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Die Flucht der Kurfürstin Elisabeth von Brandenburg

Full text: Die Flucht der Kurfürstin Elisabeth von Brandenburg

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Gericht fand HU beiden feine Veranlassung. Die Kurf�rstin auf ein Schlo� zu setzen, ihr Essen und Trinken zu geben,
aber sie eingesperrt zu galten sei der Schriftgelehrten Rat und Beschlu� gewesen, schreibt hie Kurf�rstin selbst am
\5. Vktober au den Kurf�rsten non Saufen.
Auch die St�nde suchten zu vermitteln. W�hrend nach hem einen Sertit die Landschaft den Kurf�rsten
ersuchte, nicht �etwas T�tliches ober Unfreundliches" gegen seine Gemahlin vorzunehmen', schreibt letzterer an Herzog
Georg: .... �Es haben unsere Landschaft aus treuer schuldiger A?ohlmeinung unter sich beschlossen, unser Gemahl
des unchristlichen F�rnehmens halben 511 beschicken." Auch f�hrt Joachim als einen besonder� Beweis seiner Nachsicht
und R�cksicht auf Christian II. an, da� diesem gestattet gewesen sei, zu jeglicher Zeit mit seiner Schwester zu reden,
ins Feld zu reiten, 311 fahren und zu spazieren.
Als besonders erschreckend ist dargestellt und � nicht blo� inRomauen
�
ausgebeutet worden, da� Joachim
seine Gemahlin habe �einmauern" lassen wollen, oder da� sie sogar schon einige Cage versperrt gewesen.
Dieser Anklage stehen auf den ersten Vlick ziemlich erhebliche Zeugnisse zur Seite. Tuther 2 schreibt am
2^* �T�arj (528 an IVenzeslaus ?inF: �Marchionissa aefugit a Berlin ad nostrum prineipem, quod Marchio statuerat
eam inmurarc, ut dicitur." Spalatin sagt: �Der Aurf�rst soll sich untcrwunden haben, die Aurf�rstin an fremdem
End 511 hartem Gef�ngnis zu nehmen."
Aehnliches findet sich bei (*5arc�us. 3 311 den Akten des K�nigl. Hausarchivs 4 ist anscheinend von derselben
Hand, welche das St�ck geordnet und bezeichnet hat, unter Hinweis auf andere nicht mehr vorhandene Archivalien im
Jahre U>^2 bemerkt: es solle des Kurf�rsten Wille gewesen sein, die Kurf�rstin zu vermauern, das aber auf andere
Intervention unterblieben fei. So sage consiliarius Johann Gcorgius Reinart, wie es sein Dater aufgezeichnet und
vom ??ncburgcr Kanzler geh�rt, davon aber an vorgebauten Grten nichts zu finden. K�ster 5 zitiert eine Notiz des
m�rkischen Kanzlers Albinus (\5\3�^590); �Haec Elisabetha, quam ob usum utriusque speciei in eucharistia
maritus aeternis tenebris vineulisque mandare decreverat," Endlich ist bei dem 200 j�hrigen Andenken 6 des \55�
erfolgten Codes der Kurf�rstin bemerkt: es hei�e, ihr Gemahl habe fie wollen ins Gef�ngnis werfen oder nach Brabant
in ein Kloster schicken ober gar einmauern lassen.
Vas �Einmauern" klingt recht schreckhaft und drastisch und ist sehr verf�hrerisch f�r eine romanhafte Darstellung.
Aber, ernsthaft betrachtet, kann mcin Joachim nach seinem ganzen Verhalten und seinein Charakter auch nur eine Absicht,
die auf eine derartige, noch dazu unsinnige, Grausamkeit gerichtet gewesen w�re, nicht zutrauen. In dieser berechtigten
Empfindung hat man gelegentlich von der Drohung geredet, und ob sie erst nach der Flucht im ersten Zorne f�r den
Fall, da� Joachim seiner Gemahlin wieder habhaft werden sollte, ausgesprochen sei. Ein Veweis fehlt auch daf�r.
Da� sich infolge des Kampfes zwischen dem f�rstlichen Ehepaare und infolge der Flucht mancherlei Sage
bildete und da� in der Umgebung Elisabeths Neigung war, die Gefahr, der sie entfliehen mu�te, m�glichst gro� dar-
zustellen, ist ja leicht erkl�rlich; aber Luther selbst hat schon die Vorsicht, die Nachricht nur als ein Ger�cht zu bezeichnen.
Der Berliner Archivar kann keine bestimmte Vest�tigung finden. Der Kanzler Albinus redet doch nur von wnedri�
und vinculw, Hartes Gef�ngnis oder Kloster, sagte Spalatin, der den Vorg�ngen am s�chsischen Hofe nahestand.
Aehnlich �u�ern sich sp�tere Geschichtsschreiber. Vas geistliche Gericht hatte sich daf�r erkl�rt, Joachim folle, seine
Gemahlin in strenger Absperrung vor der �)clt halten.
Dies mag der Anhalt f�r die sagenhaften Nebcrtreibungcn gewesen sein, und die Verbannung nach Vrabant
kann wohl in Joachims Gedanken gekommen sein, da dort die strengkatholische Statthalterin Margarete das Regiment
f�hrte und auch die Kinder Christians II.dort untergebracht waren. Durfte man �berhaupt Luthers Ausdruck �inmur^re"
streng w�rtlich mit �einmauern" oder, wie es vielfach gedeutet ist und gedeutet werden mu�te, mit �lebendig begraben"
1 DroYfMi, a. a, 0., S. 202. � 2 ?O.M. ?. be wette, M. ?�tliers Briefe, Sendschreiben mil� bedenken. Berlin *826, III,9,
5. 296, � 3 Zach. C�arc?us, Successiones familiarum et res gestae ilhistr. praesid. Marchiae Brandenburg � in: Joh. Gottl. Krause, Scriptorcs
de rebus Marchiae Brandenb. maxime eclebr. Frankfurt 1729, S. 252. � * Rep. .29, liv.76, Fol. 25. � B G. G. K�ster, Accessioncs ad
Hibliothecam Histor. Branden)). Berlin (768, S. 286 f.
�
8 Acta histor. ecclesiastica. Weimar [756, 23?�. 30, 5. 2�g.
        
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