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Friedrich der Große am Schreibtisch

Full text: Friedrich der Große am Schreibtisch

8er in der Anwendung der Interpunktion; fast ausschlie�lich gebraucht er das domina, bas auch Zur Trennung der
einzelnen S�tze voneinander dient. *
willman nun einmal diesen Ma�stab anlegen, so bleibt freilich die Tatsache bestehen, da� feine Sekret�re
das Franz�sische orthographisch richtiger schrieben als der K�nig und � dieser Umstand entbehrt nicht des komischen
Veigeschn,ack5, �- nicht blo� korrekter als Friedrich, sondern, nach feinen Schriftproben in den Randbemerkungen zu
Friedrichs Werken (siehe unten) 511 urteilen, korrekter auch als Voltaire selbst.
Der poct
Alit zehn fahren, so wird uns berichtet-, hat Friedrich einen Roman verfa�t, mit fahren die ersten Verse
geschrieben. Von diesen Erstlingswerken hat sich keine Zpur erhalten. Erst mit dein )ahre mit der A�striner
Zeit setzt seine eigentlich? poetische T�tigkeit ein oder, wie er selbst sich ausdruckte^ das )ahr f�hrte den �ersten
Fr�hling" herauf, den er �am Fu�e de5 f)arnassu5" verlebte.
Das Ergebnis dieses ersten Jahres war bereits reichhaltig. 4 Wir wissen von zwei umfangreichen Gden, die
er au seine Aeblingsschwester wilhelmine richtete; feinem Vetter Markgraf Karl von 3chwcdt sandte er ein Huldigung^
carmen, sowie eine satirische Epistel, in der er seine Umgebung portr�tierte. 3n dieselbe Zeit f�llt auch eine Gde an
die Generalin Eleonore von N)reech, der er ein feuriges Gest�ndnis seiner Tiebe darbrachte, nebst einigen �Stanzen",
in denen er dasselbe Thema behandelte. Dazu kommen endlich noch einige kleine wieder und Gclegenheitsst�cke.
Nachdem der poetische 3chaffen5trieb einmal erwacht war, sehen wir dann die F�lle der Dichtungen in
ununterbrochener Folge aus seiner Verseschmiede hervorgehen. Viele Verse finden sich in zahlreichen seiner Vricfe, wo
f)oesie und f)rosa in bunter Reihe miteinander wechselten.
In der Zeit seines Dichtcrfr�hlings hat Friedrich das Bekenntnis abgelegt, �er w�re ein gro�er Poct geworden,
er k�nne in zwei Stunden hundert Verse machen". -^ Es war ein unbek�mmertes, frisch fr�hliches Schaffen, in dem
sich der junge Aoet gefiel, mag er sich wohl auch gelegentlich �ber die Not beklagen, welche die dichterische T�tigkeit
ihm bereite. So berichtet er iu den Anmerkungen, mit denen er die dem Markgrafen Aarl 1,75^ gewidmete �Epistel"
begleitete: fie fei das Werk vierzehnt�giger Arbeit; urspr�nglich habe sie ein ganz anderes Aussehen gehabt, und nur
einige Partien davon habc er dann beibehalten und zu einem Ganzen verbunden. Er verschlie�t sich nicht den M�ngeln,
die dem Werke noch anhaften, indem er darauf weiter ausf�hrt: wahrscheinlich werde das Gedicht hinter den
Erwartungen des Empf�ngers zur�ckbleiben, sei er doch selber nicht damit zufrieden. �Ich finde," so bemerkt er in
ehrlicher Selbstkritik, �es ist nur ein bunt zusammengest�ppeltes Flickwerk von verschiedenartigem Gepr�ge ; die lieber-
g�nge sind schwerf�llig; viele Verse sind schlecht." Diese Aritik ist sogar zum Teil in das Gedicht selbst aufgenommen:
33ei meinem Uerfcfdjmie&eu
rcr�ii&r' ich Vers um fers und bin. doch nicht zufrieden.
Glaub' ich, es fei ein Vers vortrefflich ausgekl�gelt,
Schlecht ist er bciiiiocli, und fein Schicksal ist bcfiegelt.
Was mir rom schlechten noch am heften porgcfonimni,
I)ci5 wird behobelt 1111& gefeilt ulid aiifcjtMiommcn,
?in I'�ss� Flickwerk ist'^, bas fet�c ich mit Pein,
Bie Pcrfc sind an sich norfj holprig obcnbrciti.
1 So hat auch das Komma auf ber Inschrift �ber dem Haupte ingang von Schlo� Sansfoiici lediglich die �?cbnitiuig eines CienmuitjS'
5eichc�5 zwischen beiden Worten. � " Tagcbuchanfzeichnnng seines Vorlesers Eiu-djefini vom \\, November \tno (vgl. Nischoff, Gespr�che
Friedrichs des Gro�en mit H< de Catt ni,d dem Marchese furd^ffttt, 5. Leipzig i8Hr>). � " Vgl. tHuvres, 35d. \\, 5. 37. �* Ogl. den Uobeiblick im t^ohenzolleril Jahrbuch S. \8sf. 'vgl. F�rster, Fiicdrich'wilhclm I., Vd. 3, f. 7f> (Potsdam (835). �" Abgedruckt: l?ohcn,;ollern Jahrbuch Wfl� -� 20 *ff-
        
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