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Die Flucht der Kurfürstin Elisabeth von Brandenburg

Full text: Die Flucht der Kurfürstin Elisabeth von Brandenburg

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wir acht Jahre Nacht uno Tag also gelegen und sind nicht ferner von der Stelle gekommen, denn so weit man uns
hat tragen k�nnen. So haben wir seitdem dazu die Gicht und po&agta und Kr�mpfe bekommen, da� wir solches
Zahnrei�en und Brechen haben, oarob sich aile verwundern, die mit uns umgehen, sagen, sie haben dergleichen
Amnkheit nie geh�rt. Wir vermerken an uns t�glich wohl so viel, da� unseres Gebens nicht mehr ist. wiewohl wir
unseres Abscheiden^ t�glich gew�rtig sind, so haben wir uns in dem allen in den gn�digen willen Gottes mit Leib
und See! ergeben. Dieweil wir uns haben unterstanden, die Haushaltung anzunehmen, so haben wir weder Heller
noch pfennig, Wir m�ssen auch nicht gebrauchen weder Sch�ferei noch Fuhrwerk, haben dazu weder schlo� noch
Stadt, weder Garten, Acker noch wiesen. Jetzt auf k�nftige Michaelis soll uns bas erste Geld des Quartals verlassen
werden, � davon wir unsere Haushaltung und Nahrung einkaufen sollen, hat man uns aufgehoben und weggenommen
und wir kriegen nichts davon, sollen jetzt Vchsen, K�lber, Hammel, Schweine, G�nse, H�hner, Butter, Aase, wein
und Vier, w�rze und allerlei Notdurft haben, nichts davon wir's nehmen. Stube und Kammer haben wir und nichts
mehr. Zwischen hier und Vstern haben wir in unfern H�nden nicht fo viel, da� wir ein Ei daf�r kaufen m�gen.
So m�ssen wir samt den Unfern, wo Gott uns nicht sonderlich h�lt, Hungers halben verschmachten und sterben. Vas
haben wir E. ?. nicht m�gen verhalten. Doch m�gen wir E. ?. mit Grund der Wahrheit anzeigen, da� es uns so
hart und nahe zwei Jahre nacheinander ergangen ist, da� wir Hungers halber erstorben und ganz und gar verschmachtet
fini), davon nicht zu sagen ist."
Es folgt die Vitte, der Herzog wolle die hohe und gro� dringende Notdurft freundlich bedenken und dem
Voten freundliche Antwort erteilen. �Darauf ist ihren S�hnen geschrieben," ist noch auf der Aufschrift des
Briefes bemerkt.
Alan mu� noch heut beim kesen dieser Zeilen ein herzlich Mitleiden mit der viel gepr�ften F�rstin empfinden,
mag auch manches, das sie klagt, �bertrieben sein. Joachim II.brauchte viel Geld und kann deshalb manche Pflicht
vers�umt haben. M�glich aber auch, da� Elisabeth, wie einst in Wittenberg, so auch in Spandau nicht haus-
zuhalten wu�te.
Dienstag nach Trinitatis meldete Joachim' seinem Bruder Johann den Tod der Mutter. Montag
nach Exaudi habe die Schwachheit sehr zugenommen; bei seinem Vesuch habe sie gebeten, sie wolle in die damals
leerstehende Dechanei am Dom in Berlin, so Magister Schmoll innegehabt, gebracht werden, da sie von ver�nderter
Luft Linderung erhoffe. Am f?fingsttage sei sie hereingeholt worden. Am Montag nach Crinitatis (^. Juni), Mittag
zwischen und 2, sn dann der Tod erfolgt mit einem �feinen, reinen christlichen Bekenntnis und in sanfter Ruhe".
Mittwoch solle die Beerdigung sein im Dome. Auch die Ordnung beim Leichenbeg�ngnis ist aufbewahrt.^
In dein ani ;).Juni errichteten Testament Elisabeths findet sich ein freudiges Bekenntnis und Dank
gegen Gott f�r die ihr gewordene Erkenntnis. Die sie beleidigt habe, sollen ihr um Christi willen vergeben. Die
s�mtlichen Angeh�rigen werden ermahnt, sich an Gottes wort nach Augsburgischer Konfession zu halten, di� Unter-
tanen in gut Gerechtigkeit mit Gnaden und Barmherzigkeit zu regieren. Ihre S�hne sollen sich ihrer Diener geistlichen
und weltlichen Standes annehmen. Das Begr�bnis soll einfach, au�erhalb der p�pstlichen Zeremonien sein. Ihre
S�hne sollen mitsorgen, da� ihr Bruder Christian des Gef�ngnisfes erledigt werde. Die Forderungen an diesen sollen
gleichm��ig zwischen ihnen geteilt werden. Johann Friedrich, der alte (in der Schlacht bei M�hlberg) gefangene
Aurf�rst von Sachsen, dessen Gemahlin Sibylla, auch Johann Ernst von Sachsen h�tten ihr vielf�ltige wohltaten
erzeigt. Sie bittet Gott, da� diese wohltaten ihnen reichlich vergolten werden, und ihre S�hne m�chten mit andern
F�rsten und Herrn bei dem Kaiser bitten und anhalten, da� er Johann Friedrich freigebe.
Nebcr viel irdisches Gut hatte die Aurf�rstin nicht zu verf�gen. Auch die Vererbung der Forderungen an
A�nig Christian wird ihren S�hnen nichts eingebracht haben, aber derer, die ihr nahegestanden und ihr wohlgetan
hatten, gedachte sie in dankbarer kiebe vor Gottes Chron.
1 ��nigl, f�Liiisardjir a. a, V. � * ib. �lose St�cke" ,sol. 53. � a ib. Fol. 59, 225.
        
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