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Die Politik der Kurfürsten Friedrich II. und Albrecht von Brandenburg

Full text: Die Politik der Kurfürsten Friedrich II. und Albrecht von Brandenburg

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Es sind dieselben Herrschereigcnschafteu, die Um in seiner inneren Politik zu (Erfolgen, zum Siege �ber
trotzige Widersacher gef�hrt haben.
Die Aufgabe, die sein Vater in der Mark ungel�st gelaffen hatte (denn seine Verpflichtungen in der fr�nkischen
Heimat hatten Friedrich I.fast ununterbrochen von der Mark ferngehalten) war UAederbeibringung der seit den Askaniern
erlittenen Verluste und dar�ber hinaus Wiederaufnahme der von den Askaniern einst erhobenen und noch nicht durch-
gesetzten Anspr�che.' Friedrich II.hat sich mit vollen, Bewu�tsein in den Dienst dieser Aufgabe gestellt^ und indem
er sie zwar nicht ganz, aber durch IViedergewmn der Avulsa Marchiae zu einem guten Teile gel�st hat, ist er der
Restitutor Marchiae geworden, wie man einen der alten r�mischen "Kaifer den Restitutor Imperii genannt hat. Als
Mehrcr der Mark, als �Augustus" hat ihn ein zeitgen�ssischer Chronist gefeiert. 3 Erst er ist auf brandenburgischer
Scholle bodenst�ndig geworden. Hat er gleich dag sch�ne Frankenland immer lieb behalten, so hat er sich doch als
M�'rker gef�hlt und dem Vruder Albrecht gegen�ber sich als Niederdeutschen, als �groben Hachsen" bezeichnet."^
Grundlage f�r seine Revwdikationsvolitik wurde das Kaiserliche Mandat vom September dag
Friedrich II. vom N�rnberger Reichstage mitbrachte und das da befahl, da� alles, was von dem Aurf�rstentum
unbillig entwandt, entfremdet oder unrechllich entw�ltigt ist, es sei an Schl�ssern, St�dten, kanden, Leuten, wieder
nach Geb�hr dahin gebracht werden solltet 3o blieb allzeit sein Grundsatz: �Ein jedermann kriege, dazu er durch
Gott, Ehre und Recht Recht hat, und bleibe ein jedermann bei Ehren und schehe niemanden ein Unrecht." Vder wie
er in einen, R�ckblick auf seine Regierung mit kr�ftigem Selbstgef�hl sagt': �wir sind all unser Lebtag nach
Hader oder Arieg nicht destan gewest und begchru noch heutigen Tages nicht anders, denn nur Ehre und Rechtens";
kein frommer F�rst noch frommer Mann habe ihn mit Wahrheit des Gegenteils geziehen. Mit um so reinerem
Gewissen glaubt er im letzten Notfalle zum Schwert greifen zu d�rfen: �wiewohl uns Blutvergie�en und Der"
derben armer Leute leid ist, so m�ssen wir doch besehen, wie wir ihm tun, da� wir bei dem unfern bleiben und das
verteidigen, als wir best m�gen." Recht geht ihm vor Frieden, und Ehre und Nachruhm vor Ruhe und Reichtum:
wir h�tten Ruhe genug, wenn wir den Stettinischen Herren etwas nachgeben wollten, und Reichtum genug, falls
uns Geld lieb w�re, sobald wir etwas von diesen banden entbehren und wieder abbringen wollten, was wir dazu
gebracht haben. Aber ihn bestimmen die kiebe zu dein Seinen �und ein l�blich Nachger�cht, da� man mag sprechen,
da� wir das kand und Herrschaft so aufgehoben und gemehrct han mit Gott und Ehren; das ist in unserm Herzen
beschlossen und will in uns nicht zulassen, da� wir andern Reichtum denn Ehre, Macht, kand und leute suchen"."
Die Verlustliste des kanddestandes der Mark seit dem Anfang deg vierzehnten Jahrhunderts war gro�. Die
am weitesten vorgeschobenen Kosten des brandenburgischen Besitzes hatte der letzte Askanier, Markgraf Waldemar,
noch selber wieder aufgegeben: die von ihm aus der Hinterlassenschaft der pommerellischett Herzoge eroberten Ol�tze
an der Weichsel, Danzig, Dirschau und Schwetz, die er au den Deutschen Grden verkaufte, was er sonst in siommerellen
und f)olen erobert hatte, Schlawe, kauenburg, V�tow, R�genwalde, Stolpe und das tand zwischen den Fl�ssen Drage,
A�ssow und Netze hatten nach Waidemars l^ode teils der K�nig von Polen, teils der Herzog von Pommern wolgast
an sich gebracht: diese Gebiete wurden jetzt nicht mehr als alter brandenburgischer Besitz in Anspruch genonunen.
Ebensowenig die schleichen Erwerbungen Waldemars, Sagan, Zlillichau, Schwiebus, Meseritz, und der von ihn,
eroberte oder in pfandbesitz genommene Teil der Markgrafschaft Mei�en mit Torgau, Gro�enhain, Dresden, Gnmnia,
1Friedrich I.hat a?s Landeshauptmann zwei Jahre in der Mark geweilt, als Kurf�rst im ganzen wenig mehr als drei Jahre.
Seit hat er die Mark nicht mehr besucht. � a Den pommerschen Herzogen erkl�rte er, zugleich im Namen &es j�ngeren Markgrafen
Friedrich: da� fie dein heiligen R�mischen Reiche, sich selber, ihren (Erben und Nachkommen pfiichtig feien, it?res F�rstentums Herrlichkeit,
Rechtigkeit, Freiheit, Privilegien, Eigentum, Gaben, Renten, Zinsen und Paarungen zu schirmen und ob davon etwas entfremdet, bas
wieder zuzubringen. Angef�hrt in der Verteidigungsschrift der Herzoge vom (9. Februar \w? bei Riedel, B, -t, 368,
--
8 Ver Fortfetzer des
Engelhusius. vgl.M�rkische Forschungen 6, 200. - *In einem undatierten Vriefe von 5H65 bei G�thgens, 5. 85* � 6 Riedel, B, 4, 255. �
0 Aus dem Schreiben vom 56. Dezember bei Riedel, Codex C. j, Hyz. � 7 Raumer 5, 266. Die f�r Friedrich II.so bezeichnenden
plattdeutschen Worte sind f�r das auf ihn bez�gliche Relief am Eosande�f>oital des K�niglichen Schlosses durch Kaiser H>ilb,elm II.als
Motto gew�hlt worden: �Iss wol einen jedermann wit�k dat wy sint all unns� lev� dage na hader edder krige n/ bestan gewesst und begern
noch hutigen dages nicht anders, dann inen ere und rechts." s An Albrecht, Mal \%65� G�htgeNZ, S. \3^. -- 9 Riedel, C. l, 525.
        
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