Path:
Miscellanea Zollerana

Full text: Miscellanea Zollerana

267
Vie Ausrottung der V�ren in Frentzen. ?in
Beitrag zur IaZdZeschichte der Hohenzollern von
Franz Genthe.
sehen, ob Sie sich daselbst auch halten und vermehren werben." (Ein
etwas absonderlicher Entschlu�. Ver biedere ostpreu�ische J�ger-
meister brauchte sich wegen der paar lumpigen Viecher nun wahrlich
feine grauen Haare wachsen lassen, das Herzogtum Preu�en war ja
leider mehr wie zuviel mit B�ren, luchsen und Wolfen gesegnet.
�St. Kurf�rstliche Durchlaucht Herr Johann '5igismunb scho� \6\7
in diesem gesegneten lande \<)<)o St�cken wild, unter Hirschen
einen ender mit einem Gewicht von 7 Zentner 75 Pfund, 6 B�ren,
36 Elche, 9^s Sauen, 22 Wolfe, 3 Auerochsen (der Gchse hat gemage�
?^V�Zentner) und � einen G�nsegeier; ,5559 sogar kam die Strecke
auf 2235 St�ck, Was w�rde ein Rothschild nach Vismarcks Ansicht
heute wohl daf�r anlegen ? Und Reinhard von Halle f�gt bei einer
Zusammenstellung des dein Hofk�rschner gelieferten Rauchwerks:
,,Summarum von (6(2� (625 geliefert \O{Bieber B�lge, 692 Wolfs
B�lge, N Tuchs B�lge, 22 V�hren Heuthe," � ganz trocken hinzu:
�Ghne wassIhro Churf�rftliche Vurchlaucht Selbst enpfangen uudt
weggenommen haben."
Heinrich von poschinger ver�ffentlicht in feinem unl�ngst er-
fchieuenen Werke: �Bauj�eine zur Bismarcr^Pyramibe" eine Unter-
redung des Alt"Reichskanzlers mit einigen Parlamentariern �ber den
wert der Aufforstung auf de� G�tern in den alten Provinzen.
Auf die Frage des jetzigen Vizepr�sidenten des Herrenhauses, �tto
Don Mauteuffel, der Wald gebe doch erst der dritten Generation Er-
tr�gnisse, antwortete Bismarck: �Wenn erst gr��ere zusammenliegende
Fl�chen mit dichten Schonungen bedeckt sind, zieht sich Rotwild nach
bort, vielleicht sogar W�lfe, auch B�ren, und bann kommen Roth-
schild, Vleichr�der und Hansemann und pachten uns die Jagd f�r
Betrage ab, die wir nie und nimmer aus dem d�rftigen Roggen-
boden bitten erzielen k�nnen."
(Sut gesagt: W�lfe, auch B�ren! weiter fehlte ja nichts zu
lmferem Gl�ck. ?s hat recht lange gedauert, bis unser liebes deutsches
Vaterland, und ganz besonders Norddeutschland, von dem rei�enden
Zeuge endg�ltig befreit wurde.
Ulan kann bald nach dem Regierungsantritt des Gro�en Kur*
surften den B�ren in den alten hohenzollernschen landen als aus-
gestorben betrachte,,, wenn ja auch noch unter Friedrich-Wilhelm I.
inPommern, inder Neu- und Mittelmark j�hrlich ein bis zwei B�ren
zur Pr�mie angemeldet wurden; ich halte sie bann meistens f�r
wechfelwild aus de� polnischen landen, wie wenig der B�r von
den Forstbedienten als sch�dlich f�r den wildstand und die land-
Wirtschaft angesehen wurde, geht {?\6 aus einem Bericht des Heide,
reiters Mu� in Cartzig hervor: �Den gesp�rten B�ren habe gehen
lassen und mich an die zwei W�lfe gehalten"; im folgenden Jahre
hei�t es bann aber im Vericht: �\ V�hr gefangen und im Zeuge
todtgeschossen." (727 wurden in der Neumark, im pyrehnofchen und
Drieseufchen Revier, nur noch 3 B�ren als gesp�rt dem K�nige ge-
meldet. 3n Pommern uud in der Neumaik sind dann aber noch bis
1.750 fast allj�hrlich einige St�cken zur Strecke gebracht. m Winter
(755 scho� in der N�he von Schlama der F�rster Venkert den letzten
�Schwarzzahn" im Mutigen Regierungsbezirk K�slin. Vie letzte
B�renjagd inPommern ist originell verlaufen und schon dadurch
interessant, da� der B�r nicht im Walde, sondern im Wasser von
einfachen Fischern erlegt wurde.
Unter den drei Arten von gro�en Raubtieren, die im laufe
der verflossenen Jahrhunderte die deutschen W�lder unsicher machten
und erst um rund 5 600 als Standwild verschwanden, nahm Meister
Petz seinen Xonkurrenten walf und luchs gegen�ber in jeder Ve�
Ziehung die hervorragendste Stellung ein. Das Volk betrachtete ihn
