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Die Aquarell Sammlung Kaiser Wilhelms I. : Ein Beitrag zu seiner Lebensgeschichte

Full text: Die Aquarell Sammlung Kaiser Wilhelms I. : Ein Beitrag zu seiner Lebensgeschichte

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Vsnn das war das Bedeutsame an diesem Maientage, da� sich hier der trotz allen �Konfliktes" ganz allm�hlich
wieder zurechtfindende preu�ische Geist der Bev�lkerung, wie schon langst auf dem platten tande, nun auch in der
Hauptstadt tust machte, in dem Gef�hl f�r die Armee, mit der sie im Grunde ja doch untrennbar verwachsen war.
�Die Gesinnung des Volkes ist wieder erwacht" schrieb in jenen Tagen der in solchen Hoffnungen noch sehr zur�ck-
haltende A�nig. Hatten doch bereits am 25. April Berliner G�nger-Vereine vor dem Palais des K�nigs eine
Serenade dargebracht �als Ausdruck der Siegesfreude". � So wenig sympathisch dem K�nige auch sonst ein nicht
streng rcglementsm��iaes Aeu�ere beim Soldaten war � von diesem Gesichtspunkte aus durfte er wohl dem Volks-
gef�hle freien tauf lassen. �Na," meinte er auf die Meldung von dieser unvorschriftsm��igen Vekorierung, �da mu�
man einmal ein Auge zudr�cken." �Als er nun", so berichtet ein Augenzeuge, �die Truppen anr�cken sah, von
weitein eher einem dichten Bl�tenwalde als einer Masse tapferer Arieger �hnlich, die aber doch dicht geschlossen und
in strammster Haltung anmarschirten , und als er den endlosen Jubel der dichtgedr�ngten Volksmassen h�rte, diese
Sympathie f�r die Soldaten, welche er lange Zeit bei dm Berlinern vermi�t hatte und abgestorben glaubte, da
schmunzelte er befriedigt und freute sich."
Der K�nig selbst war, von Potsdam kommend, in der tenne'stra�s zu Pferde gestiegen und nach dem
Brandenburger Tore geritten, wo ihm Sl�phasius den nach Truppenteilen geordneten, namentlichen Rapport der
Eskorte �berreichte. Dann ritt der K�nig, begleitet von den Prinzen, den General- und Fl�gel-Adjutanten und der
Generalit�t, dem Zuge voran auf der Nordseite der tinden herunter, und nahm vor dem Bl�cherdenkmale am Vpern-
platze Aufstellung, um die Gesch�tze, an deren Spitze sich nun der Gencralfeldzeugmeister Prinz Karl gesetzt hatte,
vorbeiziehen zu lassen. Zum Schl�sse �berreichte der K�nig den besonders verdienten Soldaten eine Reihe von Ehren-
zeichen I. und II.Klasse, St�phasius aber, mit dankenden Worten und kr�ftigem H�ndedrucke, den Roten Adler-
ordcn III
.^Klasse mit Schwertern. Hierbei ereignete sich der h�bsche Zwischenfall, da� er einem F�hnrich, der die
I.Klasse des Ehrenzeichens erhalten sollte, die II.Klasse gab: der wollte dann das ihm von seinem Kriegsherrn selbst
eingeh�ndigte Ehrenzeichen zum Umtausche nicht wieder herausgeben, worauf der K�nig befahl, da� er beide
Dekorationen tragen d�rfe.
Den Moment der Dekonerung stellt unser Bild dar. Der K�nig, auf einem Fuchs, h�lt zwischen der Neuen
wache und der Universit�t, deren S�dostecke links hervortritt, und reicht vom Pferde herunter das Ehrenkreuz einem
laubumkr�nzten Unteroffizier vom Infanterie-Regiment Nr. 2H, dem H. Branden burgisch en, aus der Frideriziamschen
Garnison Neu Ruvpin. Ein danebenstchendcr 2H"Musketier h�lt einen eroberten Danebrog, rot mit wei�em Kreuz, im
Ann, ein zweiter Danebrog ragt aus der Front der noch der Auszeichnung harrenden Krieger empor. Ein FI�Zeladjutant,
zu Fu� rechts neben dem K�nige, h�lt auf einem Rissen die weiteren Dekorationen. Hinter den� K�nige h�lt Prinz
Aarl, rechts tritt der charakteristische Seemannskopf des Prinz-Admirals Adalbert hervor, links, vor der Universit�t^
ecke der Kriegsminister Roon, und ganz links im Hintergrunde, halb verdeckt durch den m�chtigen Rappen des Neben-
reitcrs, aber hellleuchtend in seinem wei�gelben K�rassicrkoller, von, Stahlhelme beschirmt � Bismarck.
        
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