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Friedrich der Große am Schreibtisch

Full text: Friedrich der Große am Schreibtisch

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Pensionen, Anstellung und Versorgung. Zahlreich fini) die Beschwerden. Daneben begegnen unter anderem Dank-
sagungen f�r kleine Geschenke, die dem A�nig f�r seine Tafel zugingen; meist waren es Erstlinge des Jahres,
Fr�chte oder Delikatessen, wie z. B. Schnepfen, frische Heringe.
Zur Vereinfachung des Gesch�ftsganges wurde seit dem Jahre ein besonderes Vuch angelegt, in welches
die Aabinettskanzlei aus den minder wichtigen der einlaufenden amtlichen Berichte und aus den oben charakterisierten
privatschreiben �Extrakte f�r die wie der Eitel amtlich lautet, eintrug. Das Vuch wurde t�glich
dem R�nig vorgelegt, wahrend der ersten Jahre vermerkte Friedrich meist eigenh�ndig seine Entscheidung mit
kurzen Worten am Rande; sp�ter diktierte er sie den Rabinettsr�ten, die sich danach ihre Vleinotiz f�r die Ausfertigung
der Antwort machten.
Dank ihrer schlagenden A�rze, ihrer charakteristischen, oft drastischen Ausdrucksform haben diese Marginal
bescheide allerweitestc Verbreitung gefunden. Davon einige Proben.' Die ungest�men Bittsteller und Mahner suchte
Friedrich mit einem stereotypen �?�cienci^" zu beschwichtigen. Gesuche uni Darlehen wies er mit den Worten zur�ck:
�ich bin Rein Banquier", oder er schrieb: �Das Aan nicht Hein, ich bin der Gro�e Mogol nich." Der Buchh�ndler,
der den Titel Aommerzienrat begehrt, wurde bekannterma�en beschieden: �Buchh�ndler, das ist ein honncter Titel."
Dem Projektenmacher, der ihm einen Plan einreicht, wie er ohne gr��ere Auflagen anderthalb Millionen mehr ein-
nehmen k�nne, entgegnete er ironisch: �er 5N�gte die Millionen vohr Sich beHallen." Drastisch fertigte er Berliner
Fuhrleute, die noch Verg�tung f�r von den Russen fortgenommenc Pferde beanspruchten, mit der Frage ab:
�Gb man ihnen auch den Schaden von der Sundftuht vcrg�htigen Hol?" Die Geistlichen, die um Gehaltserh�hungen
oder bessere Stellen einkamen, wurde?: auf das Vorbild der Apostel verwiesen; so mu�te ein Prediger, namens Pels,
vernehmen: �Die Seindt nicht gewinn S�chtig gewessen Sie haben umb Sonst gepredigt, der Herr pels hat
keine apo�wlicne Schle und denket nicht das er alle g�hter in der Welt vohr nichts ansehen mus." LinDiplomat im
Reich, der �ber gar zu gro�e Nichtigkeiten berichtete, erhielt den geharnischten verweis: �er Schreibet dein Teufel ein
ohr ab er Soi nicht Schreiben als wan es der m�he Wehrt ist." Unerbittlich hielt der A�nig allen, die seiner Ansicht
nach ihre Schuldigkeit nicht taten, ihr S�ndenregister vor; so schlug er einem Vffizier eines ostpreu�ischcn Regiments
die erbetene Bef�rderung mit der Begr�ndung ab: �Das Regiment ist best�ndig vohr den Feindt gelaufen, und mus
er nothwendig allcrwegens mitgelaufen Seindt, ich avancire die Olticit^ die den Feindt geschlagen haben, aber nicht
diejenigen, die nirgend! sich gehalten haben." Denn nur, wer durch seine Leistungen, um seiner pers�nlichen Qualit�ten
willen es verdiente, sollte seiner Gnade teilhaftig werden. Daf�r bildet denn auch ein ber�hmtes Beispiel die Ablehnung
der von verwandtschaftlichen R�cksichten diktierten Bitte des Obersten von Forcade um Verleihung des Adelspr�dikats
an Wollner, den sp�teren Minister Friedrich-Wilhelms II. und Urheber des Rcligionsediktes. Die denkw�rdigen Worte,
mit denen Friedrich das Gesuch abschlug, lauten: �Das gehet nicht an, ich wan einer Sich durch den Degen
Meriten erwirbt, aber der W�lncr ist ein betrigerscher und intriganter Pfafe, weiter nichts." (vgl. das Faksimile S. HI.)
wir schlie�en mit zwei Beispielen, die auf die pers�nlichen Anschauungen des R�nigs ein scharfes ticht werfen.
Das erste best�tigt seine Abneigung, sich malen zu lassen denn zu der Bitte des Grafen Hoditz um sein Bild setzte
er das Marginal: �man Mus Ihm Schreiben Ein portret t�nte ich ihm leicht Schiken aber ob es gleichen w�rde,
da St�nde ich nicht vohr." Noch charakteristischer lautet das zweite. Als ein italienischer Professor Carlo di kavione
uni die Erlaubnis nachsuchte, seine �Lebensbeschreibung in italienischer, franz�sischer und teutscher Sprache herausgeben
zu k�nnen", erwiderte er ihm: �ich glaubte, er w�rde be�er thun zu warten, das ich thot wehre."
wir haben uns endlich noch eingehender mit der politischen Aorrespondenz zu befassen, in welcher der
amtliche Schriftwechsel seine h�chste Bedeutung erreichte, war es ja die ausw�rtige Politik, die im Mittelpunkt der
Interessen Friedrichs stand.
' Aus der Sammlung der ITTiimiiinHcn bei prru�, �Friedrich der Gro�e", Urkunden band H, 5. 222ss.
�
2 �gl. f^oIien3oUcni-
Jahrbuch S. lUhff.
� �
vgl. P. C. 2?, ?! Anm. 4.
        
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