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Die Politik der Kurfürsten Friedrich II. und Albrecht von Brandenburg

Full text: Die Politik der Kurfürsten Friedrich II. und Albrecht von Brandenburg

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Streif mit N�rnberg nicht vor einem reinen F�rstengericht, sondern unter Hinzuziehung von Personen geringeren
Standes entschieden werden feil; wie er wegen einer ihm �rgerlichen Aeu�erung den Karbinallegaten Nicolaus von Cufa
aufs heftigste anf�hrt uno 61� Visch�fe von Gichst�dt und Sicna, das hei�t den ptccolomini selber, als sie ihn zu
beschwichtigen versuchen, nicht glimpflicher behandelt; wie er sich endlich gegen die Vertreter entgegengesetzter Ansichten
kaum der Handgreiflichkeit enth�lt und sich in seiner Hitze bas Wort entfahren l��t, er k�mmere sich nicht im geringsten
weder um den Kai[er noch um den papft. Ein andermal, eben in jenen Dezembertagen zu Wiener-Neustadt, hat der
Kaiser den Markgrafen und andere d�rften zu einer Vesprechung versammelt; als er einen feiner gelehrten R�te,
den Magister Ulrich Riedcrer, zu einer frage hereinrufen l��t, packt der Markgraf den Magister beim Aragen
und schiebt ihn zur T�r hinaus mit den Worten: Bist Du auch ein F�rst, da� Du Dich unter die F�rsten mischest?
Der langm�tige Aaiser, der den Ungl�cklichen gerufen hat, l��t das nach piecotomints Zeugnis schweigend geschehen.
Offenbar wu�te Albrecht, wieviel er feinem Aaiserlichcn Freunde bieten konnte. Und vielleicht stellte er gelegentlich
feine Heftigkeit, wie Napoleon oder SismarcP, geradezu als diplomatisches Aktionsmittel in seine politische Rechnung
ein. Jedenfalls hat er dort in Wiener Neustadt mit seinem Ungest�m so viel Eindruck gemacht, da� wenigstens die
kaienf�rsteu sich zu ihm hin�berziehen lie�en. Diese Gewaltsamkeit seines Wesens gab sich auch in der Drohung
Ausdruck, mit der er w�hrend jenes Krieges gegen W�rzburg die Stadt Vchsenfurt davon abzuschrecken suchte, die
gefangenen Markgr�flichen dem W�rzburger Kapitel auszuliefern: er erkl�rte, wenn dies gesch�he, jedem B�rger der
Stabt, dessen er habhaft werde, H�nde und F��e abhauen zu lassend Dazu ist es nicht gekommen; aber als die N�rn-
berger, Hohn mit Hohn erwidernd, auf seine Htrohkranzsendung ihm ihre Absage in einem siebenfarbigen Seiben kr�nz lein
ins Lager schickten, wurde bort der ileberbringer gegen alle ritterliche Sitte gemi�handelt. Die Nachrede verfolgte
Albrecht, er habe gesagt, da� der �3ranb den Krieg ziere, wie das Magnificat die Vesper 3r und in der Cat h�ren wir
ihn in einem Brief an seine ausbactjifcfjen R�te die Losung ausgeben: den Feind �nicht zu schonen mit Vrand und
Pl�nderung weder Pfaffen noch ?aicn" ; �denn sollten die Uisch�fe uns unsere Steuern abgebrannt haben, die ihrigen
aber stehen bleiben, w�re uns eine ewige Schande." Das aber war im Augenblick der �u�ersten Vedr�ngnis,
unmittelbar nach der Niederlage von (?>iengen, und beweist noch nicht, da� Albrecht sich vor anderen F�rsten durch
Zerst�rungssucht ausgezeichnet habe.
Es kam wohl vor, da� der Markgraf, wenn er die Empfindung hatte, in m�ndlicher Verhandlung durch
seine Lebhaftigkeit zu weit fortgerissen zu sein, nachtr�glich vorschlagen lie�, es m�ge der Inhalt der Verhandlung
niedergeschrieben werden, damit in den beiderseitigen Aeu�erungen nichts mi�verstanden werdet Er war Diplomat
genug, einzulenken wo es unvermeidlich wurde oder auch nur zweckm��ig schien, den Groll zur�ckzudr�ngen, das
Geschehene geschehen sein zu lassen, kr beherrschte trefflich �den Gebrauch der Welt, der sich so glatt selbst zwischen
Feinde legt". Dann kostete es ihm keine M�he, sich verbindlich, gewinnend, bestrickend zu zeigen. Als er mit dem
verha�te� Vaycrnherzog nach langem verderblichen Streit auf dem N�rnberger Reichstag von zusammentrifft, zu
einer Zeit, wo beide gleicherma�en sich von dem b�hmischen A�nige nichts Gutes versehen, wei� er sich in die tage
des Augenblicks gl�nzend hineinzufinden: �Wir haben zu N�rnberg mit ihm gehandelt, geredt, Jessen und gedrunken
und mit einander in dm Garten, auch zu Wirthschaften und an D�nzen, fr�hlich gewest."^ Er wei� sich �berall in
die Zeit zu schicken, er ist Opportunist. �Wer wider den Strudel wallen will", sagt er sich kl�glich, �kommt ihm
schwer an." kontra oporwt non c5t r^-m^Inim lautet einer der lateinischen Gemeinpl�tze, die er gern imMunde f�hrte
1 Zeitschrift f�r Preu�ische Geschichte 8, ?;.
�
� Kluckholm, S. 2!,a.
� � So schickte er nach der oben 5. *0<* erw�hnten Er�rterung
mit den N�rnberger Abgeordneten seine R�te Hans von Zeckcndorff und Martin �on Eyb, die zugegen gewesen �pareil, jenen mit solchem
vorschlage in die Herberge nach; die St�dter lehnten bas Ansinnen ab, da sie keine schriftliche Weisung von ihrem Rat� empfangen, auch
alle Aeu�enmgen gen�gend im Ged�chtnis I^�ttm, um den Ihrigen dar�ber Bericht 311 erstatten. Zeitschrift f�r preu�ische Geschichte v, 537. �* H�fler, Das Kaiserliche Vuch, S. \h7, � " Publikationen 67, 587, Heber Albrechts Kenntnis des lateinischen vgl. 3chuster und Wagner,
5. \\5. An den Kaiser schreibt Albrecht am �c.. November H?^! r,3r wi�t wol, da� ich nicht ein guter katemist bin." Er schreibt
z.V. stets statt prineipiis obsta: prineipibus. Publikationen 59, *:o. Ebenda ?;, 5Hbff. eine Zusammenstellung seiner lateinischen und
deutschen sprichw�rtlichen Redensarten.
        
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