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Friedrich der Große am Schreibtisch

Full text: Friedrich der Große am Schreibtisch

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Gleichwie an seine Poesien, hat er auch an seine �brigen literarischen N?erke unerm�dlich die bessernde
Hand gelegt. So unterzog er die �M�moires", als er fie in den Akademiebcrichten druckte, einer Umarbeitung von
allerdings vorwiegend stilistischer Art; so hat er auch jetzt, als er die Gesamtausgabe des Ersten Teiles zum Druck
vorbereitete, unerm�dlich gebessert, kr �nderte an vielen Stellen den Text, sei es, da� er ihn neu entwarf oder aus
Vruchst�cken der alten Fassung wieder zusammensetzte; die Biographie Georg -Wilhelms wurde �umgegossen"^ und
gleich der des Gro�en Aurf�rsten erweitert. Graf Algarotti und Freund Maupertuis erhielten den tCcrt zur Durchsicht.
Nur allgemein spricht Friedrich von �trefflichen Bemerkungen" des ersteren; auch �ber Maupertuis' Teilnahme sind
wir nur ungenau unterrichtet. Nahm der K�nig einmal eine grammatikalische Korrektur an (vgl. bas Faksimile S, 26),
so lehnte er in einem anderen Falle Aenderungen ab. 2
Der Druck der �M�moires'* begann; er war bis zum 28, Bogen fortgeschritten, da wurde er am 22, August \750
fifttert. Denn inzwischen war Voltaire in Potsdam eingetroffen, und gleichwie die �?uvres du Philosophe de
Sanssouci", unterbreitete Friedrich die �M�moires" feiner Antik. Ueber den ersten Eindruck, den der Franzose von
den Werken des K�nigs empfing, sagte er in dem bereits erw�hnten Briefe an den Grafen d'Argental: �Seine profa
gilt feinen Versen mindestens gleich"; und er erkl�rte: �Seine Vrandenburgische Geschichte wird ein Meisterst�ck fein,
wenn er sie sorgf�ltig durchgesehen haben wird."^
Vie Randbemerkungen des Franzosen finden sich auf den Druckbogen, von denen 2^ uns noch erhalten ftn�4;
diese reichen bis in die letzten Jahre es Gro�en Aurf�rsten. Nachdem wir bereits anl��lich der Revision der
�?uvres du Philosophe de Sanssouci" das kritische Verfahren Voltaires analysiert und charakterisiert Habens
gen�gt hier die kurze Wiederholung, da� er �hnlich lobte und tadelte; grammatikalische Aorrekturen wechseln mit
stilistischen Noten und sachlichen Anmerkungen. Vald verh�lt sich Friedrich ablehnend, bald nimmt er die Verbesserungs-
vorschl�ge w�rtlich, bald nur dem Sinne nach an. Auch hier m�ge ein Beispiel das soeben Ausgef�hrte erl�utern
(vgl. das Faksimile S* 28). Friedrich hatte das Kapitel �ber den Gro�en Rurf�rsten mit den Worten begonnen:
�Fr�d�ric-Guillaume naquit ? Berlin le 6 de f�vrier 1620. Il re�ut le nom de Grand, et ill'�tait effectivement."
Dazu bemerkt Voltaire mit leiser Ironie: �IIsemble quil eut le nom de grand au berceau, comme louis 14 celuy
de deodatus. Ilme semble quon pouroit attendre pour luy donner ce nom le temps ou ille m�rita, ainsi dans
lhistoire de louis 14 je dirois quil re�ut le nom de grand en 1680." Dann macht er folgende Verbesserungsvorschl�ge:
�Si on veut donner le nom de Grand ? federic Guillaume des les premi?res lignes ne pouroit on pas dire:
Fed. Guill,, surnomm� le grand et qui m�rita ce titre
ou: Ses vertus ont m�rit� le nom de grand
ou: digne du nom de grand que ses peuples et ses voisins luy ont donn�
ou: ".
Der K�nig w�hlte den letzten Vorschlag und korrigierte: �II�tait digne du nom de Grand que ses peuples et ses
voisins lui ont donn� d'une commune voix." Hervorzuheben ist ferner noch a?s bezeichnend f�r Friedrichs Methode,
da� er auf Zweifel, die Voltaire an der Richtigkeit einiger Angaben erhob, sich an po�et�ils um Aufkl�rung aus
den Akten wandte und dann tatf�chlich in einem Fall nach der erhaltenen Auskunft seine Darstellung erg�nzte.
Im wesentlichen blieb die Fassung der .M�moires", soweit wir Voltaires Mitarbeit verfolgen k�nnen,
unver�ndert; nur einzelne Lichter, wie treffend bemerkt worden ist, wurden ihr nachtr�glich aufgefetzt. Gb und wieweit
der Franzose an der Durchsicht der letzten Rapitel beteiligt war, ist nicht mit Sicherheit zu entscheiden; soviel steht
jedenfalls fest, da� der A�nig sie zum Teil eingehend umgearbeitet hat. Der Druck dieser endg�ltigen revidierten
Fassung wurde im September von neuem begonnen und im Juni ;?5^ beendet, seitdem hat der A�nig an
die .M�moires" die Hand nicht wieder gelegt.
1 Friedrich an Nlaupertuis, M�rz 4750 (vgl.Roser, Briefwechsel mit Grumbkow und MaupertuiZ , 5. 250- � 2 Friedrich an
�l�aupertuis, 5149 und Mai (750 (vgl. Roser, Briefwechsel mit Grumbkow und M�UpertuiZ, 3. 257 und 25*). � 8 vgl. oben S. 17. �*Heute imHohenzollern-Museum aufbewahrt. Posner li�t die Randnoten mitgeteilt in den �Miscellaneen", S. 262� � 5 Vgl.oben 5, \7,
5"
        
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