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Die Verwandschaft der Häuser Hohenzollern und Hessen

Full text: Die Verwandschaft der Häuser Hohenzollern und Hessen

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Aaum war die Nachricht hiervon in Ansbach eingetroffen, als Dorothea Charlotte in seliger Freude mit der
Aufl�sung ihres Haushaltes begann, dessen Inoentarst�cke sie zum Teil an ihre Umgebung verschenkte
�
zum nicht
geringen Schrecken der vormundschaftlichen Regierung, die in solchem Veginnen einen Akt strafw�rdiger Verschwendung
erblickte und spater die Mehrzahl der Beschenkten zur Verantwortung zog.
Am 6. Mai 68? verlie� die Braut das v�terliche schlo�, die St�tte, an der sie soviel teid erfahren, und
begab sich zu ihrer Schwester ' nach Stuttgart, um m deren N�he den Cag der Hochzeit zu erwarten, deren Feier auf
den festgesetzt wurde.
Am 9. Dezember hielt Dorothea Charlotte ihren Einzug in Darmstadt, von der Familie ihres Verlobten mit
herzlicher Freude empfangen und von der Bev�lkerung mit begr��t. Am folgenden Tage ging die �Copulations-
Festivit�t" mit ungew�hnlichem Gl�nze vor sich. Zur Bestreitung der Aosten hatte die Ansbachische Regierung die
Summe von H000 Talern aus dem der Atarkgr�fm zustehenden verm�gen beigesteuert.
Die nunmehrige 3andgr�fm erfreute sich achtzehn Jahre ihres Gl�ckes. In dieser Zeit begann die alte
Einfachheit und Wirtschaftlichkeit, die bis dahin ein Vorzug des landgr�flichen Hauses gewesen waren, zuni Schaden
des Tandes franz�sischen Sitten und Gebr�uchen und pomphaftem Gl�nze zu weichen. Der Hof des Sonnenk�nigs
ward auch f�r das hessische Haus das vielbewunderte Vorbild.
Dem Beispiel der Eltern folgte kandgraf Ludwig VIll., w�hrend dessen Sohn LudwigIX.es sich angelegen sein
lie�, wieder gut zu machen, was seine n�chsten vorfahren verschuldet, und die gedr�ckten Finanzen in Ordnung zu bringen.
Landgraf kudwig IX.� trat 1,7^2 in franz�sische, 5?H3 in preu�ische Dienste, obwohl sein Haus � im Gegensatz
zu den hessischen verwandten in Cassel � bisher treu zu Aaiser und Reich gehalten hatte, wurde Gberst des
Regiments Selchow in Orenzlau, gab aber nachdem er inzwischen zum Generalleutnant ernannt worden, aus
politischen Gr�nden den Dienst auf und kehrte in die Heimat zur�ck, um in dein Soldatenlager f>irmasens, �dem
s�ddeutschen Potsdam", seinen milit�rischen Liebhabereien zu leben.
Seine Gemahlin Aaroline^, die �Gro�e kandgrasin", wie sie Goethe und Herder nennen, verehrte in
A�nig Friedrich II. den gro�en Denker und Regenten und pflog mit ihm einen lebhaften Briefwechsel.
In den Jahren ihres Aufenthaltes in Arenzlau hatten dort mehrere ihrer Ainder, so die Prinzessin Friederike,
das Acht der Ivelt erblickt. Diese, sein Patenkind, hatte der A�nig^ !^?69 zur Gemahlin seines Neffen und Regierung^
Nachfolgers ausersehen.
Ueber die Pers�nlichkeit der Auserw�hlten war er ziemlich genau unterrichtet. Im TN�rz 5?69 hatte er den
Grafen Schulenburg auf die Brautschau an die th�ringischen und s�ddeutschen H�fe gesandt. In Darmstadt hatte
dieser des Landgrafen T�chter kennen gelernt, lieber sie sandte er einen Bericht ein, in dem es unter anderem hei�t: �wenn
die Beschreibung, welche ich davon gemacht habe, nichts Brillantes an sich tr�gt, so hat sie wenigstens die Wahrheit
f�r sich. Die Prinzessinnen sind weder h�bsch, noch sch�n; aber sie ermangeln nicht der Annehmlichkeiten , und haben
ein ausgezeichnetes herz. Die Prinzessin Friederike scheint in der Familie es allein zu sein, �ber welche Se. Majest�t
und der Kronprinz Reflexionen anstellen k�nnen. Sie ist es, welche nicht h�bsch ist, und deren Herzens-Eigenschaften
anstatt alles Andern zur Geltung kommen. Sie erfreut sich einer robusten und vollkommenen Gesundheit. Sie hat viel
Lebhaftigkeit, welche man manchmal f�r Unbesonnenheit auslegen kann. Aber da sie Geist hat, so kann man hoffe�:,
1 (Eleonore Juliane, geb. 23. Oktober (663 311 AnZbach, verm�hlt am *o.November (682 su Ansbach mit dem Herzog Friedrich
Karl von W�rttemberg (gest. 30. Dezember l�98). Eleonore Juliane starb 311 Ansbach am 4. M�rz (721; und fand ihre Ruhest�tte in der
Stiftskirche 311 Stuttgart.
� * A. V.V., Si.19, 5. 55nf. � s Ein liebe- und verst�ndnisvolles, aber keineswegs ersch�pfendes Bild ihres
Wesens und Wirkens entwirft PH. Voov (Die gro�e tandgr�fin. Bild ein� deutschen F�rstin de? ;s. Iahrh.) in Raumers Historischem
Taschenbuche <852, S. 533 ff. verdienstvoll ist auch die kleine Schrift von PH. A.F. Walther, Vie gro�e landgr�fin. Varmstadt (873.
Vgl. dazu den von Walther herausgegebenen Briefwechsel der gro�en tandgr�fin Karoline von Hessen. 2 Vde. Wien 1,878.
� * Schon
am 29. Februar (769 konnte die Prinzessin Amalie, Schwester Friedrichs des Gro�en, ihrer Freundin inDarmstadt die frohe Runde zugehen
lassen � unter dem Siegel des tiefsten Geheimnisses
� da�, wenn ihr Neffe zu einer neuen Heirat sich entschlie�en w�rde, �es wohl auf
eine ihrer T�chter m�chte abgesehen fein",
� " ?. V.IN.Kirchner, Die Rurfnrstinnen und K�niginnen auf dem Throne der Hohenzollern.
Verlw \87O, III, 5. 258ff.
*)of)tn]Q�ttn�3oljrbuil;(909. ig
        
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