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Friedrich der Große am Schreibtisch

Full text: Friedrich der Große am Schreibtisch

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einfache stilistische Korrektur, wenn er, den Ausdruck abschw�chend, statt �occasionna" jetzt die Worte �achemina
le plus" einsetzte: erkl�rte er doch damit, da� jene Besitznahme nur �den weg zur Teilung Polens bahnte". Und
eben die Tatsache, da� sie nur den �u�eren Anla� bildete, hob er noch st�rker durch den Einschub eines neuen Satzes
hervor, in welchem er als �principale raison", als inneren Grund, bezeichnete, man habe den drohenden allgemeinen
Krieg vermeiden wollen.
Ein lehrreiches Beispiel bietet ferner die Charakteristik Aaiser Josephs II.3m �Extrait" war bei Schilderung
der Rei�er Zusammenkunft von Ende August kurz gesagt worden: �La confiance entre les deux monarques
fut d'abord �tablie, L'Empereur t�moigna au Roi une candeur et une franchise qui fut pay�e du plus parfait
retour." Friedrich stacht in seiner Darstellung eine Charakteristik des Aaisers ein, f�r die er nur die Ausdr�cke
�candeur" und �franchise" beibehielt, wir lassen die Redaktionen in Gegen�berstellung folgen.
De la politique depuis 1763 jusqu'? 1774 De la politique depuis 1763 jusqu'en 1774(Redaktion von l??Z)': (Redastion von (779)�:
Ce jeune Prince �tait d'une candeur et d'une franchise la plus
aimable, plein de vivacit� et de gaiet�. Son �me paraissait belle, ses
intentions pures , accompagn�e d'un d�sir d�mesur� de s'instruire,
joint ? la noble ambition d'?tre utile ? sa patrie. Avec un tel
caract?re, les liaisons d'estime et d'amiti� se form?rent bient�t entre
ces deux monarques.
Ce jeune Prince affectait une franchise qui luisemblait naturelle;
son caract?re aimable marquait de la gaiet� jointe ? beaucoup de
vivacit�. Avec le d�sir d'apprendre, iln'avait pas la patience de
s'instruire; sa grandeur le rendait superficiel; mais ce qui d�notait
son caract?re plus que toul ce que nous venons de dire, c'�taient des
traits qui lui �chappaient malgr� lui, et qui d�voilaient l'ambition
d�mesur�e dont ilbr?lait. Tout cela n'emp$cha pas que des liaisons
d'amiti� et d'estime ne se formassent entre les deux monarques.
Dieser Wandel in der Beurteilung Raiser Joseph?, vor allem der Vorwurf ma�losen Ehrgeizes, der erst in
der Redaktion von I,??9 erhoben wird, findet seine ersch�pfende Erkl�rung in den Erfahrungen, die Friedrich inzwischen
gemacht hatte: der Vayerische Erbfolgekrieg lag hinter ihm, den er ja nur zu dem Zwecke durchgefochten hatte, die
Anschl�ge Aaiser Josephs auf Bayern zu hintertreiben.
Man sieht: die historischen Verke Friedrichs tragen die Signatur der Zeit, in der sie entstanden, mag es sich
dabei um Neusch�pfungen oder um Bearbeitungen fr�herer Niederschriften handeln.
Zumal f�r die fr�heren U?erke und deren Bearbeitungen f�llt endlich der Umstand ms Gewicht, da� auch
der A�nig �lter geworden war. Rund drei�ig Jahre waren verstossen, als er 5??5 an die Durchsicht der Darstellung
der beiden Hchlesischen Ariege ging, die er bereits in, Vorwort zur Geschichte des siebenj�hrigen Arieges, als
das �Werk eines jungen Mannes" bezeichnete, �der von der Zchreibsucht des Jahrhunderts ergriffen gewesen sei".'
Ko waren denn auch jene fr�heren Darstellungen auf einen mehr pers�nlichen Ton gestimmt, w�hrend bei den spateren
die kritisierende Betrachtung, der didaktische Zweck �berwiegt. Ist in jenen der Stil lebhafter, der Ausdruck drastischer,
der Bericht memoirenartiger, so sind die sp�teren Redaktionen sachlicher, imUrteil sch�rfer; es ist, als ob der Verfasser
seinen Standpunkt �ber den Dingen einnimmt. Stwas Unpers�nliches haftet ihnen an, gleichwie es schon dann zum
Ausdruck gelangt, da� von der Geschichte des �ebenj�hrigen Arieges an statt der Lrz�hlungsform in der ersten Person
die in der dritten gebraucht wird, das l^e rni an die stelle des und moi tritt. Haben derart die Darstellungen
sich in Form und Charakter gewandelt, so ist es klar, da� die verschiedenen Redaktionen, von allen sachlichen Unter-
schieden abgesehen, ihren selbst�ndigen wert nebeneinander besitzen: sie bilden wichtige Dokumente f�r die Geschichte der
Ereignisse, die sie darstellen, wie f�r die Entwicklung des von dem sie herr�hren.
Noch eine Frage streifen wir zum Schlu�: die stolze Reihe der historischen Werke, ihre verschiedenen Redaktionen
zeugen von dem rastlosen Bestreben A�mg Friedrichs, zu feilen und neu zu gestalten. Nur den einleitenden Ersten Teil
1Berlin-, Geheimes Staatsarchiv.
� 'Abgedruckt: ?uvres, Vd. *� S. 25,
�
a vgl.?uvres, 8?>. n, 5. XIII. Dem Folgenden
liegen t. von Rankes Ausf�hrungen �ber dle Redaktionen der �Histoire1de mon temps" �on (7^6 und (775 (Ueber die erst� Vearbeitung
der Geschichte der Schleichen Kriege von K�nig Friedrich U., in den Gesammelten Werken, Vd. 25, S. U5ff., teipzig \872) zugrunde;
vgl. ferner bit Anleitung von postier zur Ausgabe der �Histoire de mon temps" von J74.6 in den �Publikationen", Si�. IV,S. H3ff-
�*
        
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