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Die Politik der Kurfürsten Friedrich II. und Albrecht von Brandenburg

Full text: Die Politik der Kurfürsten Friedrich II. und Albrecht von Brandenburg

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pommern; a?s es zwischen pomment und Brandenburg zum Bruch kam, lie� der K�nig von polen den
ponimerschen Herzogen seine Mi�billigung dar�ber aussprechen, da� sie ohne sein Wissen und seinen Rat diesen
Krieg begonnen h�tten.'
Wenn das erstarkte, siegestrunkene Slawentum sich solchen Tr�umereien hingab, so Halle Aurf�rst Friedrich
wohl Anla�, seinen brandcnburgischcn Anspruch auf Pommern nicht minder als die Rettung der Neumark unter
den nationalen Gesichtspunkt zu r�cken. Um so mehr, als auch in Pommern es an slawischen velleit�ten nicht ganz
fehlte. Aus den Jahren 5590 und liegen Urkunden pommerscher Herzoge vor, in denen sie sich der polnischen
Oberhoheit unterwarfen. Das alte B�ndnis mit Polen erneuerten sie mit ausdr�cklicher Berufung auf die
Gleichheit ihres Fleisches und die Verwandtschaft ihres Blutes; ein pommerscher Prinz wurde am polnischen Hofe zugleich
mit den jungen piasten erzogen, und im Ariege gegen den Deutschen Grdcn standen die Pommern auf polnischer Seite
und erhielten ihren Anteil an der Beute. Den Entscheidungen des deutschen Aaisers haben die Herzoge den Trumpf
entgegengestellt, das Herzogtum zu Stettin und Pommern sei kein Bistum und auch keine Propstei, die Papst oder
Aaiscr verschenken d�rften; das kand habe ihren Voreltern geh�rt seit den heidnischen Zeiten. Gar wilde und seltsame
keut, ein trunkesvolles Volk, nannte 2Narkgraf Albrecht diese pommerschen Herzoge.^
Jahrelang hatte der Grcnzkrieg zwischen Brandenburg und Pommern sich hingezogen. Auch dieser Arieg
war ein Aamvf f�r die Wiederherstellung des Gebiets, denn Friedrich I. hatte noch eine Anzahl fester Pl�tze in der
Uckermark in pommerschen H�nden lassen m�ssen. Es gelang seinein Nachfolger, die landeinw�rts gelegenen Schl�sser,
wie Stolpe, Greiffcnberg, Zichow (im heutigen Arcise Angerm�nde) den Pommern zu entrei�en; sie behaupteten an
der unteren Ncker Pasewalk, uni das Str�me von Blut geflossen sind, und Torgelow, d. h. die Pl�tze, mit denen sie
den Brandenburgern den Zugang zum Haff sperrten.
Vas aber war reichlich wettgemacht, wenn es gelang, auf einen gro�en U)urf die Grundlage zu gewinnen,
auf der die Mark als Seestaat dagestanden hatte. Bei dem kinderlosen Tode des Herzogs Vtto von Pommern-
Stettin im Jahre boten ein Erbvertrag und der seil den Tagen der Askanier festgehaltene Anspruch auf die
kehnshoheit �ber Pommern eine doppelte Handhabe zur Wiederaufnahme der alten baltischen Politik Brandenburgs,
wohin die Gedanken der askanischcn Amrkgrafen schweiften, davon legen die Verhandlungen Zeugnis ab, die sie
seit der Mitte des dreizehnten Jahrhunderts wegen der Erwerbung von A�stenpl�tzen an der Vstsee gef�hrt haben.
?a erscheinen Rendsburg und L�beck, Parchim und ll?arnem�nde, Stolp, R�genwalde, Schlawc und Danzig, ja selbst
die Insel Gothland als die Statten, an denen man festen Fu� zu fassen strebte." Auch Friedrich II.hielt den Blick
scharf auf die Ostsee gerichtet. Haben die Askanier zehn Jahre hindurch Rendsburg im Pfandbesitz gehabt, so hat
Friedrich II. drei Jahre vor Eintritt des Stettiner Grbanfalls dem Kaiser vorgestellt, da� A�nig Christian von D�ne-
mark sich des erledigten Landes zu Holstein unterwunden habe, ohne sich zu kehen vom Reiche zu bekennen: wenn
der Aaiser diese Grafschaft ihm, dem Markgrafen von Brandenburg, zu leihen geruhe, so wolle er �versuchen und
Flei� haben, ob er das einbringen m�ge".^ Jetzt, nach des Pommernherzogs Tode, in Begriff, seine Anspr�che auf
das Herzogtum Stettin durchzusetzen, schrieb Friedrich voll freudiger Zuversicht: �Vestehn wir in diesen Sachen, so
geht Brandenburg �ber alle diesem Niedcrland." An diesem Gedanken der Begr�ndung einer maritimen Dorortstellung
f�r Brandenburg hat er bis an seinen Tod festgehalten. �Es w�rde uns in jener Welt leid," schreibt er noch
�da� alle unsere Arbeit und die Gbrigkeit �ber diese tande und schier den ganzen Seestrand, dar wir es
hingebracht haben, mit uns sollte zu Grabe Zehn.""
Und f�r diese seine gro�e Aufgabe, f�r die gro�e Sache Brandenburgs, nahm Friedrich nun also noch eine
allgemeinere Bedeutung in Anspruch, eine nationale Bedeutung f�r das Deutsche Reich. Er beschw�rt den Aaiser',
ihn in seinem Streit mit den Pommernherzogen nicht in� Stiche zu lassen: �Ich hoff zu Euern Gnaden, Euer Gnade
1 vgl. Rachfahl, 5. ;u2. 2,8. 2N.
�
a Rachfahl, S. 58. \\7. 18(; Droyfeu, 5. 228. � 3 Publikationen 59, 302. �Vas funsst
rRercfiff^ Suedf", her. r.Vurkhardt, S, II�. � * Vgl.Chr. Reuter, Die Askanier und die Ostsee; Hansische Gefchichtsblatter Ich, 29 (ff. �
6 H�fler, Das Kaiserliche Sud?, S. 83. � " Riedel, c. ;, 525, � 7 5.3��i Raumer [,295,
        
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