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Die Aquarell Sammlung Kaiser Wilhelms I. : Ein Beitrag zu seiner Lebensgeschichte

Full text: Die Aquarell Sammlung Kaiser Wilhelms I. : Ein Beitrag zu seiner Lebensgeschichte

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der Leibarzt Dr. C�rnnm. Die K�nigin � die auf unseren, Vil�e auffallenderweise fehlt � wurde, au�er ihren
Damen, von dem Gber- Schlo�hauptmann von Meyerinck, 6citi Vberhofineister Gras D�nhoff und dem Hausminister
von Massow, der Prinz von Preu�en von 6ent Fl�geladjutanten Gberst Gustav von Alvensleben begleitet.
Den: so kunstsinnigen und kunstfrohen K�nige Friedrich-Wilhelm IV. war es nicht beschieden, auch die innere
Vollendung der auf sein Gehei� wiederhergestellten Stammburg seines Hauses zu erleben; gerade elf Jahre nach dieser
Schlu�steinlegung, am 5. Gktober fand die feierliche Einweihung der Burg statt durch den sieggekr�nten K�nig
Wilhelm. Hier auf dem Hohenzollern empfing der K�nig nach dem Weiheakte die Adresse des Reichstages des
Norddeutschen Vundes, der ihm durch den Mund seines Pr�sidenten Dr.Simson die W�nsche vortrug f�r den Anschlu�
der s�ddeutschen Staaten an den Norddeutschen Vund, und er erwiderte sie mit den zukunfts sicheren Worten : �Es sind
Gesinnungen und Hoffnungen ausgesprochen, welche die Meinigen sind, und die einst ihrer Erf�llung entgegenreifen
k�nnen. Da� die hergestellte Stammburg der Hohcnzollcrn Zeuge des Ausspruches des Norddeutschen Reichstages gegen
Mich ist, beweiset, da� die Vorsehung mit dem Geschlechte, das hier entspro� � da� sie mit Preu�en war unk ist."
�Dom Fels zum Meer" ist die von K�nig Friedrich Wilhelm IV. gepr�gte Inschrift des Adlertores der Vurg
Hohen zollern, in dessen n�chster N�he der Wilhelmsturm aufragt: dieser Devise zu vollster Geltung zu verhelfen, war
gerade der berufen, der den W�helmswrm gegr�ndet und geschlossen in der Vurg, von der das Volkslied dann erklang:
�(Es wuchs aus ihre� Mauern
�Ver Stamm des Altctt Fritz,
�Er soll gleich ihnen dauern,
�?ll,f Deutschlands Kaiferf?o-"
Ein nach jener sonnigen Hohmzollcrn Feier senkten sich die Schatten unheilbarer Krankheit auf den
reichen Geist K�nig Friedrich-Wilhelms IV,, und unerwartet ward Prinz Wilhelm zur F�hrung der Regierung berufen.
Nachdem die laufenden Gesch�fte einige Wochen gestockt, so da� die Minister in Verlegenheit gerieten, erwuchs der
K�nigin Elisabeth, die mit treuester Hingebung den kranken K�nig pflegte, die schwere Aufgabe, ihn zu bewu�ter
Vollziehung des Stellvertrctungs -Amtes zu verm�gen. Den �u�eren Hergang dieses f�r das Teben des Prinzen
Wilhelm entscheidungsvollen Ereignisses zeigt uns unser 2y. Vild, von Paul V�rde: �K�nigFriedrich Wilhelm IV.
unterzeichnet am 25. Oktober in Sanssouci die Vrdre, durch welche er seinem Vruder, dem Prinzen von
Preu�en, die Stellvertretung in der Regierung �bertr�gt." wie die K�nigin ihm die erste Andeutung dieser Not-
wendigkeit machte, stutzte der A�nig freilich: �also schon bei lebendigeln keibe"; �das will ich mir doch noch �ber-
legen"; bald aber sah er von selbst, da er eben gerade klareren Venm�tseins war, den Zwang der Verh�ltnisse ein:
�ja freilich will ich das thun, ich habe es schon immer sagen wollen, habe es aber nicht gekannt, ich will gleich unter-
schreiben." Nun lie� die K�nigin den Prinzen rufen, und dieser den Ministerpr�sidenten Frhrn. von Manteuffel mit
der vorbereiteten Grdrc. Trotz dieser Verz�gerung � es war 2 llhr nachmittags geworden � blieb der K�nig klar
und gesammelt; die K�nigin las ihm die Grdre, die den Prinzen in Stellvertretung des erkrankten K�nigs mit der
oberen teitung der Swapgesch�fte auf drei Monate betraute, langsam vor, so laut, da� die im Nebenzimmer hinter
der T�r stehenden Zeugen es h�ren konnten, und der K�nig unterzeichnete sie mit deutlicher fester Handschrift.
Diesen Montent stellt unser Vild dar: der in seinem hellgrau tapezierten Arbeitszimmer im Schlosse von
Sanssouci auf gr�nem telmstuhle sitzende K�nig, im Ueberrock, mit br�unlicher Decke umh�llt, hat gerade die Feder
zur Unterschrift angesetzt, und blickt noch einmal wie dankend auf den Vruder, den er seit seiner Erkrankung zum
ersten Male in der N�he wiedersieht. In voller Nniform, den Helm in der Hand, sieht der Prinz von Preu�en vor
seinem K�nige, auch in seiner straffen, dienstlichen Haltung, die seine starke innere Erregung �berwindet, die Vedeutung
des Vorganges zum Ausdrucke bringend, w�hrend die feinen Z�ge der sich zu ihrem Gemahl neigenden K�nigin, in
schwarzem Kleide, wei�er Haube mit gelbem Vande, den tiefen Schmerz zeigen, der sie beseelt. � Zun�chst der T�r
des ansto�enden, rot tapezierten Wohnzimmers der K�nigin steht Prinz Friedrich-Wilhelm, der sp�tere Kaiser Friedrich,
f�r den dieser Akt ja auch von hoher Wichtigkeit ist; dann, wie schmerzgebeugt, die hohe Gestalt des Vberst-A�mmerers,
        
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