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Friedrich der Große am Schreibtisch

Full text: Friedrich der Große am Schreibtisch

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Nachfolger, Graf Finckenstem, ihm hilfreich zur Hand ging. Die Anekdote, da� die ganze erste Ausarbeitung verbrannt
und die Darstellung des Krieges darauf von: K�nig nochmals geschrieben fei1 geh�rt in dag Reich der Fabel; h�chstens
kann es sich um einzelne Partien handeln.
Gleichwie der Siebenj�hrige Krieg, so bestimmten die ferneren gro�en Ereignisse seiner Regierung Friedrich
zur Fortsetzung seiner Vrandenburgischen Geschichte. Nachdem am 5. August 1.772 der Vertrag �ber die Teilung
Polens zwischen den Aaiserh�ftn und Preu�en abgeschlossen war, befahl der K�nig, kaum von der schleichen
Revuereise heimgekehrt, am \\. September dem Grafen Finckeustein, ihn, einen Auszug aus allen VerHand,
lungen und Vertr�gen mit Ru�land und den �brigen europ�ischen M�chten anfertigen zu lassend Zu Anfang
des Jahres \?73 machte er sich an die Ausarbeitung, wie sich aus einer Reihe von einzelnen Anfragen und
weiteren Auftr�gen ergibt, die int Februar an Finckenslem ergingen.^ Auch die beiden Kapitel, die, �hnlich wie
in dem einleitenden �Ersten Teil der Vrandenburgischen Geschichte, Finanzen und Milit�rwescn gesondert behandelten,
wurden damals verfa�t.^ Als Friedrich zwei Jahre sp�ter zur Fortsetzung schritt', go� er zun�chst die altere
Darstellung von \763 bis *772 in eine neue Form. Am ;8. Februar ;??5 war das Kapitel �De la politique
depuis jusqu'? beendet.
Nachdem der K�nig derart die Vrandenburgische Geschichte bis zum Jahre fortgef�hrt hatte, geschah
nunmehr das Au�erordentliche: er entschlo� sich, fein gesamtes Werk von an einer neuen Durchsicht zu unter-
werfen. Es wiederholte sich damit der Vorgang von 5?H6, als er nn Anschlu� an die Darstellung des Zweiten
Schleichen Arieges die vier Jahre zuvor verfa�te Geschichte des Ersten Schleichen Krieges einer Neubearbeitung unterzog.
So nahm er denn auch jetzt, im Sommer ;??5, die Redaktionen von ;?H6 vor, um sie neu zu gestalten. Ueber
seine Motive sprach er sich zu Voltaire in einem Schreiben vom Juli� dahin aus: �Ihr Vrief hat mich milder
Feder in der Hand angetroffen, bei der Torrectur alter Memoiren, die Sie, wie Sie Sich erinnern werden, ehemals
in wenig correctem, schlecht corrigierten und schlecht gearbeiteten Zustand gesehen haben." Er verglich sich mit der
V�nn, die ihre Jungen leckt; so suche auch er seine Arbeiten zu �gl�tten". Dann fuhr er fort: �Gin Unterschied
von drei�ig Jahren macht cs schwieriger, sich selbst Gen�ge zu leisten"; er wolle nicht, da� seine Arbeit schlecht fei.
1Diese Anekdote st�tzt sich in erster finie auf eine Notiz des Vorlesers de �Hatt, der in ein pou Feuer besch�digtes und ange-
fou�tes, heute imHohenzollern�Museum aufbewahrtes Exemplar der �R�flexions morales de l'Empereur Marc-Antonin" (tome T, Amsterdam 1740)
eingetragen hat: ,,Ce pauvre Marc-Antonin a �t� br?l� sur la table du Roi en novembre 1763. L'histoire de la derni?re guerre que
Sa Majest� avait enti?rement finie, fut d�vor�e par les flammes avec tous les mat�riaux sur cette m?me table. Sa Majest� me donna cet
Antonin pour souvenir de l'incendie et de la perte qu'elle avait faite." Danach w�re die erste Niederschrift schon im November �ganz und
gar" fertig gewesen. VaFriedrich nun aber am Ende des mis vorliegenden Manuskripts als Schlu�termin den {7.Dezember ;?62 bezeichnet
hat, m��te die neue Niederschrift im Zeitraum eines ��?onats verfa�t sein. Das ist undenkbar, um so mehr, als ja auch alleMaterialien
verbrannt sein sollen. , an dem er den �Avant-propos" beendete,
neugeschrieben, oder es handelt sich um ein ganz anderes Werk. F�r letztere Eventualit�t spricht eine Notiz aus Catts Memoiren, wo
ebenfalls von einem Vrande die Rede ist. Als eines der Manuskripte des K�nigs, das dabei Zugrunde ging, bezeichnet er �la premi?re
composition des m�moires de mon temps", eine Angabe, die mit einem gewissen Grade der Wahrscheinlichkeit bereits auf die erste Nieder�
schrift des Ersten Schleichen Krieges von W\2 gedeutet worden ist. Man sieht: beide Angaben Catts, sowohl die Notiz in den �R�flexions",
wie die in den Memoiren, sind apokryph; noch weniger kommen die �brigen, uns noch �berlieferten Zeugnisse inBetracht, da fie nur auf
m�ndlichen Mitteilungen Catts, die ganz unm�gliche Zeitbestimmungen enthalten, oder auf H�rensagen beruhe�. Vgl. Pilmar, 5. 5�1,3;
Koser, Unterhaltungen mit Friedrich dem Gro�en. Memoiren uud Tageb�cher de (Catts, S. 28 \ Ann�, und S. W\f. und Historische Zeit�
fchrift,Bd. 52, 5.H<15 Anm. 2 und wiegand, Die Dorreben Friedrichs des Gro�en zur Histoire de mon temps, S. 37. Anm. 2 (Stra�burg
�
2 vgl. �politische Corresponde�) Friedrichs des Gro�en" (k�nftig zitiert: p.L.), Vd. 32, S. 47k. �
*
vgl. p. C, Ad. 53, 5, 363, 30*.
Eigenh�ndig schreibt der K�nig am y.Februar J773 an Finckenstein: �11 me faut les dates pour un ouvrage dont je m'occupe pr�sentement."
Diese Niederschrift von N?) ist nicht erhalten. � *Die Revision von (779 (vgl. unten S. 30) geht nach Friedriche vermerk am Schlu�
der Handschrift auf die Niederschrift von 1775 zur�ck (vgl. ?uvres, I5d. 6, 5. 109 und Droyfen, Beitr�ge, Teil II,S. 25). � B Die Order
vom Januar !??5, in der Friedrich die Fortsetzung der Aktenausz�ge von an befahl, ist abgedruckt in VroysenZ �Beitr�gen",
TeilII, 5. 22. � " Vgl. ?uvres, Sb. 23, 5. 234.
        
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