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Die Flucht der Kurfürstin Elisabeth von Brandenburg

Full text: Die Flucht der Kurfürstin Elisabeth von Brandenburg

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protestierte andererseits fortgefetzt gegen den ge�bten �Gerichtszwang": kein getriebenes Aaiserrecht und fein Reichs-
abschied berechtige einen F�rsten, seine Untertanen vor seinen R�ten zu beschuldigen. Die Einsetzung eines Sonder-
gerichts fei nach fan Reichsbcstimmungcn nur zul�ssig, wenn ein Graf, Freiherr, Kitter ober Edelmann, so dem heiligen
Reich or/ne Mittel zugetan, einen Aurf�rsten oder F�rstenm��igcn vor eingesetzten R�ten, so von beiden seilen bestellt
und vercidet werden, und nicht lieber vor dem Kantmergerieft beschuldigen will. F�r den vorliegenden Fall gelte die
Regel, da� niemand seinem ordentlichen Richter entzogen werden soll. Gelegentlich wird auch erw�hnt, da�, sofern
G�tz sich lieber coram paribus verteidigen wolle, ihm auch dies verg�nnt werden folle. Es findet sich aber keine Spur,
da� hierauf etwas weiteres veranla�t worden sei.
2. Verklagter behauptete, da� nur eine �unf�rmliche" Zitatiou erfolgt sei, namentlich sei ihm eine Alage nicht
mitgeteilt und ihm nicht angezeigt, worum es sich �berhaupt handele, so da� er nicht wisse, ob es Scherz oder Ernst sei.
Er sei an einen verd�chtigen Vrt zitiert, nach A�lln a. d. Spree, wo der Aurf�rst Hoflager halte und es daher am
allcrgcf�hrlichsten und unsichersten sei, ohne da� ihm freies Geleit gegeben sei. Der von ihm bestellte Anwalt habe
vor derselben Unsicherheit gestanden, und sonst habe er keinen der Sache gen�gsamen Anwalt zu bekommen gehabt.
Die kl�gerischen Anw�lte bezogen sich wegen der Zitation auf die Relation des geschworeneu Voten. Da� die Alage
gleichzeitig mit der Vorladung mitgeteilt werde, sei durch die Reformation von nicht erfordert. Ucbrigens seien
die in Vetracht kommenden Tatsachen landeskundig und notorisch. Frei Geleit sei zugestanden (?); die Zitation bringe
solches genugsam mit sich, letzteres fand verklagter bedenklich und nicht den Rechten gem��; nach �blichem Gebrauch
verlasse sich niemand auf die Ziwlion als auf eine Geleitsurkunde. Zu dein Termin im Januar hatte �brigens
der Anwalt einen Geleitsbrief erhalten.
3. Sie Vollmacht, welche der Anwalt mitbrachte, war mit G�tzes Petschaft untersiegelt, sie wurde aber von
den Gegnern als genugsam und sufstzient nicht anerkannt: in verschiedenen Bedienungen fehlten die Substantia ad
mandatum requisita; nicht einmal der Vrt der Ausstellung sei angegeben (vielleicht war dies absichtlich unterblieben);
fie sei nur eine pvivata scriptura; dic Vollmacht h�tte sub signo publicu ausgestellt sein m�ssen. Das aufgedruckte
Petschaft kenne man nicht; man halte nicht daf�r, da� es G�tzes Petschaft sei, und wenn dies auch der Fall sei, so
k�nne man nicht wissen, ob er es selbst aufgedruckt habe.
q. trotzdem die vorerw�hnte Vollmacht auch seitens des Gerichts nicht anerkannt und deshalb die Mitteilung
der Alagc verweigert wurde, ist dem Anwalt im Taufe, der Verhandlungen vorgehalten worden, durch sein Erscheinen
sei das 'Gericht als zust�ndig anerkannt und die etwaige Appellation beim Reichskammergericht deseriert. Umgekehrt
suchte dieser Anwalt zu deduzieren: die Bem�ngelung seiner Vollmacht sei hinf�llig, weil man sich doch mit ihm in
Verhandlungen eingelassen habe.
Dies der ungef�hre Inhalt von etwa 90, oft cnggeschriebenen Folien. Es werden lediglich Vorfragen ver-
handelt. Zur Sache selbst ist man, soweit zu ersehen, nicht gelangt. Zwar wurde noch ein Termin anberaumt, welcher
Ende des Jahres 1.550 stattfinden sollte. Zu ihm scheint es aber nicht mehr gekommen zu sein.
Zu einem wirklichen Gewaltakt, der mindestens sehr wahrscheinlich mit dem Zorn wegen der Flucht seiner
Gemahlin zusammenhangt, lie� sich Joachim nur gegen�ber dem Pfarrer Schneidewein in J�terbag hinrei�en. Er
beorderte Hn Reiter in dic Gegend von J�terbog oder kam gar selbst mit ihnen. Man glaubt, da� sie sich in dein
benachbarten Zinna heimlich aufgehalten haben, um gewisse Nachrichten einzuziehen, wann Schnndewcm vor dein
Zinnaer Tore in der St. Gertraudkirchc Gottesdienst halte. Als sie nun ausgekundschaftet, da� an dem ersten Sonntage
m der Fasten dieser Schneidcwein mit noch einigen lutherischen Predigern, die er zu Gehilfen bei sich hatte, das heilige
Abendmahl in dieser Airche austeilen w�rde, so haben dic Reiter die Airche umringt, den f>farrer mit seinen Gehilfen
auf die Pferde gesetzt und sind mit ihnen nach Verlin geeilt. Dort sind sie in das Gef�ngnis gelegt worden. IV�ren
die Einwohner nicht in der Stadtkirche gewesen und w�re der Ueberfall eher ruchbar geworden, so w�rden die Reiter
schwerlich wieder nach Verlin und mit dein keben davongekommen sein; denn die J�terboger V�rger waren gute
Soldaten und hatten manchen FeldzuZ mitgemacht.
        
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