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Friedrich der Große am Schreibtisch

Full text: Friedrich der Große am Schreibtisch

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feilt Vorwurf trifft. Sein �Geist", so lesen wir,
Gedichte sprechen l��t:
Doch du erwiderst mir: �liebst holde weisen int,
�Wenn �berm�chtig dich der Genius mit sich rei�t,
�Frei kannst du folgen dem, was Freude dir verhei�t,
�G�nnt von Gesch�ften m�d' der K�nig dir die ��iib.
erwidert ihn� darauf, oder, wie Friedrich ihn in dem
�So mancher gro�e F�rst f�ngt, �m sich 311 ergeben,
�311 feinem tant� das !l>tfb mit ausgespannten Netzen.
�5o darfst auch du, die tangeweile zu vertreiben,
�Auf St�fjc pou papier zahllose Verfe schreiben,"
Auf eins ist endlich noch hinzuweisen: schon in seinen ersten Anfangen erkl�rte Friedrich, da� es ihm
Vergn�gen bereite, eine ZRajime trotz der durch das Versma� gezogenen engen Grenzen in Reime 311 bringen; sp�ter
sprach er von dem �Reiz der position", der ihn fessele 1; ja, in dem Vorwort zur Ausgabe der �Po�sies diverses"
ist geradezu gesagt, er habe das Vergn�gen lediglich darin gesucht, �die Schwierigkeiten zu �berwinden".^ wollte
man aber daraufhin annehmen, da� er in seiner dichterischen T�tigkeit nur eine Art geistigen Exerzitiums gesehen
habe, w�rde man doch irren; denn wir d�rfen nicht verkennen, da� das Vorwort von {760, worin diese Behauptung
mit d�rren Worten aufgestellt ist, apologetischen Charakter tr�gt. Gewi� hat Friedrich auf die formale Seite seiner
Dichtungen starkes Gewicht gelegt, wie das ja auch der bei Voltaire genommene Unterricht zur Gen�ge beweist, aber
gleichzeitig hat er doch in seinen Poesien die Gelegenheit ergriffen, sich �ber alle Themata zu ergehen, neben satirischen
Schilderungen seiner Zeit seine praktische Lebensweisheit und seine philosophische Weltanschauung in ihnen niederzulegen 3,
�
nicht um ein festes Lehrgeb�ude zu errichten, wo planm��ig Stein an Stein sich f�gt, sondern, wie Caune und
Stimmung es ihm eingaben, gleichwie er in einem Briefe an Voltaire4 es ausgesprochen: �Meine Werke sind wie
Tischgespr�che, wo man laut denkt, ungeniert spricht und keinen Widerspruch �belnimmt."
Der Historiker
Im ersten Jahrzehnt seiner Regierung verfa�te Friedrich �Vie Vrandenburgische Geschichte" (^'niswil-e 6e
Nran^dnui-F), die, mit den �ltesten Zeiten einsetzend, von: an ausf�hrlicher wurde und bis zur
unmittelbaren Gegenwart, bis zum Dresdener Friedensschlu� von� 25. Dezember f�hrte. Aeineswegs stand indessen
mit den: Augenblick, da er die historischen Arbeiten aufnahm, dieser Plan in ihm fest; er gewann vielmehr erst
allm�hlich ,diese Ausgestaltung.
Das erste, was Friedrich schrieb, war die Darstellung des Ersten Schleichen Krieges, an die er im
November ging, wie kam es dazu?
Noch am Oktober des Jahres hatte der A�nig an Voltaire die Aufforderung gerichtet, die Geschichte des
�gegenw�rtigen", des Gesterreichifchen Erbfolgekrieges, zu verfassen, h�tten doch seit der Schlacht bei pharsalus niemals
gr��ere Interessen auf dem Spiel gestanden: �es handelt sich", so f�gte er erl�uternd hinzu, �um die Frage der Vor-
herrschaft der beiden m�chtigsten H�user des christlichen Europa." Dann aber entschlo� er sich, diese Aufgabe selber
auszuf�hren, und zwar war es nach seinen� eigenen Vekenntnis Voltaire, der ihm dazu den Ansto� gab; denn Friedrich
er�ffnet ihm an: November: �Sie haben mir so gro�en Geschmack an der Arbeit eingefl��t, da� ich eine Epistel,
eine Aom�die und Memoiren schreibe."^ Im besonderen verdankte er diese Anregung dem �I^552i Lur les rnc^rs
et l'�crit 6e3 N3,twn5", dessen ersten Abschnitt ihm Voltaire eben damals mitgeteilt hatte."
1 Friedrich an Grumbkow, 5. Februar {752 (vgl.Kofet, Vriefwechsel mit Grumbkow und �l�aupertuis, S. 26); an H?�fielmme,
22. November (755 (vgl. ?uvres, 33b. 27, Teil I,S. 278). � * vgl.?uvres, 8&. \o, S. XVIII.� 3 Val.�oser, K�nig Friedrich der Gro�e,
Sb, I, S. *97ff. � * vom f.Mai H76O (vgl. fKuvres, Vd. 23, 5. �>). � 5 Friedrich an Voltaire, (3, Vktober und (5,November (7^2
(vgl. Roser und Vroyfen, Vriefwechsel, Vd. il,S. 552 uni� S. \59). Vie am i5. erw�hnte Kom�die war bas lustfpiel �Lesioge de 1� mqde",
bas er anl��lich der Verm�hlung seines Freundes Aeyferlingk verfa�te.
� �
Nach Voltaires Mitteilung vom 29. August v?^2 (vgl. Kofer
und Droysen, Vriefwechfel, Sb. H, 5. fHtz) war am 20. der erste Abschnitt an Friedrich aus paris abgesandt; am ;2. Oktober und dann
am 15, November schreibt ihm der K�nig �ber die Lekt�re dieses Werkes.
        
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