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Die Flucht der Kurfürstin Elisabeth von Brandenburg

Full text: Die Flucht der Kurfürstin Elisabeth von Brandenburg

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in privath�usern, auf dein INarkte, hernach durch Vermittlung des Rates auch in der Airchc �t. Nikolai gepredigt,
das Abendmahl in beiderlei Gestalt gespendet haben. Vald mu�te er aber auf erzbisch�flichen Vcfehl wieder weichen.
<3s soll der Htadt mit Entziehung des B�rgerrechts gedroht worden sein, wenn sie nicht in Religionssachen gehorsam
sein w�rde. Ueber seine Vertreibung war man sehr aufgebracht und lie�, da sie durch den Bischof von Brandenburg
vermittelt war, nichts mehr bei ihm weihen, weder Halz, noch Wasser, noch kicht fin den Haushaltungen gebraucht).
Einige Jahre sp�ter erlangten die B�rger durch Vermittlung des Burggrafen ?ippot6 von Alitzing, gegen
Erlegung einer Geldsumme an den Erzbischof Albrecht, die anderweitc Berufung eines lutherischen Predigers. Dies
war der Magister Thomas Schneidewein, fr�ter quaestoris Eisenbergensis, wie ihn Tuther nennt, qui qui?te et bene
clocuit. Wahrscheinlich durfte er nur in den beiden Hospitalkapellen vom Heiligen Geist und Gertrauden 2, erstere
innerhalb, letztere au�erhalb der Stafet gelegen, predigen und die Sakramente verwaltend
Bei diesen: Schneidewein soll nun nach den J�terboger Annalen und Chroniken Elisabeth auf ihrer Flucht
�bernachtet und das Abendmahl empfangen haben. Sogar, da� er sie nach Wittenberg transportiert habe, wird hinzu-
gef�gt. �Nach Wittenberg" ist jedenfalls unrichtig. Ein Wagenwechsel k�nnte ja stattgefunden haben. Das Ueber-
nachten oder Rastmachen hat manche auch innere Wahrscheinlichkeit, wenn schon der Nachweis aus Urkunden jener
Zeit selbst nicht mehr zu f�hren ist. I�terbog lag aus dem Wege, und hier traf die Aurf�rstin wahrscheinlich
zuerst einen evangelischen Pfarrer. Der Besuch bei ihn, und der Genu� des Abendmahls war erkl�rlich, auch wenn
Schneidewein zuvor keine Beziehungen zu der Aurf�rstin gehabt hatte.
Die Aurf�rstin kam, wie der Aurf�rst Johann am 2. April 1.523 an Joachim schreibt, �am hellen TMttag
zwischen <) und Uhr ungef�hr" und zwar, wie sich aus Spalatin ergibt, am 26. 2.Narz in Torgau an. �Zu Nacht",
wie Ranke Menckens Darstellung entnimmt, ist also unrichtig. INencken scheint die Zeit der Abreise (nocwrno rempore)
mit der Zeit der Ankunft verwechselt zu haben. Die Ankunft gegen Mittag stimmt auch mit der Wahrscheinlichkeit.
Die Flucht fand am Dienstag abend statt. Wegen der zu f�rchtenden Verfolgung war die gr��te Eile n�tig. F�r
einen Wechsel der Pferde wird gesorgt gewesen sein. So konnte die gr��ere Strecke bis J�terbog (etwa 9^/^ Meilen),
auch bei Ber�cksichtigung des damaligen Zustande der Wege, bis Mittwoch abend zur�ckgelegt sein. Einen l�ngeren
Aufenthalt als n�tig wird man in dieser Magdeburgischen Stadt nicht gesucht haben.
In Torgau fand ein feierlicher, also vorbereiteter Empfang statt, wir wollten �ihre Neb als eine F�rstin
empfahen", sagt Aurf�rst Johann. Neben ihm waren dessen Sohn Johann Friedrich, der Herzog Franciscus von
Bmunschweig- L�neburg, ein Neffe, und F�rst wolfgang von Anhalt, ein Schwager des Aurf�rstcn^, item dessen
R�te in einer guten Zahl und das Hofgesind von Grafen, Herren und Edelleuten zugegen. Es ist, als ob man aus
politischem Interesse und zur Verteidigung der Beteiligten eine Art �ffentliches Verfahren, wie wir es heute nennen
w�rden, gewollt habe. Sogleich hat Elisabeth ihres Anliegens etwas Vormeldung getan. Der wittenberger Professor
1N. G. ?Httmamt, Die Priestecherrschaft in dem Kurf�rstentum wachsen. Dresden *755, Vd. IV,S. 539; 3. C. Brandt,
Kurze Geschichte der Kreisstadt I�terboZt. 2. Aufl. |8^o, S. 30; Heffter, a. a. V., 5.3(8; K.G.F�rstemann, Heue Mitteil. aus
dem Gebiete histor.-antiquar. Forsch. IV, 5, 5. U1?. � Spater soll Rhooa pomment berufen ��b (563 tu Stettin oder l�neburg im
Alter von 7^ Jahren verstorben sein. Dan. Cramerus, Chron. L�neburg. III, 5. 52; 3eckendorf, a. a. (D., III, S. ho; I.G. Vertram,
Evangel. L�neburg,, ?. 528.
�
2 Die Kapelle St. Gertrauden wurde bei der ersten evangelischen AirchenVisitation 1562 ganz bauf�llig
befunden und deshalb dem Rat �berlassen, um fie als Getreidespeicher zu gebrauchen. 5592 wurde sie abgebrochen. Auch die Kapelle
Zum Heiligen Geist war 1562 bereits sehr bauf�llig; sie ist in neuerer Zeit beseitigt worden. 5chneideweins teben und wirken ist bei
Gelegenheit der Feier &es qoaj�hriaen Geburtstags Luthers wieder in bas Ged�chtnis gerufen worden. An dem umgebenden Gitter einer
tllthereiche in J�terbog befindet sich eine gu�eiserne Cafel, auf bec mit vergoldeten Buchstaben geschrieben �st: �(5epj?aii3t zur Erinnerung
an den qnoj�'hrigen Geburtstag des Reformators auf der St�tte der Heiligen Geiftkapelle, in welcher 3chneidewein, der erste evangelische
Prediger der Stabt I�terboa, wirkte."
�
3 De wette, a. a. V., 111, HS. *35; C. w.Ilieiiner, Zeitschrift f�r historische Theologie (86�,
S. 602. 6^9; Abr. Scultctus, Annales evangetii passim per Europam XV. saeeuio renovati. Heidelberg 1,6 1 �22, ?. !?5; Vrandt, a, a. (D.,
5. 25; Verf., lieber die Nikolaikirche. Wittenberg \822, 5. 23; F�rstemann, a. a. (D., VI, 2, S. (8; ?}effter, a. a. �., 5. 57; u. 319;
Ettm�Uer, Annalen II,S. ;?6 u. a. Ueber die Herkunft 3chneidewein5 hat sich nichts ermitteln lassen. � * Kurf�rst Johann von Sachsen
war in zweiter Ehe (feit [5.November \$\3) mit Margarete, Tochter des F�rsten waldemar VI.von Anhalt, verm�hlt. Johanns Schwester,
Margarete, war (feit 27. Februar die Gemahlin des Herzogs Heinrich des Mittlern von Vraunschweig-l�neburg.
tjQlJtnioUein-Ja�rbutli 1909- 22
        
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