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Friedrich der Große am Schreibtisch

Full text: Friedrich der Große am Schreibtisch

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Aber nicht blo� einzelner Ichlagworte oder anschaulicher Bilder und Vergleiche bediente sich Friedrich, um
seinen Ansichten und willensmeinungen klaren Ausdruck zu geben; er greift auch zu Anekdoten uno kleinen Geschichtchen,
deren Nutzanwendung er selbst zieht ober dem Empf�nger zu ziehen �berl��t. So weift er in seiner verzweifelten Sage
int Herbst des Jahre�. 1,75? den Gedanken, selber Schritte zur Herbeif�hrung fees Friedensschlusses zu tun, zur�ck,
indem er �die Geschichte einer Dame" erz�hlt, die, als sie, zum erstenmal auf See, den Himmel sich verfinstern
'
und
einen Sturm aufziehen sah, dem Steuermann zurief: �Nach Hause, Steuermann, nach Hause!" Doch dieser erwiderte:
�wenn der Sturm vor�ber ist, Madame, werden wir in den Hafen einlaufen!" ?in andermal, w�hrend der
Verhandlungen mit Ru�land �ber die Teilung Polens, vernehmen wir mit Rede und Gegenrede die Geschichte eines
Kaufmanns, zu dein ein Fremder kam, um Ware einzuhandeln. Jener forderte seinen preis, den dieser nicht bewilligen
wollte. Darauf fuhr Friedrich fort, oie Gr�nde Zu entwickeln, die den Kaufmann berechtigten, an feiner Forderung
festzuhalten, um mit diesen: �Gleichnis", wie er sagte, die Russen zu bestimmen, ihm auch Danzig zu �berlassend Als sich
nach vollzogener Teilung bei Absteckung der preu�ischen Grenzen ein neuer Streitfall erhob, als Kathanna IL f�r polen
eintrat und auf die Gefahr eines Krieges hinwies, da antwortete Friedrich wiederum mit einer leinen, humoristisch
gef�rbten Erz�hlung: �Ein katholischer Schweizer a� in der Fastenzeit einen Eierkuchen, der mit Speck gemacht war.
Es donnerte, und man sagte zu ihm: ,Gott schickt sich an, dich zu bestrafen, weil du das Gebot der Kirche nicht
befolgt hast.' Der Schweizer warf den Teller zum Fenster hinaus mit den Worten: ,Mein Gott, soviel ?�mi um
einen Speckeierkuchcn!'" Der K�nig schlo� mit der Nutzanwendung: �Das ist gerade mein Fall; die Aleimgkeil l'on
einigen D�rfern wird Europa nicht in Vrand setzen und weder mich reich noch polen arm machen." 2 (Pgl. das
Faksimile S. Hy.) Endlich mu� die historische Anekdote �on C�sars Begegnung mit dem Wahrsager an den Iden des
M�rz ihm imFr�hjahr J773 dazu dienen, um seinen Neffen, K�nig Gustav III.von Schweden, der durch den Umsturz
der von Ru�land garantierten schwedischen Verfassung die Kaiserin Katharina II. bereits auf das st�rkste gereizt hatte,
davor zu warnen, feine gro�e Gegnerin noch mehr zu erbittern. 3
Im Hinblick auf die Eigenart seiner Sprache, seiner Ideenwelt hat man geradezu von einem �Friderizianischen
Stil" gesprochen. Schon Voltaire hatte dem Kronprinzen, der ihm seine erste Flugschrift zum Zweck der anonymen
Ver�ffentlichung zugestellt hatte, im August erkl�rt: w�re diese auch unter dem Namen eines Mitglieds des
englischen Parlaments gedruckt worden, �ich glaube, ich w�rde Ew. K�nigliche Hoheit erkannt habend liefen diese
Worte vielleicht auch nur auf eine Schmeichelei hinaus, jedenfalls machte 22 Jahre sp�ter Marquis d'Argens sich
anheischig, alle Arbeiten Friedrichs jederzeit an ihren, Stil zu erkennen. �Ich habe die Ehre, Eurer Majest�t zu
sagen," so schrieb er am 27. Mai 1.760 dem K�nigs �da� es Ihnen nicht m�glich ist, Sich zu verbergen, wenn Sie
ein Werk schreiben; Ihr Stil und vor allem ein gewisser originaler Zug werden Sie immer verraten, soviel M�he
Sie Sich auch geben m�gen, Sich zu verkleiden."
Der Friderizianische Stil, die starke dichterische Ader, wie sie in Friedrichs poetischen, historischen und literarischen
Werken sich dokumentiert, verleugnet sich auch nicht in seiner politischen Korrespondenz, und selbst in jenen Erlassen,
die nicht von ihm eigenh�ndig abgefa�t sind, zeigt sich seines Geistes sichtbare Spur; denn in dem k�hlen Gleichma�
der Ausarbeitungen seiner Kabinettsr�te treten die aus seinem Munde stammenden originalen Wendungen gleich hellen
Glanzlichtern auf dem Vilde leuchtend hervor.
Auch daf�r einige Beispiele. In einem Schreiben vom 10. Juni 1,765^ lehnt der K�nig die Vitte des jungen
F�rsten keopold von Anhalt-Dessau, ihn im Hinblick auf seine bevorstehende Verm�hlung mit der Tochter des
Markgrafen Heinrich von Vrandenburg-Schwedt zum Koadjutor des Dompropstes von Halberstadt zu ernennen, rundweg
ab und f�gt des weiteren hinzu: �Da�, wann dieser Umstand Ew. tiebden einige Vedenklichkeit machen sollte, Dero
sonst concertirte Heirath mit der Prinzessin Tochter gedachtes Markgrafen kiebden zu vollenziehen, ich nur Dero
1 vgl.p.C. 15, 305; 2,, 53,.
� * Kabtnettserla� an Sulms, 2,. Mai K<7,
�
B vgl. p..I, S. !9b. � " vgl. ?uvres, Ad. \<)f g. � � Vgl. p. (?. 24, 256.
        
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