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Die Verwandschaft der Häuser Hohenzollern und Hessen

Full text: Die Verwandschaft der Häuser Hohenzollern und Hessen

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Sie liehen daher der Bewerbung des Prinzen Wilhelm ein williges Vhr. Die Verlobung wurde am 2\. August 1,805
�ffentlich bekannt gemacht.
Die Verm�hlung war f�r die erste H�lfte des Januars I.80H in Aussicht genommen. Am 2?. Dezember
nahm die Prinzessin unter hei�en Tranen Abschied von dem �teuren, vielgeliebten Homburg", von ihrem reichen
Jugendleden, und machte sich in Vegleitung ihrer Nlutter auf den weg nach dein feinen �Schauplatz" ihrer Bestimmung.
Vie Reise ging �ber Weimar, wo die �liebensw�rdige, sch�ne" Marianne die Bekanntschaft von Schillers
Gattin machte, �ber Rudolstadt uud Dessau, wo die Verwandtschaft begr��t wurde.
Am y.Januar trafen die Reisenden in Potsdam ein, aufs herzlichste empfangen von der ganzen A�nig-
lichen Familie, besonders von dem sehns�chtig harrenden Br�utigam. Vie Ereignisse des Cages mit ihren wechsele
vollen Bildern trug die Prinzessin mit bewegten Worten in ihr Tagebuch ein. �3o kam ich", schrieb sie, �in
Potsdam an, wo mir zum erstenmal ineine Bestimmung vor die 3eele kam. Die Feier des Einzugs, es war Abend
und dunkel, das Gel�ute der Glocken, die Aanonen, das erste Vivat des Volkes, das mir galt, die Reden, die an
mich gerichtet wurden und die ich in der Stimmung, worin ich war, ohne Verlegenheit beantwortete � endlich wie
ich sah, da� ich demjenigen, dem ich angeh�ren w�rde, mein �briges Ceben hindurch, immer n�her und n�her kam, �
da schlug mir das Herz hoch auf. Es war ein Gef�hl, das mir eine richtige Ahnung geworden ist. � 3o fand ich
mich in seinen Armen, ohne im Taumel bemerkt zu haben, da� der wagen anhielt. Es war ein r�hrender Moment
und ich war tief ersch�ttert! � Jetzt f�hrte er mich schnell durch eine Menge Menschen hindurch. Der A�nig, der
mir entgegengekommen war, umarmte mich, schien erfreut und begegnete mir sehr freundlich."
Am 1,0. Januar folgte der gl�nzende Einzug Mariannes in Berlin, der sich zu einem �Volksfest im eigent-
lichsten Zinne des Wortes" gestaltetes Hieran schloffen sich in der Mittagsstunde des die Nnterzeichnung
der Ehepakten durch die Verlobten und gegen Abend ihre feierliche Trauung im �Wei�en Saale" des K�niglichen
Schlosses. Ein neuer Lebensabschnitt war damit f�r die jugendliche Prinzessin angebrochen.
Ihreni Gemahl'^ war, wie seinem Bruder, dem A�mge, ein menschenscheues, sch�chternes Wesen eigen. Auch
Marianne zeigte sich anfangs steif und zur�ckhaltend. Aber je heimischer sie wurde in der fremdartigen Umgebung
und in dem damals so n�chternen Berlin, desto mehr schwanden Zur�ckhaltung, Gezwungenheit und Steifheit. Bald
schlo� sie mit ihrer Schw�gerin, der A�nigin Tuise, innige Freundschaft und erwarb sich die Tiebe und Verehrung der
A�niglichen Familie. Ein treffliches Stimmungsbild ihres Innern und ihrer ganzen 3age in jener Zeit enth�lt ein Brief,
den sie am 28. M�rz an den �besten, vortrefflichsten Vater" � mit ihn: und der Mutter blieb sie in ununter-
brochenem Verkehr � richtete, wir lesen hier: �wie die Zeit vergeht und wie sie sich �ndert! Heute waren es schon drei
Monate, da� ich fern von Homburg erwachte, und was gestern vor drei Monden war, werde ich auch nie vergessen lernen.
Eine Drehorgel l��t sich eben auf der Stra�e h�ren; es scheint, da� sie nur verlorene Zeiten vorl�gen will.
G mein Vater, bester vortrefflichster Vater, wann werde ich Sie wiedersehen? Mich verlangt unendlich darnach; sehnlichst
w�nsche ich mich wieder einmal m mein geliebtes g�ttliches Jugcndland � doch: was Gott thut, das ist wohlgethan!
Ich bin davon ganz �berzeugt, und mir geht's auch wirklichrecht gut; freilich ging mir's ehemals auch gut.
Soweit habe ich's nie gebracht, ganz allein zu sein; denken Sie einmal: Marianne allein, ganz allein in
Berlin. � Gestern Nacht nahm ich Abschied von Toms; Mimi von Oramen und er (Wilhelm war nicht Zu Hause)
und ich blieben noch zusammen bis zw�lf, dann ging jene und ich blieb noch eine Stunde mit ihm. Diesen Nach,
mittag hat auch mein Mann mich verlassen; er folgte dem A�nige nach Potsdam; ich gehe den Dienstag erst dorthin-,
morgen gehe ich zur Beichte, es sind dann gerade drei Jahre, da� ich confirmirt ward, und den Charfreitag gehe ich
mit der jungen A�mZm zum Abendmahl.
1Eine ausf�hrliche Beschreibung Etes i?m^�dics findet sich in der Donncrsta�)-Z�iiinmer der vossischen Zeitung vom Januar (�o^. ��
A.P. N., qZ. Vd., S. Ulff- � s Prinzessin wilhelmine, Tochter de? K�nigs Friedrich Wilhelm II,, geb. (8. November {77$ inPotsdam,
gest. �hober ,82? in t?aag; verm. (f.Oktober ;7<5; inBerlin) mit dem Erbprinzen Wilhelm Friedrich von Oranien, feit ,^5 Wilhelm I.,
K�nig der Niederlande, geb. 2-$. August 1772, gest. 52. Dezember (8^3-
        
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