hierbei freie Hand gelassen hat, ist nicht recht bekannt. An der Ausf�hrung des Portalbaues
1 lNarqnard ludwig von Prinzen kaufte unter anderem im Jahre \70^ das 50 km nordwestlich Potsdams gelegene Dorf S^ortn,
welches nach ihm den Namen Marquardt erhielt.
        
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