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Die Politik der Kurfürsten Friedrich II. und Albrecht von Brandenburg

Full text: Die Politik der Kurfürsten Friedrich II. und Albrecht von Brandenburg

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Friedrichs I. hatten sich in den letzten kauften des Vasler Konzils eng an das kirchenpolitische System angeschlossen,
das in dem Vund zwischen Kaiser und Papst sich durchsetzte. Albrecht sowohl wie sein Vruder der Aurf�rst fanden
bei diesen, System ihre Rechnung, die ganz pers�nlichen Beziehungen Albrechts zu dem Tr�ger der kurialen Politik,
Aeneas Syloius Piccolommi, taten das �brige. Nun bleiben auch hier Irrungen nicht aus. Nnd da l��t sich Albrecht
durch die Strafmittcl des Papstes nicht gerade st�ren oder in seinem Gewissen beunruhigen. Als der Papst wegen
seines Einverst�ndnisses mit dem HusitenkSnig den Bann �ber ihn verh�ngt, so bem�ht er sich wohl um die Absolution,
aber nur aus politischen R�cksichten und nur auf Umwegen. Er bittet seinen Vrnder Friedrich, durch den Vischof von
Vreslau auf den Papst zu wirken: insgeheim, da er nicht gern wollte, da� jemand daf�r halte, er h�tte schweres
Gewissen dar�ber. Er braucht dein Vruder gegen�ber aus seinem Herzen keine M�rdergrube zu machen: �Euer kieb
wissen, da� wir Burggrafen viel Zipfelreu haben, in dem Gewissen eng, und in den Taten weit." Er wei� auch
wie er die p�pstliche Politik einzusch�tzen hat: �Wer Geld hat, der kauft zu Rom, was er will."^
Einen neuen Zusammensto� nul der p�pstlichen Gewalt ergibt der Streit um die �teuervfticht des fr�nkischen
Alerus. Ein Vreve des Papstes hat angeordnet, da� die Priester die im Jahre ausgeschriebene Reichssteuer
nicht an die weltlichen Landesherren, sondern an die Bisch�fe abf�hren sollen; wo des Markgrafen Diener die Steuer
eintreiben, wird das Interdikt verh�ngt. Da schreibt Albrecht an einen seiner Amtleute: �Man mu� sich des Teufels
wehren mit dem heiligen Areuz. Me tat Sebastian von Scckendorff, da ein Sterben war zu Aulmbach und der
Bischof Interdikt darleget? Er lie� ftie Toten^ dem Pfarrer in das Haus tragen; wollt' er den Gestank nit leiden,
er mu�t sie wohl begraben lassen ... Sie h�tten gern das weltliche Schwert zu dem geistlichen; h�lt' unser Herrgott
ein Schwert wollen haben, er h�lt' es also wohl k�nnen erdenken, als zwei; er was gar ein weiser Mann." Verordnungen
in gleichem Sinn und Ton folgen: �3esen sie nit Me� und singen nit Vesper, so bed�rft Ihr nit gein sgen) Airchen
gehen. Bet't gleichwol und dient unseren Herrgott getreulich und habts gut im Herzen, der verstehts und belohnts."
Von der Herzogin Anna von Braunschwcig hat er durch einen ihrer Diener erfahren, da� sie dem geistlichen Wesen
ergeben ist und �gar einen frummen, unterweislichen, strengen Veichtiger hat". Er schreibt ihr, indem er sie an ver-
gangene lustige Zeiten erinnert: �)ch Hab ihm sdem Dieners gesagt, wenn Ihr ein pu�erin w�rt, als Sant Elsbeth,
die nie kein Sund tat und auch von hohem Stamm war, das war etwas. Sunst sei es Glei�nerei da� Ihr nach-
trabt von einer Airchen zur andern, doch geb ich Euch den Rat, da� Ihr nicht zu geistlich werdet ... denn wenn ich
zu Euch kume und sollt Euch dienen als einer Heiligen, so k�nnt ichs vor Gel�chter nicht volbringen."^
Albrecht war nicht ohne Fr�mmigkeit, aber sie trug keine geistliche Farbe. Er h�lt darauf, die Palm- und
Aarwoche unserem Herrgott geruhig zu dienen. Er dient ihm auf seine weise, ohne Askese, ohne �Heiligkeit", wie er
sagt, ohne Fr�mmelei, wie wir heute sagen w�rden. Er achtet nicht peinlich auf die Grenzen des Gebotenen und
Verbotenen; genug da� er sich mit seinen: Herrgott auf gutem Fu�e wei�. Er getr�stet sich des Sprichworts: �Gott
straft die Seinen, aber er verl��t sie auf die t�nge nicht". Gott, der ihn gegen F�rsten und einen A�nig
ften B�hmen) nach zwei verlorenen Schlachten und nach Gefangennahme der Bundesgenossen gerettet hat, wird ihm
auch diesmal beistehen � so hofft er zehn Jahre nach der Niederlage von Giengen in Voraussicht eines neuen Arieges.
Und sieben Jahre sp�ter gedenkt er wieder dieses Arieges mit 5? Aurf�rsten und einen: A�nig: �und half Gott, da�
wir dennoch zwischen Himmel und Erden blieben. Nu lebt der alte Gott noch und hat die Gerechtigkeit so lieb
als je." �Mit Gottes Hilfe", das ist �berall seine kosung, �wir r�chen uns mit Gottes Hilf an dem treulosen
V�swicht, Herzog Varczlaff (von Pommern), oder sterben dar�ber, das Gott vcrh�t." wir �sind Besserung wartend
mit Gottes Hilf allenthalben; denn unser M�hl ist lang stillgestanden, getrauen mit Gotts Hilf soll sie wieder
stattlich gehend werden."
1 Die Zipfclreu im Gegensatz zur wahren Reue wird (nach einer freundlichen Mitteilung non G. Roethe) erkl�rt als �Reue, die
sich an den letzten Zipfel anh�ngt", �Reue auf dem Totenbett", wenn der sterbende im letzten Augenblick an der Nettdecke zupft; in diesem
Sinne 3. 33. bei dem Minnes�nger Hugo von Montfort 5, 3^8. � 3
-
Publikationen 59, io^; 67, 52?, � � Publikationen 75, \<\. �
4 Steinhaufen, 3. 5 \7.
� B Publikationen 59, 452. H65; k?, 5��. 555; Steinhaufen {,205, 252; 3tenzel, Gesch. des Preu�ischen Staates 5, 2<\>{.
        
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