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Die Aquarell Sammlung Kaiser Wilhelms I. : Ein Beitrag zu seiner Lebensgeschichte

Full text: Die Aquarell Sammlung Kaiser Wilhelms I. : Ein Beitrag zu seiner Lebensgeschichte

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?s waren die eigensten Gedanken des Prinzen, gereift in den Jahren notwendiger politischer Zur�ckhaltung,
von ihm ganz selbst�ndig entworfen und in die Form gebracht, in welcher er sie jetzt mit eindringlichem Ernste den von
ihm erw�hlten Raten der Krone vortrug. Das kr�ftige Bekenntnis zu Recht und 6icht � �wir werden bem�ht sein
muffen, bei den ver�nderten priucipien der Rechtspflege das Gef�hl der Wahrheit und der Billigkeit in allen Klassen
der Bev�lkerung eindringen 511 lassen, damit Gerechtigkeit auch durch Geschworene wirklich gehandhabt werden kann" ;
und: �alle Heuchelei, Scheinheiligkeit, kurzum alles Kirchenwesen a?s Mittel $11 egoistischen Zwecken ist zu entlarven,
wo es nur m�glich ist. Die wahre Religiosit�t zeigt sich im ganzen Verhalten des Menschen; dies ist immer ins
Auge zu fassen und von �u�erem Gebahren und Schaustellungen 511 unterscheiden" � fanden in allen Kreisen, die
sich �liberal" f�hlten, so lauten und freudigen Beifall, da� dar�ber das nicht minder unzweideutige, energische
Bekenntnis zu dem dritten Leitsterne f�r Preu�ens Gr��e, 511 dem Schwert, nicht genugsam beachtet wurde. Und
gerade die hierf�r ausgepr�gten Gedanken legten den Kernpunkt der inneren und �u�eren Politik des Regenten
klar: �Pie Armee hat Preu�ens Gr��e geschaffen und dessen wachsthum erk�mpft; ihre Vernachl�ssigung hat eine
Katastrophe �ber sie und dadurch �ber den Staat gebracht, die glorreich verwischt worden ist durch die zeitgem��e
Reorganisation des Heeres, welche die Siege des Befreiungskrieges bezeichneten. (Eine vierzigj�hrige Erfahrung und
zwei kurze Kriegs episoden haben uns inde� auch jetzt aufmerksam gemacht, da� manches, was sich nicht bewahrt hat,
zu Aenderungen Veranlassung geben wird. Dazu geh�ren ruhige politische Zust�nde und � Geld, und es w�re ein
schwer sich bestrafender Fehler, wollte man mit einer wohlfeilen Heeresverfassung prangen, die deshalb im Momente
der Entscheidung den Erwartungen nicht entspr�che. Preu�ens Heer mu� m�chtig und angesehen fein, um, wenn
es gilt, ein schwerwiegendes politisches Gewicht in die wagschale legen zu k�nnen." � Nur auf dieser Grundlage
eigener festgef�gter Waffcnr�stuug war doch auch der zum gefl�gelten Worte gewordene Satz von den �moralischen
Eroberungen", die Preu�en in Deutschland machen m�sse, recht zu verstehen: �Ein festes, konsequentes und, wenn es
sein mu�, energisches Verhalten in der Politik, gepaart mit Klugheit und Besonnenheit, mu� Preu�en bas politische
Ansehen und die Machtstellung verschaffen, die es durch feine materielle Macht allein nicht zu erreichen im Stande ist."
Der Prinz hat als K�nig unentwegt an diesem seinem Programme festgehalten, und sich wieder und wieder
zu ihm bekannt, so oft nach dem Verl�schen der �Neuen Aera" ihm oder seiner Regierung ein Abweichen von diesen
Prinzipien vorgeworfen wurde.
Der Kampf um die Armeereorganisation schied nur zu bald die Geister, die neuen Minister wichen dein
Konflikte aus, zwischen ihrer, der liberalen Partei, auf die sie sich doch nicht recht zu st�tzen gewu�t, und dem Tr�ger
der Krone, dessen stolze Energie und tapfere Hingabe an das, was er f�r K�nigspfiicht und K�nigsrecht erkannt,
sie doch wohl untersch�tzt hatten, so sehr ihnen auch gerade dieses Programm, das der Regent dem Ministerium
vorlegte, nicht unigekehrt, von vornherein h�tte zeigen m�ssen, da� der Prinz, bei treuem Festhalten an der Verfassung,
nicht gewillt sei, ein ministerieller oder gar parlamentarischer K�nig zu werden, sondern ein Herrscher zu sein �von
Gottes Gnaden". So versank das Ministerium der Neuen Aera vor dem Konfiikts-Ministerium, verk�rpert durch die
beiden Ritter ohne Furcht und Tadel, den Kriegsminister Albrecht von Roon und den Ministerpr�sidenten Vtto
von Bismarck, die der Waffenschmied und der Wagenlenker des Kaisers des neuen Deutschen Reiches werden sollten.
In weitem, lichten R�ume, den die hellblaue Tapete, der buntfarbene Teppich und die gro�angelegten kand^
schaften in breiten goldenen Rahmen besonders freundlich gestalten, sehen wir auf unserem Bilde die zehn neuen
Minister vor den, Regenten versammelt, in dessen offenen, klaren Z�gen mit ihrem ruhigen Ernste die Bedeutung
der Situation sich wiederzuspiegeln scheint. Neben dem Regenten steht sein Sohn, Prinz Friedrich-Wilhelm, der bei
diesem Anlasse in das Staatsministerium eingef�hrt wurde, um auch k�nftighin dessen Beratungen beizuwohnen;
auch er ist von den, K�nstler recht gl�cklich aufgefa�t, in Gesicht und Haltung, wohl der Zeit stark voraus, schon
ganz dem Bilde entsprechend, wie es uns von der des Kronprinzen, des Kaisers Friedrich, vertraut ist.
Auch die feinen, geistig belebten K�pfe der Minister scheinen hier mit besonderer Sorgfalt und wohl auch portr�t
�hnlich wiedergegeben zu sein; doch m�chten wir mit Sicherheit nur bezeichnen: den an den �gr�nen Tisch" dicht
        
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