Path:
Miscellanea Zollerana

Full text: Miscellanea Zollerana

268
gebruefet, wann sie sich, muthwilliger weise, mit ihm eingelassen, und
er sie mit denen beyden vorderen F�ssen so 311 packen bekommen, da�
er dieselben umarmen tonnen. wann er unter 6 und 8 grosse Hunde
gerieth, schlug und ri� er sich allemal heraus. Manchmal kam er
denen Grenadiers, wann sie sich vor dem Quartier ihres Kapit�ns
stelleten, und das Gewehr an die wand des Hauses gelehnt hatten,
in solches Gewehr, bas er folglich umwarsf, auch sonst mancherlei
Unordnung in der Stadt anrichtete. Ja einstmals ist es gesehen, da�
er in ein Haus geschlichen und in eine offen gestandene Cammer,
wo er sich in der Magd Bette geleget. Diese nun gehet des Abends,
ohne licht, in die Camer, ziehet sich aus und steiget in bas Seite,
wo sie diesen sch�nen Schaff- eilen findet. Dar�ber ist sie Anfangs
vor schrecken ganz bet�ubet, und machet ein tiges Geschrey. Aber
der B�r kehret sich ait Nichts, sondern bleibet gan^ ruhig im Bette
liegen, bis er mit priigel heraus gejaget wird, wann nun dieses
blinde und unvern�nftige Chier den K�nig an der Stimme geh�ret,
ist es jederzeit 311 ihm gegangen, und hat ihm gantz au�erordent-
liche Caressen erwiesen, welches dasselbe sonst keinem Menschen
gethan. Er hat ihm die Vorderbeine um den Hals geschlagen, auch
5r. Majest�t sonst seine Jtiebe und Freundlichkeit auf alle Art und
weise zn erkennen gegeben."
um die Herrschaft Sanbitteu gerinn, de� Raubtieren m�t einem
Wolfszeuge und der �Folge in die K�nigliche Wildni�" Abbruch 311
tun. In den Jahren 1727 unb i?28 wurden in s�mtlichen wild"
bahnen (\{ B�ren gesp�rt, darunter 55 starke. Der preu�ische
JagdZeugmeister hatte (724 98 B�renh�ute an den Hof nach Berlin
expedieren lassen, Solange noch der Monarch Vergn�gen an der Hatz
und am Kampfjagen in den Hetzg�rten 311 Berlin und K�nigsberg
findet, ist nur schwer die Erlaubnis zum Abschu� 311 erlangen; 311-
nehmendes Alter, Gicht und Podagra des Monarchen werden f�r
Meister Petz aber gef�hrlich. Kaum werden aus den Remtern Gletzko,
polommen, Czichen und Stradonnen Klagen laut, so erfolgt schon die(Erlaubnis zum Abschu�.
Gehetzt ist aber, selbst in den letzten Regierungsjahren de?
K�nigs, recht t�chtig im K�nigsberger Hetzgarten. Interessant sind
die Nachrichten �ber die Versendung in Preu�en gefangener B�ren
nach Berlin und �ber die Wartung und Pflege der Tiere imdortigen
Hetzgarten und in der Menagerie. Wie es an den meisten gr��eren
HIfen Sitte war, so unterhielten auch die Hohenzollern im Berliner
Hetzgarten eine Anzahl gr��erer ausl�ndischer Raubtiere und in
Charlotten b�rg eine Voliere fremder Zierv�gel. wenn ja auch schon
5695 in Berlin ein Amphitheater f�r Kampfspiele erbaut war, die
Anf�nge der �Menagerie" datieren erst von ;?05>. 3M diesem Jahre,
am 27. August, wird der von fremd her zugereiste Friedrich Schlesing
als Menageriemeister mit 200 Caler Gehalt und !Caler Rostgeld
f�r einen zur Wartung der Tiere anzustellenden Menschen engagiert.
Vorl�ufig ist Schlesing nur die pflege der in Charlottenburg unter-
gebrachten Kanarienv�gel, indianischer Haben und anderer V�gel
anvertraut gewesen. Graf Wartenberg kaufte bann (rO7 vom towen'
meister Philipp Hoetten in Amsterdam L�wen und Tiger, auch eine
t�wenkatze, durchschnittlich die gr��eren Tiere zum Preise von
500 Caler. Nach des K�nigs Tode gehen auf Veranlassung des
Gberj�germeisters Samuel von ?;ertefelbt t�wen, Tiger und der
Auerstier aus dem Hetzgarten als Pr�sent nach Dresden an August
den starken. Die �berbleibenden vier schwarzen B�ren wurden bei
Gelegenheit der Anwesenheit der Markgrafen von Schwebt totgehetzt,
da der Hetzgarten aufgelaffen und samt dem J�gerhaus? der Garnison-
