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Die Flucht der Kurfürstin Elisabeth von Brandenburg

Full text: Die Flucht der Kurfürstin Elisabeth von Brandenburg

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genommen habe. 3n Berlin mochte man erfahren haben, da� die Fl�chtigen jenseits des Wassers einen Zuwachs
gewonnen h�tten, und vermutete, allerdings leicht erkl�rlicher Weise, Christians IL pers�nliche Hilfeleistung. Da fest
steht, da� au�er G�tz der Ritter Achim von Bredow behilflich gewesen, die Fl�chtlinge aber im Schlo� nur �selbdritt"
waren, so wird eine Oerwechselung Vredows mit Christian stattgefunden haben.
Vie Ursache der Beteiligung Vrcdows ist nicht ersichtlich. Aus mehreren Aktenst�cken des ehemaligen Reichs-
kammcrgerichts 1 ergibt sich aber, da� er zu jener Zeit verschiedene Prozesse f�hrt?. Er nennt sich Erbsa� zu Rheinsberg
(2�Tn5pc"rsF) und Cremmen. jm Juni \528 erscheint er in Magdeburg, im 2N�rz in IVittenberg und beklagt
sich, da� er aus Furcht, dadurch in Angst des Leibes 511 kommen, bas Gericht in Berlin nicht pers�nlich angehen
k�nne; er fei von Iveib, Kindern und G�tern verjagt und pertrieben; auf sein vielfach Bitten habe er von dem
Aurf�rstcn 311 Brandenburg Sicherung und Geleit nicht erlangen k�nnen, schlie�lich wurde ihm, �so lange die
Appellation daure", vom Kaiser freies Geleit gew�hrt, �da� er, sein Weib und l�nb sich des allenthalben im heiligen
Reich, auch in des Aurf�rsicu banden und Gebieten gebrauchen und er bei seinem IDeib, Aindern und G�tern seiner
Notdurft und Gelegenheit nach frei, sicher wohnen, handeln und den Appellationssachen nachkommen m�ge. (Einer
der Prozesse ist gegen Joachim I. selbst und dessen Hauptmann von Vppen zu Huppin wegen Vesitzst�rungcn gerichtet.
Es handelt sich um die 2)omolier�ng der fetten des von Bredowschen Stammkt)n$ Falkenheide und Tietzow, den
Nebcrsall von Rheinsberg und Sonneberg usw. durch 21?att^cs von (Dppen. Die verklagten behaupteten aber, da�
Gewalttaten Brebott>s vorausgegangen w�ren. Der Gedanke liegt nicht fern, da� sich etwa aus diesem Landkrieg ein
Widerstreit Vredows gegen den Aurf�rsten entwickelte. Daneben war sicher die Zuwendung 23rebon>s zum Luthertum
mitwirkend. Heidemann 2 sagt, da� die m�rkischen Adelsfamilien ihre Rcchtsvcrbindlichkciten gegen die katholische "Kirche
f�r hinf�llig hielten, sobald sie der lutherischen sehre anh�ngig waren, und erw�hnt in Verbindung hiermit, da� sich
BreboiP im Jahre Cetle der dem Nonnenkloster zu Window geh�rigen G�ter angeeignet habe, deren R�ckgabe
der Aurf�rst verf�gte. Vie Akten des Reichskammcrgerichts betreffen auch den Proze� Bredows gegen das Alostet
wegen etlicher Scrm'tuten usw. �
Zur weiteren Flucht wurde ein Bauernwa'glcin benutzt. �Da der Teufel allerlei Rumoras und Impe�iinenta
in den U)eg geworfen und sonderlich das, da� ein Rad am wagen ist etwas schadhaftig worden, ist die fromme F�rstin
auf die Anie gefallen, hat Gott treulich angerufen und ihren Schleier vom Haupt samt dem Furtuche sch�rze) ums
Rad gebunden und in Gottes Namen fortgefahren, bis sie den andern IVagcn erreicht." ? Dieser IVagenwechsel wird
a� der s�chsischen Grenze oder, wie Joachim 4. behauptete, schon vorher in �es ErzbifchofZ Albrecht kand und
Gebiet stattgefunden haben.
Den !Veg, welchen die Fl�chtigen genommen, kennen wohl die Romanschriftsteller, nicht aber die Geschichtsschreiber.
Eine Hauptstra�e f�hrte aus der INark �ber J�terdog nach Torgau/ Dieser Vrt war das Reiseziel der Aurf�rstin.
Schweinitz und Tochau (jetzt Annaburg), welche als Reisestationen genannt sind, liegen auf der strecke J�terbog �Torgau.
Hier treten nun die bisher unbeachteten Nachrichten der J�terboger Chroniken und des dortigen Archivs ein.
Die Stadt J�tcrbog geh�rte seit der im Jahre erfolgten Eroberung durch den Erzbischof IVichmann in
weltlicher Beziehung zu dem Erzbistum Magdeburg, in geistlichen Dingen swie auch Wittenberg) zu dem Sprengel
des Bischofs von Brandenburg, war also auch nach eingetretener Reformation weltlich und geistlich im r�mischen Sinne
beherrscht. Dennoch hatte, schon durch die N�he Wittenbergs bedingt, die lutherische kehre zeitig Eingang gefunden.
Die Gestaltung einer Reformationsgemeinde stie� gleichwohl auf erhebliche Schwierigkeiten.
Schon sandte tuthcr auf Bitten der B�rger einen, wenn auch nicht ordentlich best�tigten, Pfarrer, den
Magister Paulus von Rhoda aus Quedlinburg, nach J�terbog. Er soll vornehmer lente Ainder informiert, zuweilen
1 Staatsarchiv Wetzlar: �leta Preu�en V, Nr. 359/2555, B. Xlv. 3^5*"1' r?' Nr. 9*�o/3557. Dieselben Akten, welche �ber
die materielle Seite der Rechts streit fachen luciiig ergeben, enthalten recht interessante Verhandlungen �ber das ins de non appdlamla. Zaachim
bestritt dem ReichskammerZericht wiederholt die Zust�ndigkeit.
�
� A.a. G., S. 1-15; Geheime^ Staatsarchiv, lief. 25. � a Riedel,
Cod. dipl. IV, 5. 92. � * L. Chr. Hcfftcr, Urkundliche Chronik der alten Kreisstadt I�terbock. Merbock ;85t, 5. 98.
        
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