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Die Politik der Kurfürsten Friedrich II. und Albrecht von Brandenburg

Full text: Die Politik der Kurfürsten Friedrich II. und Albrecht von Brandenburg

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Auch an diesem unbek�mmerten, �reisten Gottvertrauen gewahren wir Albrechts Optimismus, sein freudiges,
tapferes, entschlossenes, tatkr�ftiges Niesen, die zuversichtliche Art, in der er einst seinen Kahn Hans gemahnt hat, ein-
gedenk 511 bleiben, �was aus einem Markgrafen werden kann, wenn er seine Vernunft gebrauchen will und M�h
und Arbeit nicht fliehen".' Albrecht bew�hrt das Dichterwort, da� die Freudigkeit die Mutter aller Tugenden ist.
Seine Frohnatur spiegelt sich wieder in seinen zahllosen Briefen, vom ersten bis zum letzten. Sie sind alle diktiert 2,
auch die vertraulichsten; sie zeigen Albrecht genau wie er sprach, genau wie er sich gab, wie er war. Gerade weil
die Feder des Sekret�rs so gar nicht nachgeholfen hat, weil sie ganz ohne literarischen Anspruch auftreten, ganz auf
stilistische, kunstm��ige Wirkung verzichten, ist ihr Lindruck um so st�rker. ?ine kr�ftige, ausgepr�gte, urw�chsige
Individualit�t offenbart sich uns ganz unmittelbar. Solche Individualit�ten wird es unter den deutschen F�rsten auch
vor Albrecht, noch vor den Tagen der Renaissance, so manche gegeben haben, nur da� man noch nicht in der Mutter-
sprache Briefe zu diktieren pflegte, die uns zur Beglaubigung der (Eigenart, der Pers�nlichkeit, dienen k�nnten.
Die launige Behaglichkeit des Albrechtschen Briefstils gew�hrt sich den breitesten Spielraum in den Schreiben
an verwandte und Vertraute. Albrecht w�nscht, da� die Seinen auf den von ihm angeschlagenen Ton eingehen,
denn �ein fr�hlich Wort geb�hrt ein fr�hlich Antwort". Seine Frau mu� ihm �Schwanke" und �Narreteidinge"'
schreiben und sie kommt der Aufforderung bis zu einem Grade nach, der die Wiedergabe des Ausdrucks oder auch
nur die Andeutung des Inhalts hier schlechterdings unm�glich macht, obgleich die Gatten diese Derbheiten unbefangen
dem Vhre und der Feder ihrer Sekret�re anvertrauten. Allenfalls �u�ert einmal die Aurf�rstm das Bedenken, ob
sie es dem Gemahl, wenn er die Vriefe alle gelesen haben werde, mit den Schw�nken in dieser heiligen Festzeit nicht
gar zu grob gemacht haben werde. Oder die Hoffr�ulcin bitten im Scherze die Aurs�rstin, �Anspruch zu erheben
gegen die ihnen geltenden, allzu anz�glichen Neckereien der Briefe. Vehnt doch Albrecht diese Neckereien auch auf
seinen alten, ehrw�rdigen Aanzler aus, den Bischof von kebus, Friedrich Sssselmann, wenn er sich bei diesem in Mehr
als einem Vriefe angelegentlich der �sch�nen A�the" empfiehlt.
Wie Albrecht in seinen Vriefen den Humor nicht spart, so war es ihm auch unentbehrlich, srohe Gesichter
um sich zu sehen. Er hat seine Hofhaltung �A�nig Artus Hof" genannt, weil sie ein Mittelpunkt fr�hlicher
Geselligkeit sein sollte: �ist R�nig Arles Hof hie," schreib! er im Sommer aus Ansbach, �mit Jagen, Pay�en
(Veizen>, Hetzen, Stechen, Rennen und aller Rurzweil." �kr feiert die Feste, wie sie fallen, zu jeder Jahreszeit. Zur
Martinsnacht l�dt ec sich G�ste, um mit ihnen �auf dem Schlitten zu fahren und fr�hlich zu sein"; zur Fastnacht
bestellt er f�r die G�ste einen besonders guten Tropfen nicht m�rkischen, sondern Frankenweins. Denn er ist �nicht
gewohnt, umb oder Gulden Wem zu trinken, sondern um 23, 30 oder HO zu Zeiten, da ist unser Mund
nach gericht". Immer kehrt es in seinen Briefen wieder: �wir schie�en, jagen und sind fr�hlich", �wir lassen uns
aller Beschwer nicht k�mmern", �wir wolln der keut spotten und fr�hlich sein".^
Freilich die Jahre gingen allm�hlich dahin, in denen es von Albrecht noch hie�: �den Tag �ber zu turnieren
und zu tanzen, dann �ber Staatsgesch�fts zu beraten, bis Mitternacht zu tafeln und zu trinken und den Rest der
Nacht auch nicht zu schlafen, das ist ihm ein leichtes."" Die Zeit kam heran, da er wert darauf legte, �in einer
warmen Stuben" des Trunks zu pflegen, wiederum zeigte er sich im Sommer gegen die Hitze empfindlich. ? Aodagra
und andere Gebrechen klopften immer von neuem an. Er tr�stet sich mit dem Sprichwort: �wer die Arankheit hat,
der lebt lang und �berkommt viel Geld" � beides k�nne er brauchen. Und f�hlt er dann nach der Genesung, �da�
uns erst die Jugend wieder anfecht", so vermi�t er sich alsbald, zu springen und zu h�pfen wie der Vort�nzer bei
der Hochzeit. Als Siebziger schildert er dem Aaiser seinen k�rperlichen Zustand: �Man mu� mich atzen, tragen
und aufheben als ein junges Rind." Herz, Ropf und Zunge, dazu sein Verm�gen an Land, teuten und Gut seien
1 Publikationen 7(, 99. � 3 V$L Souper und Wagner a, 0, G., 5. H35; Wagner im Hohenzollern-Iahibuch 19O(, 5. 55.
�
3 Steinhaufen \ f ;2Y. U2.
� *
vgl.Steinhaufen 5, 2^3.
� fi Steinhause� 5, m. (57. 556. !b7. � 8 Nach Aeneas S^Idius piecolomini.
�
'publifationeii 5% 5,6. 5(7. 526. 529, 537; Riedel, C. <,
,5*
        
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