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Die Flucht der Kurfürstin Elisabeth von Brandenburg

Full text: Die Flucht der Kurfürstin Elisabeth von Brandenburg

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Zeit un& am gleichen (Drte stattgefunden. Joachnn scheint also in seiner F�rsorge f�r Christian in der Tat durch
Teilnahme und Freundschaft, urspr�nglich auch wohl durch die ?icbc feiner Frau, bestimmt worden 311 sein. Dankbar
kann man das fernere Verhalten Christians II. nicht nennen; auch an dem tiefernsten religi�sen Interesse eines F�rsten,
der erst Lutheraner, dann wieder Aatholik wurde, um Aaiser Karls V. Hilfe zur R�ckkehr in seine Tande zu gewinnen,
darf man f�glich zweifeln. Vielleicht war es nur, da� er seine Schwester vor wirklichen oder vermeintlichen Beschwer-
nissen edelm�tig bewahren wollte.
Joachim I. hat Zeit seines Gebens mit Bestimmtheit und Bewu�tsein � es sei dahingestellt, ob aus innerem
Drange � auf dem katholischen Standpunkte ' beharrt, auch seine humanistischen Studien und Interessen haben ihn
daran nicht gehindert. Daneben stand seine Hinneigung zur �terndeuterei und wahrsagerei. Der Einflu� des Hof-
astrologen Canon ist bekannt, ein Beispiel davon schon oben erw�hnt. Gegen den Herzog Albrecht klagt Elisabeth
in ihrem Briefe vom ?. September da� Joachim, Vater und 5ohn, eine Wahrsagerin h�tten, die ihnen beiden
alle zuk�nftigen Dinge enth�llen sollte: wag sie tr�umen, das m�sse wahr sein.
F�r Joachims kirchen politische Stellung war, wie Heidemann richtig hervorhebt, von Beginn seiner Regierung
an der Wunsch ma�gebend, seinen Bruder Albrecht ineine hohe kirchliche Stellung gebracht zu sehen, was ohne Mitwirkung
der r�mischen Anne nicht durchf�hrbar war. Albrecht erlangte das strimat der deutschen Airche und die 2.Nainzische
Aurw�rde, so da� das Haus Hohenzollern �ber zwei Aurstimmen verf�gte. Darnach, am M�rz schrieb
Joachim 3 an den Papst 5eo X.: �M�ge mir das Schicksal die gl�cklichen Tage gew�hren, die ich Deiner Heiligkeit
f�r die Gnade dankbar zu sein vermag, welche Du mir nach der Dir angeborenen Freundlichkeit erwiesen hast." Dieser
Zusage ist er eingedenk geblieben.
Neben der Autorit�t des Papstes glaubte Joachim auch dic landesherrliche Autorit�t sch�tzen und die Piet�t
gegen den Aaiser wahren zu m�ssen. Dennoch w�rde er sich einer von den geordneten Grganen ausgehenden Reform
nicht widersetzt haben; er scheint sie sogar f�r notwendig gehalten zu haben. In diesem Sinne �u�erte er sich auf
den� Reichstage zu Augsburg nur die einheitliche Airche k�nne die kehre bestimmen; das subjektive Vorgehen
einzelner Geistlicher m�sse Spaltungen, Aufruhr und Emp�rung im Gefolge haben. Dagegen, da� er die Notwendigkeit
von Reformen auf diesem Wege verkenne, verwahrte er sich nachdr�cklich; aber sie sollten, wie er bei dem Widerspruch
gegen den N�rnberger Religionsfrieden sagte, von oben und unter dem Schutz des Papstes oder einen: Aonzil, nicht
aus einem koch oder Winkel ausgehen/ In gleicher weise wird auch eine Erkl�rung zu deuten sein, welche Joachim
bei den Verhandlungen �ber R�ckkehr seiner Gattin abgehen lie� und welche sp�ter im Zusammenhange mitgeteilt
werden wird, wiederholt hat er sich seinen Untertanen gegen�ber dem Luthertum zuwider erkl�rt und Mandate gegen
dessen Einf�hrung erlassen. Verm�ge seines entschiedenen Charakters war er streng, aber nicht grausam.
Dies �bertrug sich auch auf das kirchcnpolitische Gebiet. Nach Luthers Zeugnis (Brief vom Nov. hat
Joachim um des Glaubens willen kein Blut vergossen; er hat sich �berhaupt zu einer f�rmlichen Verfolgung der lutherischen
nicht hinrei�en lassen. Deshalb meinte auch (uther mit einem Seitenblick auf andere F�rsten: trotz Joachims Feind-
schaft gegen das Evangelium k�nne man noch f�r ihn beten, wiederholt ergingen Mandate wegen Verbots lutherischer
Sucher und Lieber; aber der Aurf�rst setzt hinzu (29. Februar !^52H): �Denn unser Gem�t und Bedenken nie gewesen
oder noch ist, die Heilige Schrift oder evangelische Wahrheit zu verbieten, sondern allein die Verf�lschung der Bibel,
so neulich unter Martin Tuthers Namen ausgegangen." Die Emsersche katholische Bibel�bersetzung war also nicht
verboten. Tetzels Abla�schreiben mu�te Joachim um des Papstes und des Erzbischofs Albrecht willen �u�erlich in
feinen landen gestatten, seinen Hofleutcn verbot er aber, sich an dem Abla� zu beteiligen. Da� er sich in �u�eren
Angelegenheiten von seiner konfessionellen Stellung nicht leiten lie�, ergibt schon sein Verhalten gegen Christian II.
1 ?eckendorf z�hlt ihn 311 bell �evangelicae causae omnium infensissimos". � a 21, a. CD,, S. 88� 90. � � Riedel, Cod. dipl. III,3,
S. 232f. � * Heidemann, a. a. V., S, 16$; E. Arrest, Die Reformation in der Mark Brandenburg. Berlin [Hsy, S. 35.
� 5 E. Fidicin,
Hlstorisch'diplomatische Veitr�ge zur Geschichte der Stadt Verlin. Aerlin (837�^2, (E. H, 5. 22hff.
Yohenzollcrn.Iahit'uch 1909. 21
        
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