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Friedrich der Große am Schreibtisch

Full text: Friedrich der Große am Schreibtisch

5Es ist hier der Vrt, noch eine andere Frage zu ber�cksichtigen, die seiner Orthographie. Unleugbar ist, da�
der K�nig die deutsche Rechtschreibung und Formenlehre nur recht mangelhaft beherrschte, und so finden sich in seinen
Vriefen zahllose Verst��e.
Hchon fr�h hat man hinsichtlich der Aenntnis des Franz�sischen den gleichen Vorwurf gegen Friedrich erhoben.
Drastischen Ausdruck hat er in einem Vriefe seiner gro�en Gegnerin, der Aaiserin
- A�nigin Maria
-
Theresia, vom
April gefunden. Sie beantwortete darin ein Schreiben ihres Sohnes, Kaiser Josephs II., der ihr von seiner
Aorrespondenz mit A�nig Friedrich � man stand im Veginn des Bayerischen Erbfolgekriegs � Mitteilung gemacht
und das aus dem Feldlager an ihn gerichtete Schreiben des A�nigs vom �bersandt hatte. �Ich gestehe meine
Schw�che", so erkl�rte Maria- Theresia, �dieser Brief, den er eigenh�ndig, ohne Schreiber in Mitten von H0000 Mann,
ohne Orthographie, ohne Stil geschrieben hat, wie ein A�nig oder vielmehr ein Vespot vom Theater, der darin liegende
Vcweis, da� dieses Ungeheuer nicht so vielseitig ist und da� er bei dieser Gelegenheit irgend eines anderen seines
Schlages bedurft h�tte, seine schmutzige W�sche zu waschen, hat mir Vergn�gen gemacht."
N)ie stand es nun mit diesem schon damals erhobenen und seitdem immer von neuem wiederholten Vorwurf,
als habe A�nig Friedrich das Franz�sische orthographisch nicht richtig oder noch weniger richtig als das Deutsche
geschrieben ? A>ir k�nnen auch hier die franz�sische Schrift Friedrichs von seinen ersten Schreibversuchen an verfolgen.
Seine heut imHohenzollern-Museum aufbewahrten Schulhefte zeigen das redliche Bem�hen des jugendlichen Abcsch�tzen um
kalligraphische Schrift und orthographisch richtige Schreibart, (vgl. das Faksimile S. 6.) Was er bis dahin gelernt, scheint
der Zwanzigj�hrige indessen nur allzubald vergessen zu haben. Als Beleg daf�r m�gen die Anfangszeilen der von
Friedrich mit einem Begleitschreiben vom 5. Februar an den General von Grumbkow �bersandten �Epistel"
dienen, die in buchst�blich getreu wiedergegebener Schreibweise lauten:
EPITTRE
Afid? Serviteur du Pays et du Roi
supos de l'opres� et meintien de la loy
tu saix que voleur erent dens la province
plustot en vagabond, q'en qualit� de Prince
je voix couler mes jours par voye et par chemeins
sens pouvoir assurer oux fixser leurs desteins. 3
Jedoch die regellose Willk�r, oie hier in der Schreibart blind waltet, wich alsbald � nicht der orthographischen
Regel � wohl aber doch einem bestimmten Systeme, n�mlich den, der Lautschrift. Allerdings scheint alle Orthographie
aufgehoben zu fein, wenn Friedrich schreibt: auser (statt oser), nege (statt neige), penne (statt peine), nouvelles
incertenes (statt incertaines), je promais (statt je promets) und ilatant (statt ilattend); ebenso scheint in der Bildung
vous avourai (statt vous avouerez) alle Konjugation �ber den Haufen gefallen. Aber schon in der scheinbaren Ver-
wechselung von conter und compter, wo oft statt des einen verbums das andere gesetzt ist, von comte und compte
wird das Lautgesetz deutlich, und es tritt mit voller Klarheit hervor, wenn das f die Stelle des ph einnimmt; so schreibt
der K�nig im Testament von 5?6H: j'ai v�cu en filosofe. Gr bindet sich an die Aussprache, wenn er statt des
doppelten Aonsonanten nur einen einzigen schreibt, wie in j'opose (statt j'oppose), j'aprouve (statt j'approuve), honete
(statt honn?te), ils comptent (statt ils commettent), und umgekehrt, wenn der einfache Konsonant verdoppelt wird, wie
in enssemble (statt ensemble) oder neutralit� (statt neutralit�). Die mannigfaltigsten Variationen erlebt das c: unter
Fortfall der Cedille wird es mit einem s verst�rkt (j'ai rescu statt j'ai re�u); es wandelt sich in ein g (segond,
1Abgedruckt: ?uvres, 3&. 6, 5. 186 ff,; dann sagte Friedrich: �Je n'ai ni ministre ni scribe avec moi", und f�gte in einer
Nachschrift hinzu : �S'il m'est arriv� de manquer au c�r�monial, j'en fais mes excuses ? Votre Majest� Imp�riale, mais, foi d'honneur, ?
quarante milles ? la ronde iln'y a personne qui pourrait m'instruira" � 2 pgl. polt Anieth, ?T?aria>?liere(ia und Joseph II. Ihre Rone"fpondenz, Vd. 2, S. 20* (Wien (867). � 8 Vgl. �oser, Vriefwechfel Friedrichs des Gro�en mit Grnmbkow uni Maupertni5 (Publikationen
aus den K�nig!. Preu�ischen Staatsarchiven, Vd. 72), S, 327 (?etp3ig (898).
        
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