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Die Aquarell Sammlung Kaiser Wilhelms I. : Ein Beitrag zu seiner Lebensgeschichte

Full text: Die Aquarell Sammlung Kaiser Wilhelms I. : Ein Beitrag zu seiner Lebensgeschichte

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vom Prinzen Wilhelm auch �ber seine eigentliche Funktion als Hofstaats-Sekret�r hinaus allezeit als treuer, zuverl�ssiger
und diskreter Diener erfunden worden. Zum Zeichen seiner Anerkennung und pers�nlichen Anteilnahme erwies ihn,
der Prinz-Regent an diesem Jubil�umstage die Ehre, ihn in seiner Privatwohnung in Berlin, am Wilhelmsplatz
Nr. 2, einen Gratulationsbesuch zu machen.
In seiner behaglichen, b�rgerlichen Wohlstand zeigenden H�uslichkeit sehen wir den Jubilar, jetzt �Vortragenden
Rath im Hofstaate des Regenten", wie ihm der Prinz, im Besuch sanzuge, Helm, Waffenrock und Grden, die Hand
reicht; hinter ihm neigen sich gr��end seine Frau und seine Tochter, die einem livl�ndischen Varon wolff verm�hlt
war, und sein Sohn, der Ferdinand hie� wie der Vater, und dem Prinzen seit als Korrespondenz-Sekret�r diente.
Vorck �enior war zuletzt Geheimer Regicrungsrat und Vortragender Rat in der Privatkanzlei des K�nigs. Nach
seinem Code, im Jahre ward sein Sohn, nicht dem Titel nach, denn er blieb nach wie vor Korrespondenz-
Sekret�r, aber doch tats�chlich bei den mehrfach wechselnden anderen Veamten der Privatkanzlei, der Nachfolger
seines Vaters. AIZ Vorck junior, der unverheiratet geblieben war, w�hrend des Vesuches des Kaisers in St. Peters-
burg im Mai 5 873 dort starb, w�hlte der Kaiser, mit den: f�r sein Wesen gleichfalls charakteristischen Festhalten an
gewohnten Formen und Umgebungen, den Nachfolger wiederum aus derselben Familie, einen Vetter, den Hofrat
Karl Vork � er schrieb seinen Namen mit einem k �, der bis zum Tode des Kaisers seines Amtes waltete.
Kann blieb Karl Vork noch Grdens-Schatzmeister des Hohen Ordens vom schwarzen Adler; er starb im August
Ho haben dem Kaiser Wilhelm drei Generationen aus derselben Familie w�hrend eines Zeitraumes von
63 Jahren gedient. Ein Vorck stand bereits in Diensten des Gro�en K�nigs, dem er, wie die nicht kontrollierbare
Tradition der Familie �berlieferte, in der Sterbestunde beigestanden haben soll: �in dessen Armen der Geist dieses
gro�en Mannes entstehen ist"; er war dann Hof-Fourier des K�nigs Friedrich-Wilhelm III. Wie das Haus am
Wilhelmsplatze, das unserem Vilde zur Szene diente, modernen baulichen Anforderungen weichen mu�te � bei der
Errichtung des Kaiserhof- Hotels � so scheint auch solche traditionelle Dienertreue mit der modernen Zeit nicht mehr
in Einklang zu stellen sein. Und ist nicht �berhaupt so manches, was uns teuer war, mit dem Zeitalter Kaiser
Wilhelms dahingefunken? Als Denkmal echter Treue, bei Herr wie Diener, hat unser Vild in diesem �illustrirten
Nekrologe" mit Recht seine St�tte gefunden.
In der Nacht zum 2. Januar vierzig Minuten nach Mitternacht, endete nn Schlosse zu Sanssouci das
Leiden und das (eben des K�nigs Friedrich-Wilhelm IV. Den schmerzlichen Erregungen, welche die ersten Regierungs-
tage K�nig Wilhelms erf�llten, sind zwei Aquarelle gewidmet: das 52. Vild, von Oskar wisnieski: �Sans Souci
den H.Januar 58K^. Der K�nig, sich an den Sarg feines Vrubers begebend, siehet in der keichen-Ehrcn-wache zum
Erstenmale Seine Truppen"; und das 35. Silo, von Paul V�rde: �VV,k. Rex) am Sarge seines Vruders".
Ueber diese Vorg�nge sind wir durch eine Erz�hlung des K�nigs selbst, wohl noch aus dem Jahre
unterrichtet, die uns sein Vorleser, Louis Schneider, �berliefert: �Ich wohnte in den Tagen vom Tode bis zum
Begr�bni� des K�nigs in den oberen kleinen Zimmern des Damenfi�gels von Sanssouci und wollte einen Augenblick
frische tust genie�en, hatte aber ganz vergessen, da� es der erste Tag der Ausstellung des Sarges in Parade war.
wie ich nun durch das Vestib�l von der Kolonnade aus in den Mittel- (Marmor-) Saal trete, um nach der vorderen
Terrasse zu gehen, sehe ich pl�tzlich die teib-Kompagnie des I.Garde-Regiments zu Fu� mit den Deputationen der
Garde-J�ger und des kehr-Vataillons zur keichenehrenwache dort aufgestellt. Zum ersten Male senkte sich die Fahne
vor mir als K�nig, und dieselbe Kompagnie, bei der ich im zehnten Jahre eingetreten, mit der ich w�hrend meines
ganzen kebens in engster Verbindung gestanden, Freude und teid geteilt,
�
erwies nur die K�niglichen Honneurs,
aber mit dem Trauerflor an der Fahne! � Mit einem Male stand die ganze Verantwortlichkeit vor mir, der ich
entgegenging, und im Nebenzimmer oie Teiche meines Bruders I Gott ist mein Zeuge, da� ich nie geglaubt, ihm
auf den: Throne folgen zu m�ssen! Mir brachen die Kniee, und Kleist, der mir die Hand k�ssen wollte, mu�te
mich halten, da� ich nicht umsank. Von ihm gest�tzt, wankte ich ins Nebenzimmer. So blieb ich denn einige Zeit
        
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