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Die Aquarell Sammlung Kaiser Wilhelms I. : Ein Beitrag zu seiner Lebensgeschichte

Full text: Die Aquarell Sammlung Kaiser Wilhelms I. : Ein Beitrag zu seiner Lebensgeschichte

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Diese Beschreibung und die Unterschriften des so zeremoniell wie m�glich aufgefa�ten Bildes ersparen eine
weitere Erkl�rung. Die schwarze Drapierung de5 Thronsessels, der Thronstufen und des Baldachins ist neben den
Portr�tk�pfen das einzig Charakteristische der Szenerie. Der Kronprinz ist hier, wohl zutreffender, von demselben
Maler ungleich jugendlicher aufgefa�t als 2^ Jahr zuvor bei der Ansprache an das Ministerium.
Mitten hinein in die Vollendung seines ersten K�mgsmerkes, der Heeresreform, f�hren uns die beiden
folgenden Aquarelle, beide von Fritz Schulz; das 35. Bild: �Am Januar 66 Einsegnung der Fahnen",
und das 26. Bild: �Am Januar 4865: Abbringen der Fahnen in das Zeughaus".
Ver Gedanke, die von ihm als Regent � durch Kabinets-Grdre vom H. Juli � neu errichteten
Regimenter k�nnten vom tandtage ernstlich als nur provisorische angesehen werden, ist dem K�nige gewi� niemals
gekommen, trotz mancherlei Schwierigkeiten und Widerspruches, denen seine Reformpl�ne bisher schon dort begegnet
waren. So war dieser Tag der Fahnenweihe, f�r die der K�nig die 60j�hrige Wiederkehr des Kr�nungstages des
ersten preu�ischen K�nigs gew�hlt, nur von erhebenden, stolzen Gedanken und Empfindungen erf�llt. Der K�nig
selbst hatte mit dem ihm eigenen besonderen Geschick f�r solche Dispositionen, das auf seiner milit�rischen Sachkenntnis,
pr�zisen Genauigkeit und seinem hervorragenden praktischen Blicke f�r das Ganze wie f�r das Detail beruhte, die
Anordnungen f�r diese Feier selbst entworfen, so da� auch ihr wohlgelungener �u�erer Verlauf ihn mit pers�nlicher
Befriedigung erf�llen durfte, wie viel st�rker aber bewegte ihn, den k�niglichen Kriegsherrn, die innere Bedeutung
dieser �imposanten und ergreifenden Feier", hei welcher jede der neuen Fahnen Mann � ein kriegsstarkes
Bataillon �, jede der neuen Standarten 600 Pferde � ein Kavallerie-Regiment � repr�sentierte! Eine �hnlich
starke Vermehrung in Friedenszeiten hatte die Preu�ische Armee noch niemals erfahren, und da� ihn: dies Werk
durchzuf�hren beschieden war, durfte dem K�nige, dem in Kommissionen und Beratungen �ber diese Lebensfrage des
preu�ischen Staates seit langen Jahren mit Wort und Schrift eine anscheinende Sisyvhosarbeit auferlegt gewesen, wohl
eine frohe, starke, tr�stende Genugtuung gew�hren.
Am Januar fand im K�niglichen Schlosse die Nagelung der in langer Reihe durch den Schweizer-
Saal, die Paradekammern K�nig Friedrichs I., den Thronsaal, die Bildergalerie bis zum Wei�en Saale auf Tischen
ausgebreiteten Feldzeichen � die auf ausdr�ckliche Anordnung des K�nigs den Namenszug I?. W. k., nicht XV.K..
trugen, weil ihre Truppenteile ja noch bei Lebzeiten K�nig Friedrich-Wilhelms IV.errichtet worden seien � in feierlicher
Weise statt, ein Akt, der zwei Stunden w�hrte; 5^6 K�pft z�hlten allein die nach Berlin berufenen Deputationen
der neuen Regimenter. Am Januar herrschte mildes Winterwetter, doch hatte die Aalte der vorangegangenen
Tage den vorsorglichen K�nig bestimmt, das Anlegen der M�ntel, Ohrenklappen und Handschuhe f�r die an der
Fcier teilnehmenden Truppen zu befehlen. Pom Denkmale Friedrichs des Gro�en, vor welchem der mit blauer Decke
bekleidete Feldaltar auf roter Estrade errichtet war, bis zum k�niglichen Schlosse standen die Garden Spalier unter
den� Kommando des Kronprinzen, der dem A�nige den Frontrapport �berreichte; ihre Reihen schritt zun�chst der
K�nig ab, �ber Schritt, vor dem Akademiegeb�ude beginnend bis zur Schlo�apotheke, und von dieser zur�ck
wieder bis zum Denkmal. Dann wogte der Fahnenwald vom Schlosse her heran auf das Denkmal zu, �ber die ganze
Ausdehnung und �ber die ganze Breite des Platzes, 50 Rotten der Fahnentr�ger mit loser F�hlung in drei Abm�rschen,
an jeden� Fl�gel jedes Abmarsches ein Dfsizier, an den engeren Stellen, auf der Schlo�br�cke und vor der Rampe
des Palais abbrechend und dann wieder aufmarschierend. Kurz vor dem Altare schwenkten die Hinteren Fahnenglieder
rechts und links vorw�rts und bildeten so drei Seiten eines offenen Viereckes. Einen wundervollen und malerischen
Anblick mu� dieses Avancieren unter den Kl�ngen des Horck'schen Marsches, der so oft zum Siegestanze ert�nt, gew�hrt
haben, und lebhaft k�nnen wir die freudige Erregung des K�nigs nachf�hlen, der dies Herauwogen vom Eckzimmer
seines Palais aus beobachtete, wohin er sich, leichten Unwohlseins wegen, vor�bergehend begeben hatte.
Nun begann die kirchliche Feier: nach dein gemeinsamen Ges�nge des ersten Verses des gerade vor 200 Jahren,
von Paul Gerhardt gedichteten tiedes: �IstGott f�r mich, so trete Gleich Alles wider mich", hielt der Hofprediger
        
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