Path:
Die Flucht der Kurfürstin Elisabeth von Brandenburg

Full text: Die Flucht der Kurfürstin Elisabeth von Brandenburg

167
Hafftiz erz�hlt, da� die Kurf�rftiii bas Fr�ulein von Altenburg, so bei ihr am Hofe gewesen, und ihre
Frauenzimmer und Offiziere freundlich gesegnet, da� man meinte, sie w�rde sich nun zur Ruhe legen. Statt dessen
ist sie, da die andern alle entschlafen, mit ihrem T�rknecht, der vom Adel, des Aurf�rsten tandsa� und Lehnsmann
und f�r den Dienst besonders vereinet war, und einer Jungfrauen, auch vom Adel, nachdem etliche Schl�sser an den
T�ren und G�ngen im Schlo� und der Pcftcn zu (T�ln a. d. Spree von dem T�rknecht, der sonst nichts damit zu tun
gehabt, ge�ffnet worden waren, in Vaucrnlracht durch die tvasserpforte weggegangen und zu Wasser hinter dem schlo�
�ber den �u�ersten Graben gefahren. Die Namen ihrer Begleiter hat sie nie wollen verraten, und eigent�mlicher
weise hat sie auch der Kurf�rft in erster Zeit mir in der vorstehend angegebenen Art bezeichnet.
Der Turknecht war der kandsasse und Lehnsmann Joachime, Achim von G�tz^ (Goetze, G�tz, G�tzen, G�tzen).
Vei den Verhandlungen Elisabeths mit ihren S�hnen wegen ihrer R�ckkehr verlangt sie besonders, G�tz solle auf
seinen G�tern in der NIark unangefochten sein. Dies ist ihm auch zugesichert worden.
Nach der sogenannten Hofoidmmg, auch Vrdnung des Frauenzimmers genannt, war dem Hofmeister die
Aussicht �ber die ganze Dienerschaft, die Ordnung des Hofdienstes, die regelm��ige Vegleitung der F�rstinnen und
die Gberaufsicht �ber die Vrdnung in den Frauenzimmern � f�rstlichen Wohn- und Versammlungsr�umen der den
weiblichen Hofstaat bildenden Hoffr�ulein
�
zugewiesen. ?
Die Vorschriften f�r den Hofmeister sink auch von dem T�rknecht zu beachten. Er soll die Vedienung,
Speisung und das Feuer �berwachen, zu Nachtzeiten das Frauenzimmer verschlossen halten. In der Verordnung des
Markgrafen Johanns von Brandenburgs, �wie es mit dem Hofmeister und T�rknecht im Frauenzimmer gehallen
werden solle," hei�t es sodann: �Der T�rknecht soll auch verm�ge seines geschworenen �Lides zuv�rderst unser und
danach unser Gemahl und jungen Herrschaft Vestes sowohl als der Hofmeister wissen, Schaden und Nachteil verh�ten,
vorkommen, vorwarnen und alles das tun, was einem Getreuen und Ehrlichen vom Adel und Lehnsmann seinem
Herrn zu tun schuldig."
Dem entspricht es, wenn Aurf�rst Joachim I. gegen den T�rknecht von G�tz klagt: Er sei seinem Aurf�rsten
mit zweierlei Eiden und Pflichten sonderlich verwandt gewesen, n�mlich mit tchnspflichtcn, zum andern mit dem Eide
66e1i^ti3 oder Diensttreue als T�rknecht. Insbesondere habe er sich in letzterem Eide verpflichtet, bei Sr. Aurf�rst-
lichen Gnaden Gemahl, auch den jungen Frauichen, Sr. Aurf�rstlichen Gnaden T�chtern, und dein ganzen Frauen-
zimmer sich ehrlich und treu zu halten, ein getreues und flei�ig Aufsehn zu haben, ob er etwas vermerke, das
Sr. Aurf�rstlichen Gnaden entgegen zu Schimpf oder Nachteil Sr. Aurf�rstlichen Gnaden Frauenzimmer gereichen
mocht, solches Sr. Aurf�rstlichen Gnaden zu vorhalten, besonders zu warnen und mit h�chsten! Flei� seines Verm�gens
zuvorkommen, wie er auch ohne das aus Erheischung seiner Tehnspsticht Schimpf, Schade und Gef�hrlichkeit seines
Herrn zu warnen und zu verh�ten nach Grdnung das Rechte schuldig.
Die Jungfrau, welche Elisabeth auf der Flucht begleitete, war Ursula von Zedwitz. Sie scheint auch inden weiteren
Jahren bei ihrer ungl�cklichen F�rstin treu ausgehalten zu haben. Diese bezeichnet sie noch als ihre Hofmeisterin.
Jenseits des Grabens, schreibt Joachim an Herzog Georg und Erzherzog Ferdinand, sei Elisabeth von dem
A�nig Christian II.und dessen Dienern angenommen worden. Diese Behauptung ist unrichtig und beweist nur, wie
selbst anscheinend unverd�chtige Nachrichten mit Vorsicht aufgenommen werden m�ssen. Spalatin bezeugt, da� Christian
in Begleitung des s�chsischen Marschalls von Dolzig seine Schwester erst an der s�chsischen Grenze in Empfang
1 In &er Literatur ist der T�rknecht h�ufig, aber irrt�mlich, Volzig genannt, wohl nicht, wie Riedel (Zeitschrift f�r prcu�.
Geschichte II, ?q) meint, weil der Name falsch gelesen ist, sondern infolge einer Verwechselung mit dem s�chsischen Marschall 0011 Dolzig,
welcher die Rurf�rstin an der s�chsischen Grenze empfing.
�
Die Familie von G�tze besa� in der Mark zuerst Irhlenoorf und I�lZdorf,
dann Griinthal, Cempelfelde, HermZdorf, Tegel, Rosenthal, Gr�ndel, Rraatz u. a. Siehe Frhr. l.von Zedlitz- Neukirch, Neues Preu�.
AdelZlexikon. leipZig (836, I, 5. 25;. Das hier (3. 25^) beschriebene lvappen der G�tze kann mit dem Iiegelabdruck in den Proze�akten
(K�nigl. Hausarchio) �bereinstimmen. � a Siet^c Z. Voigt, a. a. O., I,3. 102, 11, S. 244.
� 3 2l. 2?. K�nig, Versuch einer historischen
Schilderung der Residenzstadt 33erlin* Berlin \?y2, I, S. 302; A.Kern, Deutsche Hofordnungen des 16. u, 1?. Iahrhunderts. Berlin ?905,
l,S. soff.
� * Akten des A�nigl. r)aitsard?ips. {{5C, Fol. Uff-; de-gl. des Geh. Staatsarchivs, Rep. 92.
        
Top of page

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.