Verwaltung zur Errichtung eines Hospitals �berlassen worden war.
Zwei Eisb�ren sind noch mehrere Jahre in einer Scheune am Wasser
bei der Grotte gehalten Korben;der Hauptb�r kam sp�ter als seltenes
Schaust�ck in die K�nigliche Kunstsammlung, als Geschenk ging der
Ueberlebende nach Kassel. Mehrere Stachelschweine wurden im Grune-
wald ausgesetzt, um 311 sehen, ob sie etwa selbst ihre Nahrung suchen
und sich vermehren w�rden. 3m Jagdschlo� Grunewald unter*
gebrachte Steinb�cke sind ebenfalls inder Spandauer Heide freigelassen
worden; tats�chlich hat der K�nig den �schwarzen Satan", allerdings
vergeblich, parforce gejagt.
Nach Wusterhausen sind nur jung aus dem tager genommene
Tiere gekommen, so \727 gleich eine ganze Ladung, 8 St�ck, \72<)
sechs, (732 noch zwei. Von diesen kleinen Vurschen berichtet Fa߻
mann, da� �als ich Nachts zwischen cylff und zw�lss Uhr bey Hellem
Mondschein �ber be� Schlo�-Hof ging, von etlichen kleinen fchwartzen
M�nnergen umgeben war, die be? mir herum trotteten, bis ich
merkte, da� es keine Teufelgen, sondern junge B�ren waren."
Fa�mann hatte vermutlich in gro�em Suff den Heimweg angetreten.
Der letzte Transport ostpreu�ischer V�ren d�rfte l?26 hatte der Oberforstmeister Brandt von
lindau zu Ehren des K�nigs Petze f�r die Kampfjagen fangen
lassen; 575; standen noch 6 V�ren und ein starker Auerstier im Hetz-
garten. Interessant ist ein Scherz, den sich Vrandt von Lindau mit den
K�nigsbergern erlaubte, und �ber den der K�nig weidlichgelacht haben
wird. Von Italischen berichtet ;?23 Vrandt: �Da� ich im Hetz<
garten eine Hetze mit dem einzigen vorhandenen V�ren, der noch
dazu zahm, aber von den Zuschauern vor wilde angesehen ist, an-
gestellt und 222 Thaler dabei an Gelde eingenommen worden, und
ob mit dem neulich eingefangenen Hauptb�ren eine Hetze angestellt
oder bis Zu Gw. Majest�t Ankunft gewartet werden soll:".
Wenn sich noch sp�ter Mitteilungen �ber nach Verlin ge-
schickte V�ren finden, so handelt es sich nur um Komplettierung des
Vestandes im Wusterhausen er V�renzwinger. welche Rolle Meister
Petz dort gespielt und wie die Mitglieder des Cabaks-Kollegiums
mit ihnen die armen Hofnarren ge�ngstigt haben, ist ja bekannt.
Mit dem Tode des K�nigs h�rte die Existenzberechtigung des
Hetzgartens aus; gleich nach dem Regierungsantritt �u�erte Friedrich
der Gro�e dein Vberj�germ elfter Grafen Schlichen feine Ansicht:
�Mein :Auf Eure Vorstellung ist Euch hierdurch inAntwort,
da� da Ich an dem V�ren Hetzen kein plaimr finde,Ihr veranstalte�
sollet, da� die im K�nigsberger Hetz Garten befindlichen V�ren nur
Todt gemachet werden. So frage Ich auch nicht vielnach der ElendtZ
Jagdt, sondern Ihr sollet nur hinschreiben, da� gegen meine Hinkunft
nach Preu�en etwas von Elende gescho�en und mir die Knochen davon
gela�en werden sollen." Der K�nig liebte nHmlich aus Elchmark
bereitete, scharf gew�rzte Kl��e. 5754 wurde der Hetzgarten aufgel�st.
Fa�mann gibt inseiner Viographie des K�nigs eine anschauliche
Schilderung von den braunen Vestien, die ihm und seinem Vorg�nger
Gundling �fters das leben recht verg�llt haben: �Dann erinnere
ich mich eines V�ren, der 3e. Majest�t den K�nig vollkomm wohl
gekannt, ob er gleich stark blind gewesen. Dieser V�r war sehr gro�
und alt. Er ging in der gantzen Stadt Potsdam auf denen zweyen
Hinterpfoten herum, und eine jedwede von denen beyden vorderen
Pratzen war ihm halb abgehauen. Auch hatte man ihm die Z�hne
ausgebrochen, und er war also gr�fften TheilZ au�er Stand gesetzet,
wirklichen Schaden zu thun. Doch hat er bisweilen Leute sehr
Nur wenige Mitteilungen �ber in Vstpreu�en erlegte V�ren
finden sich aus der Ieit des Gro�en K�nigs; aber als Standwild
        
Top of page

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.