als Respektsperson und nannte ihn nie mit dein Namen, sondern
freundlich schmeichelnd �Schwarzzahn" oder �5u�fu�". Die Varen�jagd geh�rte in Veutschlcmd zur hohen Jagd oder galt sogar noch
mehr, denn sie war bei der Verleihung der hohen Jagd nie mit ein-
begriffen. Vie Herren von Riedesel inHessen 3. B. wurden mit der
B�renjagd eigens �inv^tirt"und der Kurf�rst Iohann�Georg von
Vrandenburg behielt sich die Jagd auf V�ren bei Jagd belehnungen
meistens vor. In Vayern geh�rte der Varenkopf und die rechte
�Hand" der Herrschaft, die linke dagegen dem Pfarrer, der der Jagd
beiwohnen mu�te.
Im (6. und ist der V�r in Norddeutschland
noch stark vertreten gewesen. F�r Preu�en habe ich feiner Zeit
nach den Akten de? Geheimen Staatsarchiv� ans der ersten H�lfte
des 8. Jahrhunderts eine genaue Zusammenstellung der im Zeit-
raum von 15 Jahren, von (723 bis (737, erlegten B�ren ver-
�ffentlicht; (^7 wurden in der ganzen Monarchie zur Pr�mie an�
gemeldet, 8 noch in Pommern, in der Neu- uud Mittelmark. Die
Hohenzollern haben im (5 ;b. und (7. Jahrhundert die B�renjagd,
genau so wie die Sauhatz, mit Hunden betrieben. Starke bissige
B�ren- oder �Bollenbeiger" trieben den best�tigten �S��fu�" auf und
deckten ihn, so da� der J�ger mit dem Gisen den Fang auf den Stich
geben konnte, lebend wurde Meister Petz in den B�reng�rten,
.gruben und �tasten gefangen unb f�r die Kampfspiele in die Hatz�
g�rten transportiert. Kurf�rst Johann- Georg B. hat in neun
Jahren, von 582 bis (592 in der Kurmark 9 B�ren eigenh�ndig
abgefangen, allerdings ging feine B�reumeute dabei in die Sinfen.
Ein Hauptb�r 3, V. wurde 5594 in Ostpreu�en gefangen. Ich
machte mir den Scherz, die im Aktenst�ck eingehefteten Vindfaden-
enden zu messen: (,59 Meter H�he und 2,90 Meter l�nge, also ein
kapitaler Vursche.
In Ostpreu�en, sowie in dem sp�ter dem K�nigreich einver-
leibten Westpreu�en dauerte die V�renplage bis in die ersten Iah�
zehnte des (9. Jahrhunderts. Gstpreu�en ist �berhaupt stets bas
gelobte Staub der B�ren und der V�renj�ger gewesen; geradezu un-
glaubliche Mengen muffen die �preu�ischen Wildn�sse" bev�lkert
haben. Doch scheint �S��fu�" lange nicht so bei der Bev�lkerung
verha�t gewesen zu sein, wie Isegrim. Bedeutend weniger Vieh
ist dem anscheinend so plumpen und doch wieder so behenden Gesellen
zum �pfer gefallen, als wie den W�lfen, sein Ziel waren mehr die
Vienenst�cke der litauischen B�uerinnen. Wie in den alten kur-
f�rstlichen landen geh�rte auch in Vstpreu�en die B�renjagd dem
Monarchen ;es bedurfte jederzeit erst einer ausdr�cklichen Genehmigung,
Petz jagen 3U d�rfen. So fragt noch (725 die preu�ische Kammer
beim K�nige an, ob die B�ren in den Waldungen, in denen B�ren�
fange fehlen, sie auch viel Schaden tun, insonderheit gegen die pol*
nische Grenze zu, totgeschossen werden d�rfen, denn sie kommen aus
Polen und gehen auch nach bort wieder zur�ck, worauf sofort die
Genehmigung erfolgte. F�r diemitB�renf�ngen gesegneten Gegenden
h�tte die Erlaubnis bei der notorischen Gewandtheit der preu�ischen
Wildmsbereiter auch gar keinen Zweck gehabt. Nur in Ausnahme-
fallen hat der K�nig einem Untertan gekartet, auf feinem Grund
und Voden die Jagd auf Raubzeug auszu�ben. (7(5 wurde dem
Stallmeister und Amtshauptmann Graf oort Schliefen bas Recht er-
teilt, wie sp�ter seinem Nachfolger dem Vderj�germeister, eine Meile
In der Neumark und in Pommern konnten die Kurf�rsten
Joachim-Friedrich, Johann -Sigismnnd und Georg- Wilhelm noch
in freier wildbahn Meister Petz Hetzen, von 5S25 datiert sogar
noch eine Kabinettsorder an den preu�ischen J�germeister Reinhard
von Halle, ;5 junge V�ren f�r die �newm�rkischen Heiden und
wildn�sse zu unserer lust und ergetzlichkeit fange� zu lassen, um zu
25'
        
Top of page

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.