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Die Verwandschaft der Häuser Hohenzollern und Hessen

Full text: Die Verwandschaft der Häuser Hohenzollern und Hessen

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Mein Vestrcben hat sich ganz in einem Hauptsatze verwachsen, ganz weil, zu f�tu; es ist nicht wenig,
lachen Sic nicht dar�ber, es geh�rt viel dazu, auch viel Hohes, was ich noch lange nicht besitze. Eins habe
ich erlernt: ich mische mich nie in etwas, wag nicht in mein Departement geh�rt, und ich befinde mich recht gut
dabei; der K�nig hat mich schon oft seiner Frau als Beispiel vorgesetzt, wenn ich immer Wilhelm bestimmen lasse
in solchen F�llen. Aurz, ich bin zufrieden, und Gott wird mir gute Wege lehren und mich sanft geleiten auf
demselben durchs Leben.
Verzeihen Lie mir, lieber Vater, wenn ich Ihnen zu viel vorplauderte; ich bin an Ihre Nachsicht gew�hnt,
und wei�, da� ich Sie interessire. Heute verlangte cs mich so sehr darnach, Ihnen so Alles mitzuthcilen, was ich denke
in meiner neuen kage, und �e erlauben mir ja, dies zu thun?
keben Sie wohl, geliebter Vater! Gott gebe Ihnen eine ruhige Nacht! Gedenken �e zuweilen in kiebe
Ihrer
Gr�ndonnerstag. Marianne. "
Der ungl�ckliche Krieg von hatte auch f�r Marianne eine Reihe schmerzlichster Pr�fungen im Gefolge.
Auf der Flucht nach Preu�en genas sie am 3, November in Dan3tg einer Tochter (Irene), die ihr aber am November
wieder genommen ward. Zu diesen: Ungl�ck gesellte sich wenige Tage darauf ein neuer schwerer Schlag: auf der
Neberfahrt von Danzig nach f)illau starb am 23. November pl�tzlich die liebliche kleine Prinzessin Amalie', die Freude
ihrer jungen Ehe und der einzige Trost in ihrem damaligen Leid.
Gebrochen an teib und Seele, langte Marianne in K�nigsberg an, und es bedurfte geraumer Zeit, ehe sie
ihr inneres Gleichgewicht zur�ckgewann. Aber auch in A�mgsberg war ihres Vleibens nur kurze Zeit. Scholl
Anfang Januar mu�te sie mit der K�niglichen Familie den Wanderstab weitersetzen und nach Memel fl�chten. Erst
nach Verlauf eines Jahres kehrte sie mit dieser nach R�nigsberg und im Dezember nach Verlin zur�ck.
In A�nigsberg lebte Marianne in innigem Verkehr mit der R�mgin und der Prinzessin kuise Radziwill
und trat in n�here Veziehungen zu den gro�en M�nnern jener Zeit, besonders zu Stein und Scharnhorst. Von jenem
liegt eine Charakteristik der Prinzessin aus dem Jahre vor, die in ihrer inhaltsschweren K�rze von h�chstem
Interesse ist. �ViePrinzessin Wilhelm", schreibt Steins �verbindet nul Sch�nheit und w�rde einen kr�ftigen, gebildeten,
besonnenen Geist und ein edles, gro�es, tiefes Gem�th. Ihre Gestalt ist der Abdruck ihrer Seele, Reinheit, Ebenma�,
w�rde. Sie ist geboren zu einem Thron, aber sie wird auch jede Tage des Lebens versch�nern und veredeln, und
w�re sie die niedrigste. Ihre Erziehung erhielt sie von einem vortrefflichen Vater, der ihr kehrer und Freund war
und fr�hzeitig die Aeime des Gro�en und Guten in ihr entwickelte. Fr�hzeitig wurde sie mit keiden und Entbehrungen
mancher Art bekannt; als Rind vertrieb sie die Invasion der Franzosen aus dem v�terlichen Wohnsitz; nur wenige
Jahre verm�hlt, begleitete sie die K�nigliche Familie in den ungl�cklichen Jahren (906, Hier verlor sie
ihre zwei Kinder, und ihren Gemahl entfernte der Feldzug und die Sendung an Napoleon.
Sie liebt die Geschichte und erlernt sie aus den �bersetzungen der Alten, die sie mit gro�er Aufmerksamkeit
liest und durch Ausz�ge in ihr Ged�chtni� einpr�gt. Ihr Nrtheil �ber Menschen ist bei solchem Gem�th und bei
solchen Vesch�ftigungen strenge, frei vom vorurtheile; sie ist unerbittlich gegen das Flache und Gemeine und w�re es
auch mit dem Gl�nze des Thrones umgeben.
Eine Folge ihrer Vesonnenheit und der w�rde, mit der sie jedem seine Stelle anweist, ist die Verschwiegenheit,
die sie in einem hohen Grade besitzt. Sie hat einen unwiderstehlichen hang zur Einsamkeit, zu einem inneren, in
sich gesammelten keben, das ihre �u�eren Verh�ltnisse, mehr als gut ist bef�rdern. Ihre Tiebe zur Kunst ist verbunden
mit einem ausgezeichneten Talent im Zeichnen, das sich durch sich selbst, weniger durch Unterricht, entwickelt hat."
1 Geb. h. Juli (805 in Berlin. � 3 vgl. F.Arndt, Die deutschen Frauen in den Befreiungskriege,,. Halle 1867, 3. er. So
auch beiI.Fr�hauf, Marianne, Prinzessin Wilhelm pou Preu�en. (IPeftcrmanns Monatshefte is?5, I�Tat.) � 'Aelnilich urteiltClaiifcroit^
in einem Briefe ans K�nigsberg (<*.Dezember an seine Braut, Gr�fin Marie BriifjL Sicfje Karl 0. Clausewitz. Verlin1878, I,5.325.
(JotjtnjoUfm
    
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