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Die Flucht der Kurfürstin Elisabeth von Brandenburg

Full text: Die Flucht der Kurfürstin Elisabeth von Brandenburg

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Neigte hiernach Joachim trotz feiner Energie zu einer gewissen Nachsicht, so mu�te er doch, man k�nnte sagen
pflichtm��ig, dem widerstreben, da� seine eigene Gemahlin bas unbeirrt tat, was er seinen Untertanen wiederholt und
ernstlich verboten hatte, n�mlich der lutherischen Kehre anzuhangen, so gro� auch feine Ciebe zu Elisabeth gewesen sein
mochte. Ebenso aber und in verst�rktem �Ttafe mu�te Elisabeth der neuen kehre treu bleiben, nachdem sie deren
Richtigkeit erkannt hatte. Sie hatte einen lange und ernst �berlegten, bas Heiligste des irdischen und zuk�nftigen (eben-,
angehenden Schritt getan und durfte dicscn nicht um des �u�eren Friedens willen zur�cktun. Zwar hatte sie sich nach
ihrer und Christians II.Behauptung tnelntals 511 einem �ffentlichen Verh�r erboten. Aber dazu ist es nicht gekommen,
und Joachim sagt, er verm�ge sich nicht 511 erinnern, da� Elisabeth ihn deshalben beschickt oder vorher begehrt h�tte.
Da� fie �berdies einen selbst�ndigen und beharrlichen Willen hatte, hat sie in der sp�teren Zeit bewiesen. Andererseits
konnte sic weniger als die Untertanen vor einem gewaltt�tigen (Eingreifen ihres Gebieters sicher sein, und ihr stand
feine �u�ere Gewalt zur Seite.
So konnte pou Feiner Seite auf eine Nachgiebigkeit gerechnet werden. Es war der h�ufig wiederkehrende Fall
eingetreten, da� zwei Personen, die in Einigkeit und Frieden zusammen gelebt halten und deren Charaktere zusammen-
gestimmt h�tten, wenn ihre Uebcrzcngung und ihr Tun fortgesetzt auf dasselbe Ziel gerichtet gewesen w�re, dennoch
zu einer v�lligen Trennung gelangen mu�ten. So ging die Geschichte ihrem unvermeidlichen Verh�ngnis entgegen.
IV
Die eigentliche Arisis wurde herbeigef�hrt, als Elisabeth, w�hrend ihr Gemahl nach Schlesien verreist war
fror Gstern da? Abendmahl m beiderlei Gestalt sich hatte reichen lassen, wie man sagt, durch einen witten-
bergischcn oder mecklenburgischen oder durch einen von Christian II. in weltlicher Rleidung eingef�hrten Geistlichen �
etwa den f)astor Schncidewein, der noch sp�ter eine Aolle spielt?
hieran kn�pft sich eine vielbesirittene Frage: ob es richtig ist, da�, wie viele Historiker, namentlich Sed"en6orf 1
berichten, Elisabeth durch ihre Tochter gleichen Namens verraten ward. ?roysen^ wagt die Frage nicht zu entscheiden,
f�gt aber hinzu, Rankes 8 Gegengr�nde st�tzen sich auf eine falsche Chronologie, letzterer bemerkt: �Ein IH�6c^en von
\*k Jahren war sie stie Tochter Elisabeths wenigstens nicht, wie man gesagt hat. Sie war \5(O geboren und bereits
im 3 re (7.j7.) an Herzog Erich von Calenberg verheiratet worden. Sollte sie im 2N�rz in Berlin
gewesen sein? wenigsten-, im August dieses Jahres brachte sie ihren erstgeborenen Sohn zu M�nden zur Welt. Ihr
Gemahl, HN Jahr �lter als sie, entz�ckt dar�ber, da� er einen Erben hatte, gestattete ihr eine Bitte, Sie bat um die
Befreiung eines Pfarrers, den man festgenommen, weil er bas Abendmahl in beiderlei Gestalt ausgeteilt hatte. Und
diese F�rstin soll ein paar Monate vorher die eigene Mutter angeklagt haben? Es ist alles gleich unwahrscheinlich."
Das Jahr der Geburt der Tochter Elisabeth <^5^0) ist richtig angegeben. Dagegen fand ihre Verheiratung,
welche urspr�nglich f�r Fastnacht in Aussicht genommen war, schon statte Auch handelt es sich bei dem
Verrat nicht un: den M�rz sondern um die gleiche Jahreszeit des Jahres 5527. In den Briefen des Aurf�rsten
Joachim vom 50. M�rz und Avril gerichtet an den Kurf�rsten von Sachsen und den Herzog Georg, kommt
deutlich zum Ausdruck, da� der verratene Abendmahlsgcnu� vor Vstern stattgefunden hat.
Schon nach dicscn tats�chlichen Berichtigungen zerfallen Rankes Gr�nde in nichts. Hinzukommt, da� die
Herzogin Elisabeth nicht die Freilassung eines einzelnen, sondern etlicher Gefangenen erbat, die wahrscheinlich nicht alle
' A. a. O.. Il,<&, a.lil. in. � 2 3-1. a. C?., 3. 201, 2Inm l.
�
a Deutsche Geschichte III,S. 38, 2Inm.
�
4 Markgr�fin Elisabeth,
Zweite Tochter des Kurf�rsten Joachim I., geb. 24. August 55,10, gest. 25. Mai \558 im Schlosse 311 Ilmenau, beiges, im Kloster Ve�ra;
uenn. I. (2. It�ar.5 1525 311 Berlin mit Herzog t?ri$ I. von Nraunschweig. L�neburg, geb. 6. Februar gest. 26. Juli 15*0;
II. 30. Mai 1546 311 IlT�nben a. d. iPcrra mit dem Grafen Boppo XVIII.von Henneberg-Tchleusingen, geb. 20. September *5^3, gest.
4.M�rz 5574. � 5 Auf �fvciuil>Iid?c5Ersuchen" des ?705035 Erich erkl�rte sich Joachim I.unter dem t?. Februar (d2� bereit, die Tochter schon
n�chsten Sonntag Esiomihi (26. Februar) ehelichen vertrauen und beilegen zn lassen. (Riedel, Cod. dipl. III, 3, 5. 325 ff). So geschah es.
        
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