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Friedrich der Große am Schreibtisch

Full text: Friedrich der Große am Schreibtisch

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allein jenes gewaltige Aufsehen erregte und zu dein russischen vorschlage der Erwerbung Ermlands durch Preu�en
f�hrte, w�hrend dieser Antrag erwiesenerma�en erst durch die Nachricht von der Einverleibung jener Gebiete in die
�sterreichische Monarchie hervorgerufen wurde, so trug Friedrich kein Bedenken, diese irrigen Angaben des �^xtralt"
in seiner Darstellung zu wiederholen. Auch er �berspringt, gleichwie der �I5xtr2ir", was zwischen jenem russischen
Vorschlage und seiner Weisung an Solnzs vom 20. Februar liegt: seine anf�ngliche Ablehnung und die sp�tere
Umstimmung durch den Prinzen Heinrich, lvas nun den entscheidenden Erla� an �olms vom 20. angeht, so sehen
wir, da� er im �Extrait" ausdr�cklich angef�hrt und der in ihm enthaltene positive Auftrag, Ru�lands Zustimmung
f�r preu�ische Erwerbungen in Polen zu gewinnen, richtig wiedergegeben wird.' In Friedrichs Darstellung hingegen
findet dieser Erla� keine besondere Erw�hnung; ja, der A�nig beschrankt sich lediglich auf die ziemlich farblose Mit-
teilung, da� Holms beauftragt wurde, �das Terrain zu sondieren".
Aus dieser verschiedenen Art der Behandlung des Stoffes erhellt der gro�e Unterschied der Darftellungen;
jene im Ministerium hergestellten Ausz�ge schilderten in chronologischer Folge, Schritt f�r Schritt, den Gang der
Dinge, der Verhandlungen zwischen den Aabinetten. Den: A�nige dagegen kam es nur auf ihren Hauptinhalt, aber
nicht auf ihren Verlauf im einzelnen an. So schrieb er schon im Vorwort zur Geschichte der beiden Schleichen Ariege
in der Redaktion von 1?H6: �Die Verichte �ber meine Feldz�ge werden nur den Hauptinhalt der bedeutendsten
Ereignisse enthalten . .. Ebenso gedr�ngt beabsichtige ich die Vorg�nge auf politischem Gebiete wiederzugeben." Den
ihm vorliegenden aktenm��igcn Bericht hob er damit auf die H�he k�nstlerischer Darstellung, die er � ein weiteres
bedeutsames Moment � mit Betrachtungen, sei es politischer, sei es milit�rischer Art, begleitete. So, wenn er im
Verlaufe der Erz�hlung der Vorg�nge, die zur Teilung Polens f�hrten, er�rtert, da� diese Teilung eben das einzige
Mittel gewesen sei, den allgemeinen Arieg zu vermeiden. Allein diese Reflexionen bildeten keineswegs, wenn man so
sagen darf, die einzige geistige Zutat von seiner Seite. Eigene Erinnerungen und Erlebnisse werden eingeflochten, die
im �Extrait" enthaltenen Angaben werden vervollst�ndigt; so findet sich erst in Friedrichs Darstellung die Erw�hnung
des sogenannten lynarschen Projektes vom 2. Februar Ferner die Charakteristiken, die er entwirft, die Wert-
urteile, die er �ber die einzelnen Pers�nlichkeiten und Handlungen f�llt: sie alle sind sein geistiges Eigentum.
Um es kurz zu sagen : jene Aktenausz�ge und sonstigen fremden Vorarbeiten, die er zugrunde legte, sie waren
doch nichts anderes als das Rohmaterial, aus dem er als �Architekt", wie er selber sich einmal nennt den kunstvollen
�gro�en Vau"5 auff�hrte.
wenn nun Friedrich seine ersten Niederschriften, wie erw�hnt, ein- und auch zweimal umgearbeitet hat, so
handelte es sich doch nicht lediglich um �u�ere Feilung, um stilistische Verbesserung. Zwar ist uns nur ein Fall
bekannt, wo er die Akten nochmals heranzog.� Aber aus dem, was wir oben aus seinen Redaktionen von
und mitteilten, geht auf das deutlichste hervor, wie er den Stoff nochmals durchdacht, wie er die Darstellung
nicht nur konzentriert und sch�rfer gefa�t, sondern auch in wesentlichen Punkten geradezu umgestaltet hat. Indem er
�ber die Besetzung der polnischen Grenzstarosteien durch die Vesterreicher berichtet, spricht er in der Redaktion von
von ihren �justes patentions" auf die Zips. Wie bedeutungsvoll, da� er in der Fassung von 1??9, das wort
�)u5te5" streichend, nur ganz allgemein ihre Anspr�che an die Zips erw�hnt und ferner ausdr�cklich hinzuf�gt, da�
die Aaiser auf die �brigen okkupierten polnifchen Gebiete niemals Anrechte gehabt h�tten. Noch charakteristischer ist
die folgende Probe. Der K�nig hatte, wie wir feststellten, 5775 in unmittelbarer Anlehnung an die Vorlage geschrieben:
Die Besetzung der polnischen Gebiete durch die Vesterreicher �verursachte" die Teilung Polens. Es war mehr als eine
1 Der nach dem �Extrait" gleichfalls im Erla� vom 20. enthaltene Vorschlag, Ru�land f�r die Ariegskosten in Polen zu
entsch�digen, ist freilich erst im Erla� vom 2?. Februar erfolgt.
� * Vgl.posner, Publikationen, Vd. IV, S. {5%. � * Vgl. p.C. 28, 8^;
?uvres, Vd. e, S. 26 und das Faksimile (Veilage VIII).
� * Im �Avant-propos" zur Ver�ffentlichung der �ltesten brandenburglfch-freu�lschen
Geschichte bis ib^o m den Berichten der Akademie von tr^6 (vgl. Vroysen, Forschungen zur Vrandenburgischen und Preu�ischen Geschichte,
Vd. (7, S. *83). � 6 Al?se Wendung gebraucht pooewils in einem Briefe vom (o* M�rz 5?H7 an den K�nig (vgl.posn�, Miscellaneen,
S. 368).
� �
vgl. posner, NNZcellaneen, S, 3\8 (Schreiben Eichels an pobcnJtls vom M�rz (7^6).
        
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